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Ein Meilenstein in der Behandlung von Blutkrebserkrankungen

04.04.2003 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Die weltweit erste Transplantation von Stammzellen aus dem peripheren Blut fand vor 20 Jahren am Universitätsklinikum Heidelberg statt


Prof. Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Abteilung Medizinische Klinik und Poliklinik V (Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie), Universitätsklinikum Heidelberg Heute gehört sie zum therapeutischen Angebot großer Kliniken, die krebskranke Patienten behandeln: Die Transplantation von Stammzellen, die aus dem peripheren Blut des Patienten gewonnen wurden (autologe Stammzelltransplantation), fand vor 20 Jahren im Universitätsklinikum Heidelberg zum ersten Mal statt. Der Patient war an einem Lymphom, einem Krebs von Immunzellen des Blutes, erkrankt. Durch die Transplantation konnte er geheilt werden und ist noch heute am Leben.

"Die autologe Stammzelltransplantation ist mittlerweile die häufigste Form der Transplantation, die bei Patienten mit verschiedenen Blutkrebstypen praktiziert wird und hat die Transplantation von Knochenmark fast vollständig verdrängt", erklärt Prof. Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Dort werden jährlich über 200 Stammzell-Transplantate übertragen; mehr als Dreiviertel sind autolog, also vom Patienten selbst gewonnen worden. Die meisten Patienten können geheilt werden: Je nach Grunderkrankung und Behandlung leben noch 50 bis 70 Prozent fünf Jahre nach der Transplantation.

Hochdosierte Chemotherapie / Produktion von Stammzellen wird angeregt

Bei der schon länger praktizierten Knochenmarktransplantation wird das Knochenmark aus dem Beckenknochen eines gewebetypisch passenden Spenders entnommen und übertragen. "Die Entdeckung der Blutstammzellen vor 25 Jahren hat die Behandlung von Blutkrebserkrankungen revolutioniert", erklärt Prof. Ho. Stammzellen können sich zu allen Blutzellen weiterentwickeln und das Knochenmark ersetzen. Dort sind sie jedoch nicht sesshaft, sondern wandern in das periphere Blut. Vor der Blutentnahme werden dem Patienten Wachstumsfaktoren verabreicht, die eine Vermehrung und Differenzierung der Stammzellen stark anregen. Dadurch können Stammzellen meist in großer Zahl dem peripheren Blut entnommen und zum Transplantat aufbereitet werden.

Vor der Transplantation werden die Patienten mit einer hochdosierten Chemotherapie und mitunter Bestrahlung behandelt, um möglichst viele Krebszellen abzutöten. In dieser Zeit sind sie besonders gefährdet durch Infektionen oder Blutungen, da ihre Immunabwehr praktisch ausgeschaltet und ihre Blutgerinnung stark gestört ist. Deshalb werden sie in einer keimarmen Transplantationsstation behandelt, bis sich ausreichend Blutzellen nach der Transplantation gebildet haben.

Autologe Transplantationen haben Vorteile gegenüber den allogenen Transplantationen, bei denen die Stammzellen von verwandten oder mit Hilfe eines Knochenmarksregisters ermittelten Spenders übertragen werden: Die autologe Transplantation wird oft besser vertragen. Außerdem entfällt die häufig schwierige Suche nach einem geeigneten Spender. "Welche Art der Transplantation empfohlen wird, hängt von weiteren Faktoren ab", erklärt Privatdozent Dr. Hartmut Goldschmidt, Leitender Oberarzt der Abteilung für Hämatologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Dazu gehören u.a. Alter des Patienten und das Stadium der Erkrankung.

Zum Patiententag in Heidelberg sind alle Transplantierten eingeladen

Aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums haben die Heidelberger Ärzte alle Patienten eingeladen, die in den vergangenen Jahren in Heidelberg transplantiert worden sind. Bei dem Patiententag am 5. April werden Patienten ihre persönliche Krankengeschichte vortragen und für musikalische Unterhaltung sorgen. Zum Programm gehören weiterhin Vorträge, die sich mit der Entwicklung der Knochenmark- und Stammzelltransplantation befassen und das für Patienten wie Ärzte so wichtige Thema Lebenskraft behandeln.

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