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Die Qualität des Sportunterrichts ist unerforscht

04.04.2003 - (idw) Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Presseinformation des Arbeitskreis für Sportwissenschaft und Sport der Universitäten in Bayern: Bayerische Sportwissenschaftler haben Forschungskonzept entwickelt - Finanzierung bislang gescheitert

Die bayerischen Sportwissenschaftler fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut: "Wir haben an den Hochschulen die Verpflichtung, Lehrer für den Schulsport auszubilden, aber wir bekommen kein Geld, die Qualität des Sportunterrichts an bayerischen Schulen zu untersuchen und gezielt zu verbessern", ärgert sich Prof. Walter Brehm vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth. Zwar haben die bayerischen Sportwissenschaftler bereits vor drei Jahren ein Konzept für die systematische Qualitätsprüfung des Schulsports und für konkrete Projekte, diesen zu verbessern, vorgelegt, "doch trotz aller grundsätzlichen Zustimmung der Politik darf das alles nichts kosten", ergänzt der Würzburger Professor Peter Kapustin, Vorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbandes und Vorsitzender des Arbeitskreises für Sportwissenschaft und Sport der bayerischen Universitäten (AKS). Zwei Tagen lang hat der AKS nun an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) konferiert und unter anderem das Problem der Unterrichtsforschung beraten.

Kapustin und seine Kollegen sind überzeugt, dass der Sportunterricht in den Schulen wichtig für die Gesundheit der Kinder und der späteren Erwachsenen ist. "Es ist bekannt, dass sich viele Kinder zu wenig bewegen, und der Schulsport ist oft die einzige Möglichkeit, sie zur Bewegung zu animieren." Dies sei im Sinne des ganzheitlichen Lernens jedoch von großer Bedeutung, erläutert Prof. Helmut Altenberger, Universität Augsburg: "Häufig wird unterschätzt, in welch engem Zusammenhang die Motorik und die Intelligenzentwicklung bei Kindern stehen." Hinzu kommt die Bedeutung des Schulsports für die Gesundheit und die Gemeinschaftsfähigkeit der Kinder. "Es ist irrsinnig, dass schon Kinder Altersdiabetes haben oder immer mehr junge Menschen in den Wartezimmern der Orthopäden sitzen", verdeutlicht Kapustin, der die Ursache vieler gesundheitlicher Probleme im Bewegungsmangel sieht.

Prof. Alfred Rütten von der Universität Erlangen-Nürnberg geht davon aus, dass aber auch im Schulsport selbst einiges im Argen liegt: "Wir wissen, dass sich Kinder in einer Unterrichtsstunde im Schnitt nur sieben Minuten intensiv bewegen - aber ansonsten können wir nur aus subjektiven Erfahrungen mit dem Sportunterricht berichten." Wichtig sei unter anderem, die Kinder für Sport zu begeistern, damit sie ihn als Bereicherung und nicht als Zwang sehen.

Für Bayern hatte der AKS bereits vor drei Jahren ein Forschungskonzept entwickelt, das bundesweit einmalig wäre. Zwar sei die Zustimmung in der Politik zu diesem Konzept groß gewesen, doch tatsächlich wurden keine Forschungsgelder hierfür bewilligt. In ihrer Eichstätter Sitzung haben die Sportwissenschaftler nun entschieden, einen erneuten Anlauf zur Finanzierung des Projekts "Unterrichtsforschung und -verbesserung" zu unternehmen. "Neben dem Wissenschafts- und dem Kultusministerium betrifft das Thema genauso die Ministerien für Gesundheit und Soziales oder die Krankenkassen. Deshalb hoffen wir auf eine interministerielle Absprache und Unterstützung durch diese Institutionen", so Kapustin. Immerhin habe Sport in Deutschland einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, der sich auch im Schulsport niederschlagen sollte.


Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Klaus Lutter, Geschäftsführer des AKS
Universitätssportzentrum der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Telefon 08421/931405 oder 931280, E-Mail: klaus.lutter@ku-eichstaett.de
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