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Energieeffizienz - Zukunft nachhaltig gestalten

21.02.2008 - (idw) Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH

Das Wuppertal Institut verabschiedet Prof. Dr. Peter Hennicke mit einem Symposium

Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, Freunde und Wegbegleiter sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts sind in der Historischen Stadthalle Wuppertal zusammen gekommen, um im feierlichen Rahmen die Verdienste des international renommierten Wissenschaftlers und engagierten Präsidenten des Wuppertal Instituts, Peter Hennicke, zu würdigen. Am 31. Januar 2008 endete seine Amtszeit als Präsident des Wuppertal Instituts mit dem Übergang in den altersbedingten Ruhestand. NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart dankte im Namen der Landesregierung Professor Hennicke für seine Arbeit: "Die Energieforschung in Nordrhein-Westfalen hat Ihnen viel zu verdanken. Sie haben wesentlichen Anteil daran, dass das Wuppertal Institut vor allem in Fragen der anwendungsbezogenen Energieeffizienz-Forschung einen hervorragenden Ruf besitzt und nicht zuletzt seine Drittmitteleinnahmen erheblich steigern konnte."

Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung nutzte die Gelegenheit und lud Hennicke zusammen mit dem Festredner, Ex-UNEP Direktor Prof. Dr. Klaus Töpfer, ein, sich am Rande des Symposiums in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Peter Hennicke hat die Forschung am Wuppertal Institut maßgeblich mit geprägt. Im Oktober 1992 berief ihn Ernst Ulrich von Weizsäcker zum Direktor der Abteilung Energie am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, wo er 1998 zum Vizepräsidenten ernannt wurde. Im Jahr 2000 zunächst als Amtierender Präsident eingesetzt, wurde er im April 2003 zu seinem Präsidenten ernannt.

Für den Vordenker und Energiewirtschaftler Peter Hennicke gilt: "Klimaschutz und Verzicht auf Kernenergie sind bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts realisierbar, wenn der Steigerung der Energieeffizienz Vorrang vor der Energieerzeugung eingeräumt wird." Es gelang ihm und seinen Mitarbeitern, gemeinsam mit Amory Lovins, Leiter des Rocky Mountain Institute in Colorado/USA, dafür ein neues Weltenergieszenario, ein Faktor-Vier-Szenario, zu entwickeln.

Dass Energieeffizienz heute zu einem Begriff geworden ist, der gute Chancen hat zum Wort des Jahres zu werden, ist auch Hennickes unermüdlichem Wirken in Vorträgen, Veröffentlichungen und Gremien, z. B. in den Klima- und Energie-Enquetekommissionen des Deutschen Bundestags zu verdanken. Er fordert nichts weniger als eine "Effizienzrevolution"; sein Credo: "Die Energieeffizienz ist eine Win-Win-Veranstaltung. Nichtverbrauchte Kilowattstunden sind die risikoärmsten, saubersten und billigsten Optionen des Klima- und Ressourcenschutzes. Dabei geht es nicht um Verzicht, sondern um effizientere Technik, intelligentes Management und maßvollen Einsatz von Energiedienstleistungen."

Der Wirtschaft rechnet er vor, dass das neue Geschäftsfeld lohnt, bei der Politik, deren Primat er stets betont, fordert er dafür die geeigneten Rahmenbedingungen und Anreize ein. Wissenschaftliche Einsichten anschaulich und überzeugend an die Menschen und die Entscheider in unserer Gesellschaft zu vermitteln, gehört zu seinem Selbstverständnis. Er hat mit seinem Team die energiepolitische Diskussion in der Bundesrepublik entscheidend mit geprägt und ist auch international ein gefragter Experte und Ratgeber. Als Forscher hat er in den letzten Jahren die Bedeutung der Ressourceneffizienz für Unternehmen wie für die Volkswirtschaft herausgearbeitet. Das Thema ist inzwischen - auch aufgrund von Hennickes Interventionen - ganz oben auf der Agenda deutscher Umweltpolitik angelangt.

Das Amt des Präsidenten trat Peter Hennicke in einer Zeit des Umbruchs an. Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im September 2002 setzte in seinem "Plan of Implementation" nachhaltiges Konsumieren und Produzieren auf die internationale Tagesordnung und forderte u. a. ein integriertes Wissenschafts- und Politikverständnis. Mit der Neukonzipierung des Wuppertaler Forschungsprogramms unter Hennickes Leitung wurde dies methodisch und inhaltlich unter dem Stichwort "Angewandte Nachhaltigkeitsforschung" in der Forschungsagenda des Wuppertal Instituts umgesetzt. Ein weiterer wichtiger Anstoß dazu waren die Ergebnisse einer Evaluierung durch den Wissenschaftsrat. In kaum mehr als einem Jahr hatte das Institut aus eigenen Kräften eine neue Forschungsstruktur entwickelt und umgesetzt, die sich nicht nur in der Praxis bewährt, sondern das Institut zukunftsfähig gemacht hat.

Den unternehmerischen Herausforderungen eines Forschungsinstitutes in Zeiten knapper öffentlicher Kassen ist der Präsident Peter Hennicke kreativ und offensiv begegnet. Dies gilt insbesondere für eine deutliche Ausweitung der Drittmittelakquise. Um den Kontakt zu den Auftraggebern intensiver zu
gestalten und um an den lebhaften Diskursen in der Hauptstadt teilzunehmen, hat das Wuppertal Institut auf seine Initiative ein Büro in Berlin eröffnet. Gemeinsam mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat das Wuppertal Institut im August 2005 das "UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production" (CSCP) als Mitglied der internationalen Gemeinschaft der weltweit kooperierenden UNEP Centres gegründet.

Peter Hennicke hinterlässt ein wohl bestelltes Haus, das fit für die zukünftig eher noch wachsenden Aufgaben ist. Die Analyse der notwendigen Veränderungen und die Formulierung von Nachhaltigkeitskonzepten haben erst in wenigen Bereichen des Lebens und Wirtschaftens Wirkung entfaltet. Die konkrete Umsetzung und Gestaltung einer klima- und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise steht noch aus. Diesbezüglich wird die wissenschaftliche Kompetenz des Wuppertal Instituts aber auch von Peter Hennicke persönlich weiter gefragt sein. Hennicke wird dem Wuppertal Institut mit seiner wissenschaftlichen Erfahrung im Rahmen einer projektförmigen Zusammenarbeit u. a. im Themenbereich "Ressourceneffizienz" weiter zur Verfügung stehen.


Über die Nachfolge von Prof. Hennicke wird zur Zeit verhandelt. Bis zum Amtsantritt eines neuen Präsidenten wird Dr. Manfred Fischedick als Vizepräsident das Institut kommissarisch leiten.

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