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War Ernst Haeckel der Jean Pütz des frühen 20. Jahrhunderts?

04.04.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Universität Jena startet Forschungsprojekt zur Wissenschaftspopularisierung in Deutschland


Ernst Haeckel war selber Popularisator der Evolutionslehre von Charles Darwin.
Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach: Der Direktor des Jenaer Ernst-Haeckel-Hauses holt seine Wissenschaft immer wieder aus dem "Elfenbeinturm" heraus. (Foto: FSU) Jena (04.04.03) Heute ist es vor allem das Fernsehen, das Wissenschaft einem breiten Publikum nahe bringt, wie es als einer der Pioniere u. a. Jean Pütz seit 1974 mit der "Hobbythek" versucht hat. Auch die Wissenschaftler selber öffnen sich zunehmend der Gesellschaft und tragen ihren Teil zur Popularisierung bei. Doch diese Tendenzen sind keineswegs neu. "Bereits im endenden 19. Jahrhundert entstand eine regelrechte Popularkultur der Naturwissenschaften mit einer zum Teil auch direkt weltanschaulichen Ausrichtung", weiß Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach von der Universität Jena. Der Direktor des Ernst-Haeckel-Hauses wird nun in einem neuen Forschungsprojekt die "Wissenschaftspopularisierung in Deutschland und ihre Vermittler, eine Analyse zum populärwissenschaftlichen Umfeld Haeckels" erforschen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ihm für das am 1. April begonnene Projekt 82.000 Euro für zunächst zwei Jahre bewilligt.

Die Jenaer Wissenschaftshistoriker wollen in einer "vergleichenden Studie der Haeckel-Popularisatoren die Konturierung der Biowissenschaften im Ausgang des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre darstellen", erläutert Breidbach. Eine zentrale Rolle für den Boom der Biologie hatte damals Charles Darwins Evolutionslehre. Sie wurde im deutschen Sprachraum vor allem durch den Jenaer Zoologen Ernst Haeckel (1834-1919) verbreitet und fand dadurch in Philosophie, Religion, Literatur und selbst Design einen starken Widerhall; so wie es in England Thomas Henry Moore war, der das Image von Darwins Lehre prägte. Doch Haeckel stand nicht alleine, er war "von einem ganzen Kreis von Popularisatoren aus unterschiedlichen sozialen Kontexten umgeben", unterstreicht Breidbach. Dazu zählen neben dem Schriftsteller Wilhelm Bölsche (1861-1939) auch der Verleger Wilhelm Breitenbach (1856-1937) und der Zoologe Walter May (1868-1926).

Im neuen Forschungsprojekt soll nun ermittelt werden, wie stark diese Personen verzahnt oder einzeln die Popularisierung der Evolutionslehre betrieben. Auch die besonderen Akzentuierungen des Haeckelschen Biologismus bei den einzelnen Akteuren soll analysiert werden. "Es interessiert hierbei, inwieweit die Popularisatoren Haeckel nutzten, um naturwissenschaftliche Bildung zu propagieren oder aber das Interesse an den Naturwissenschaften nutzten, um die Haeckelsche Lehre zu verbreiten", weist Prof. Breidbach auf eine zentrale Fragestellung hin. Ziel des Projekts ist es, "eine exemplarische Studie zur Popularisierung der Naturwissenschaften um 1900 bis zum Beginn der 1930er Jahre vorzulegen", sagt der Direktor des Jenaer Haeckel-Hauses.

Und dass Breidbach selber ein offenes Ohr für die Popularisierung seiner Wissenschaft hat, beweist er durch ungewöhnliche Aktionen. So stellte er der Sängerin Björk für ihr aktuelles Musikvideo das Haeckel-Haus und entsprechende Abbildungen als Kulisse zur Verfügung. Die isländische Pop-Diva wird damit sicher fast ebenso viele Jugendliche erreichen wie Jean Pütz in seinen 27 Jahren Hobbythek.

Kontakt:

Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach
Institut für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft - Ernst-Haeckel Haus der Universität Jena
Berggasse 7, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 949500
Fax: 03641 / 949502
E-Mail: Olaf.Breidbach@uni-jena.de
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