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Handel mit illegalem Elfenbein nimmt zu: Elfenbein-Tagung in Mainz setzt Artenschutz auf die Agenda

10.03.2008 - (idw) Johannes Gutenberg-Universität Mainz

5. Jahrestagung des Internationalen Zentrums für Elfenbeinforschung - Informationen für Fachleute und Laien über Arten- und Kulturschutz bei Elfenbein (Mainz, 10. März 2008, lei) Informationen aus erster Hand verspricht die 5. Jahrestagung des Internationalen Zentrums für Elfenbeinforschung (INCENTIVS) Fachleuten und Laien, die am 9. April 2008 den Weg an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden. Die europaweit einmalige Untersuchungs- und Forschungsstätte in Sachen Elfenbein will unter anderem detailliert über das bestehende Handelsverbot bei dem "weißen Gold" informieren. "Hier herrscht große Unsicherheit, weil Elfenbein aus bestimmten Ländern importiert werden darf und aus anderen nicht", erklärt INCENTIVS-Gründer Dr. Arun Banerjee. "Im Falle eines Falles kann man sich beim Zoll jedoch nicht auf seine Unwissenheit berufen, daher sollten Touristen gut Bescheid wissen." Aber nicht nur Fragen des Artenschutzes, sondern auch Aspekte des Kulturschutzes werden bei der 5. Jahrestagung von INCENTIVS auf dem Programm stehen. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 9. April ab 10 Uhr im Senatssaal (Raum 702), Naturwissenschaftliches Institutsgebäude, Becherweg 21, Campus der Universität Mainz statt. Die interessierte Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Der internationale Handel mit Elfenbein hat in vielen afrikanischen Ländern in den 1980er-Jahren zu einem dramatischen Rückgang der Bestände geführt. Nach Angaben von Stefan Ziegler vom WWF Deutschland wurden vor allem in Ost- und Zentralafrika durch nicht nachhaltige Jagd sowie Wilderei pro Jahr bis zu 62.000 Tiere getötet. Um die Elefantenpopulationen Afrikas zu schützen, wurde der Afrikanische Elefant 1989 in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) als vom Aussterben bedrohte Art aufgenommen und damit jeglicher internationale kommerzielle Handel mit Elfenbein und anderen Elefantenprodukten verboten. Dennoch haben die Elefantenpopulationen der Elfenbeinküste, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik kaum vom Handelsbann profitiert, denn dort gehen die Bestände seit 1981 kontinuierlich zurück. Von einigen Ländern Zentralafrikas wird ein Anstieg des illegalen Handels mit Elfenbein seit 2004 berichtet.

"Auf dem Weltmarkt gibt es viel illegales Elfenbein", sagt Banerjee. "Deutschland ist dabei eine Durchgangsstation für Lieferungen nach Singapur, Japan, Thailand und China." Der Mainzer Elfenbeinexperte weist darauf hin, dass Elfenbein gerade in asiatischen Ländern ein Statussymbol ist und besonders Elfenbein von afrikanischen Waldelefanten wegen seiner Härte sehr geschätzt wird. Legales Elfenbein kann laut einem Beschluss von CITES in Den Haag 2007 von Südafrika, Simbabwe, Botswana und Namibia verkauft werden: Diese vier Länder dürfen die Elfenbeinvorräte, die sie bis zum 31. Januar 2007 legal gesammelt haben, auf den Markt bringen, weil es dort mittlerweile zu viele Elefanten gibt.

"Grundsätzlich gilt aber immer noch: Hände weg vom Elfenbein", so Banerjee. Oft würden Touristen aus Unwissenheit Ziergegenstände aus Elfenbein mitbringen oder sich damit herausreden, dass der Verkäufer im Ausland gesagt habe, das sei in Ordnung. "Der Handel mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt, und bei oft unbedarften Touristen erfreuen sich exotische Souvenirs großer Beliebtheit", ergänzt Christine Kolodzeiski, Sprecherin des Zollamts am Frankfurter Flughafen. INCENTIVS arbeitet eng mit den Zollbehörden des Flughafens und der Zollfahndung zusammen, wenn es darum geht, die Herkunft von konfisziertem Elfenbein zu bestimmen. Dabei fielen den Fahndern auch schon Gegenstände in die Hand, die als Elfenbein gekauft wurden, tatsächlich aber aus Kunststoff bestanden. "Der Laie kann das kaum unterscheiden". Banerjee arbeitet aber nicht nur für Zoll und Staatsanwaltschaften in Deutschland, sondern wird immer wieder auch von ausländischen Behörden wie dem französischen Umweltministerium konsultiert. Vor allem die zerstörungsfreien Untersuchungsmethoden haben Mainz über die Landesgrenzen hinweg international bekannt gemacht.

Über die rechtlichen Voraussetzungen der Ein- und Ausfuhr von Elfenbein in der Europäischen Union wird bei der 5. Jahrestagung von INCENTIVS im Detail Jutta Roth vom Bundesamt für Naturschutz berichten. Bei der INCENTIVS-Tagung werden aber nicht nur Fragen des Artenschutzes, sondern insbesondere am Nachmittag auch neue Projekte beim Kulturschutz erörtert. Im vergangenen Jahr wurden in Mainz prähistorische Elfenbeinobjekte untersucht, die vor circa 4000 Jahren auf der Iberischen Halbinsel hergestellt worden sind. Dr. Thomas Schuhmacher vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Madrid wird im Anschluss an dieses Projekt über neue Funde in Portugal und Marokko sowie deren Untersuchung berichten. Die Zusammenarbeit zwischen INCENTIVS und dem DAI wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell unterstützt. Darüber hinaus untersucht INCENTIVS-Mitarbeiterin Giovanna Bortolaso im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Palestine Exploration Fund (PEF) in London archäologische Elfenbeinproben aus Samaria-Sebaste.

Das Internationale Zentrum für Elfenbeinforschung - die Abkürzung INCENTIVS leitet sich von der englischen Bezeichnung International Center of Ivory Studies ab - wurde im Jahr 2003 auf Initiative von Dr. Arun Banerjee und mit Unterstützung von Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister am damaligen Fachbereich Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität gegründet. Es verbindet Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften, es dient Behörden und Museen, hilft Sammlern und Kunstschaffenden und macht sich um den Artenschutz und die Entwicklung von Analysemethoden verdient. Neben zahlreichen Einzeluntersuchungen und daraus resultierenden Materialgutachten hat INCENTIVS ein internationales Kooperationsnetz entwickelt. Zwischen Universitätsinstituten, Museen, Behörden und auswärtigen Forschungseinrichtungen wurden interdisziplinäre Kontakte geschaffen. Eine enge Zusammenarbeit verbindet INCENTIVS mit den Zollbehörden des Frankfurter Flughafens und den Staatsanwaltschaften, für die es beschlagnahmte Gegenstände untersucht. Seit 2005 ist Banerjee vom Bundesumweltministerium zum Artenschutzbeauftragten ernannt.


Kontakt und Informationen:
Dr. Arun Banerjee (INCENTIVS)
Institut für Geowissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-24367 oder 39-24365
E-Mail: banerjee@uni-mainz.de
Weitere Informationen: http://www.incentivs.uni-mainz.de
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