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Consilium Campusentwicklung Gießen gibt Empfehlungen zur städtebaulichen Entwicklung der Universität

12.03.2008 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Ziel sind kompakte Campusbereiche, gute Verbindungen untereinander und verbesserte Wahrnehmung im Stadtgebiet - Neue Mitte soll Philosophikum-Standorte verbinden Mehr als eine halbe Milliarde Euro sollen der Universität Gießen in den nächsten Jahren aus dem Investitionsprogramm HEUREKA der Landesregierung zur Verfügung stehen. Mehrere Bauvorhaben, darunter der Neubau der Chemie und der Veterinärmedizin, sind schon in der Planung. Das Biomedizinische Forschungszentrum am Seltersberg ist längst im Bau. Mit einem Gesamtkonzept, das unter anderem kompakte und in sich schlüssige Campusbereiche, eine attraktive städtebauliche Verbindung untereinander und eine verbesserte Wahrnehmung im Stadtgebiet vorsieht, beschäftigt sich seit Herbst vergangenen Jahres das so genannte Consilium Campusentwicklung Gießen. Dazu gehören neben Vertretern der Universität, der hessischen Ministerien für Wissenschaft und Kunst sowie Finanzen und der Stadt Gießen auch Experten aus den Gebieten Architektur, Freiraum und Städtebau. Den Vorsitz hat Prof. Dr. Bernd Scholl vom Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich.

Empfehlungen, die sich aus verschiedenen Konzepten von vier Planungsteams ergeben haben, hat das Consilium am Dienstag an den Präsidenten der Universität Gießen, Prof. Dr. Stefan Hormuth, den Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts und den Gießener Baudezernenten Thomas Rausch übergeben. Demnach sollen mindestens drei Module mit Campus-Atmosphäre geschaffen werden. Dabei handelt es sich um den Campus Lebenswissenschaften mit den Fächern Medizin, Veterinärmedizin, Naturwissenschaften sowie Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaften, um den Campus Kultur- und Sozialwissenschaften mit Wirtschaft, Geistes- und Kulturwissenschaften, Recht und Sport und um das Universitätszentrum mit Verwaltung, Veranstaltungszentrum, Studienservice und sonstigen zentralen Einrichtungen. Empfohlen werden unter anderem bessere Busverbindungen - wie eine Uni-Ringlinie - und eine Verbesserung des Rad- und Fußwegenetzes. Das sei schnell umsetzbar und könne eine erste Realisierungsstufe sein.

"Hier zeigt sich die städtebauliche Verantwortung für Gießen, der sich Universität und Stadt gemeinsam stellen", sagte Prof. Hormuth nach der Präsentation. "HEUREKA wird an der Universität Gießen nicht nur die Summe von Einzelprojekten, sondern ein Konzept für die ganze Universität und die Stadt sein."

"Mit dem Hochschulbauprogramm HEUREKA investiert das Land Hessen bis 2020 allein in Gießen gut eine halbe Milliarde Euro", hob Staatsminister Corts hervor. "Damit erhält nicht nur die Universität exzellente Voraussetzungen, um den Wettbewerb um Studierende, Wissenschaftler und Drittmittel für Forschung und Lehre in Zukunft erfolgreich meistern zu können, auch für die Stadtentwicklung in Gießen eröffnen sich neue Perspektiven."

Herausgestellt wurde im Consilium das große Potenzial der Universitätsstadt Gießen, die über einen einzigartig zentral gelegenen Bahnhof und gute Verkehrsverbindungen verfügt. Der Bahnhof sei das wichtigste "Tor" zur Universität; entsprechend wichtig sei die städtebauliche Aufwertung des Bahnhofsbereichs. Das Consilium empfiehlt die Prüfung eines zusätzlichen Bahnhaltepunkts an der Bahnstrecke nach Fulda mit dem Namen "Justus-Liebig-Universität", der von allen Campusbereichen aus gut erreichbar wäre.

Besonders positiv bewerteten die Consiliumsmitglieder die so genannte "Elastizität" der einzelnen Universitäts-Standorte. Gemeint ist, dass die vorhandenen Flächen je nach Bedarf und Studierendenzahl genutzt werden können. Sowohl auf steigende als auch auf sinkende Studierendenzahlen könne flexibel reagiert werden.

Universitätszentrum:
Es wird dringend empfohlen, im zentralen Bereich keine Flächen und Optionen aufzugeben. Hier liege eine wichtige Flexibilität der Universität für künftige Entwicklungen. Dabei könne es sich zum Beispiel um eine Reserve für strategisch bedeutsame zentrale Funktionen handeln. Die Stadtvillen sollen erhalten bleiben und können zum Beispiel studentischem Wohnen dienen.

Campus Lebenswissenschaften:
Potentiale zur Ergänzung und Verdichtung werden nordwestlich der Gaffkystraße im Forschungsbereich gesehen. Geplant ist unter anderem ein Gebäude für patientennahe Forschung. Zeitnah sollen sich den Empfehlungen zufolge die beteiligten Akteure Universität, Stadt und Universitätsklinikum Gießen und Marburg gemeinsam um eine Lösung bemühen. Ziel ist die Entwicklung eines tragfähigen Leitbildes im Rahmen einer vertiefenden Untersuchung im Sinne einer Machbarkeitsstudie.

Campus Kultur- und Sozialwissenschaften:
Leitprojekt für diesen Bereich soll dem Consilium zufolge die Schaffung einer neuen Mitte zwischen Philosophikum I und II sein, zum Beispiel mit einem Mensa-Neubau in der Nähe der Bushaltestelle Rathenaustraße. Der Standort der alten Mensa wäre dann eine strategische Flächenreserve. Auch die anderen Campusteile (Recht und Wirtschaft sowie Sport) sollen zentrale Orte bekommen, an denen Servicefunktionen etc. angeboten werden, möglichst auch mit Haltestelle. Eine wichtige Rolle für die Verbindungen untereinander soll auch die Bergkaserne spielen. Es wird empfohlen, in der Entwicklung der Bergkaserne auf die direkte Nachbarschaft zur Universität Rücksicht zu nehmen.

Durch die Ideenkonkurrenz der vier Teams sollten die verschiedenen Möglichkeiten ausgelotet werden. Ziel ist ein Gesamtkonzept für die baulich-räumliche Entwicklung der Universität auf der Basis der Ergebnisse der Teams. Ausdrücklich ging es nicht darum, einen Siegerentwurf zu prämieren. So liefert das Verfahren erste belastbare Aussagen für den Einstieg in die Diskussion der städtebaulichen und baulichen Zukunft der Universität Gießen.

Jetzt soll zunächst ein Vertiefungsprozess stattfinden, wozu der Sachverstand des Consiliums genutzt wird.

Folgende Teams wurden mit den Konzepten beauftragt: ASTOC GmbH & Co. KG, Architects & Planners, Köln, Dietz o Joppien, Architekten AG, Frankfurt am Main, netzwerkarchitekten, Darmstadt, ppals, pesch partern architekten stadtplaner, Stuttgart.

Mitglieder des Consiliums:
- Prof. Dr. Gerd Aufmkolk, Werkgemeinschaft Freiraum, Nürnberg
- Irene Bauerfeind-Roßmann, Ministerialdirigentin, Leiterin der Abteilung II (Investitionsplanung, Informationstechnologie, internationale Angelegenheiten, Belange der Studierenden) im HMWK
- Dr. Michael Breitbach, Kanzler der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen
- Hans Dettling, Leiter Stadtplanungsamt Gießen

- Friedhelm Dorndorf, Hessisches Baumanagement RNL Mitte, Projektleiter HEUREKA
- Katherina Hannemann, Dezernentin Liegenschaften, Bau und Technik, JLU
- Prof. Dr. Bernd Scholl, Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung, ETH Zürich
- Prof. Dr. Walter Schönwandt, Universität Stuttgart, Institut für Grundlagen der Planung
- Prof. Dr. Hartmut Topp, Retzko + Topp, Darmstadt
- Dr. Sebastian Wilske, Institut für Städtebau und Landesplanung, Technische Universität Karlsruhe
- Guido Brennert, Referent im Hessischen Ministerium der Finanzen

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