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Forschungsprojekt Alexithymie: Wo werden Emotionen wie verarbeitet?

07.03.2008 - (idw) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Rund zehn Prozent aller Menschen sind "alexithym", d.h., sie können Gefühle nur sehr eingeschränkt empfinden. Eine angemessene Wahrnehmung und Verarbeitung von emotionaler Information ist aber für das zwischenmenschliche Zusammenleben von enormer Bedeutung. "Emotionale Intelligenz" bzw. "Kompetenz" ist eine Schlüsselqualifikation für den Umgang mit anderen Menschen, sowohl am Arbeitsplatz, als auch im privaten Bereich oder zu Hause in der Familie. Das Konzept der "Alexithymie" (z. Dt. in etwa: "keine Worte für Gefühle" oder "Nicht-Lesen-Können von Gefühlen") beschreibt keine Erkrankung, sondern ein Persönlichkeits-merkmal. Menschen, bei denen diese Eigenschaft stark ausgeprägt ist, haben oft Schwierigkeiten, gefühlsbetonte Signale oder Reize aus ihrer Umwelt als "emotional" wahrzunehmen, eigene Gefühle und Gemütszustände zu äußern und in Worte zu fassen. Oftmals werden alexithyme Menschen von ihrer Umgebung als phantasiearm, faktenzentriert und dem "Hier und Jetzt" verhaftet erlebt. Bei etwa 10 Prozent der Allgemeinbevölkerung ist dieses Merkmal stärker ausgeprägt.

Obwohl "Alexithymie" keine Erkrankung im engeren Sinn ist, müssen "alexithyme Verhaltensmerkmale" als Risikofaktor für die Entstehung psychischer bzw. psychosomatischer Erkrankungen verstanden werden. So sind z.B. in der Gruppe der chronischen Schmerz-patienten alexithyme Personen überdurchschnittlich häufig anzutreffen.
Alexithyme werden oft von ihren Mitmenschen als emotionslos erlebt. Den Betroffenen fällt es aber oft schwer, emotionale Reaktionen ihres sozialen Umfeldes richtig zu deuten. Dadurch kommt es oft zu Konflikten, Irritationen und Ablehnung, die langfristig bei den Betrof-fenen zu einer Reihe von Beschwerden führen können (z.B. depressiven Verstimmtheit, Schmerzen, Stresssymptome, Suchtprobleme etc.).

Die Verarbeitung emotionaler Information im Gehirn ist bei Menschen mit stark ausgeprägten alexithymen Merkmalen möglicherweise verändert. Es wird angenommen, dass bei der Verarbeitung von emotionalen Reizen bei Alexithymen andere Regionen des Gehirns aktiv sind bzw. die Aktivierung von entsprechenden Hirnregionen weniger stark ausgeprägt ist.

In einer Kooperationsstudie zwischen der Nuklearmedizinischen Abteilung des Forschungszentrums Jülich (Direktor Prof. Dr. H.-W. Müller) und des Labors für Psychophysiologische Affektforschung (Leiter Prof. Dr. M. Franz) am Klinischen Instituts für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf (Direktor Prof. Dr. Dr. W. Tress) untersuchen Dr. Ralf Schäfer und Dr. Dr. Alexander Heinzel diese Aktivierungsmuster im Gehirn alexithymer Probanden. Dabei werden sowohl die Gehirn-ströme (EEG) der Probanden an der Kopfoberfläche erfasst, als auch mittels Bildgebung (fMRT) die Regionen im Gehirn identifiziert, die bei der Verarbeitung von emotionalen Reizen aktiv sind. Diese Verfahren ergänzen sich gegenseitig, da mittels fMRT-Aufnahmen die aktiven Hirnregionen sehr gut sichtbar gemacht werden können und mittels EEG Aussagen über den zeitlichen Verlauf der Hirnaktivierung möglich sind. Des Weiteren kann durch ein neues mathematisches Verfahren aus den EEG-Daten geschätzt werden, wo zu einem bestimmten Zeitpunkt die Aktivität im Gehirn am stärksten ausgeprägt war. Diese Daten werden dann mit den fMRT-Bildern verglichen.


Die so gewonnenen Daten führen zu einem besseren Verständnis von alexithymen Merkmalen. Dadurch können diagnostische Verfahren verbessert und neue psychotherapeutische Ansätze erarbeitet werden, die speziell darauf abgestimmt sind, bei alexithymen Betroffenen die emotionale Kompetenz langfristig zu stärken.
Für die Studie werden weiterhin noch gesunde, rechtshändige Probanden gesucht, Interessierte melden sich bitte telefonisch in Düsseldorf unter 0211-8112536 oder in Jülich unter 02461-618717.
Kontakt kann auch per Mail aufgenommen werden: loreta@uni-duesseldorf.de bzw. a.schieffer@fz-juelich.de.

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