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Eugenik und Euthanasie

25.03.2008 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Öffentliche Tagung im Toscanasaal der Würzburger Residenz - Eugenik und Euthanasie, Erbgesundheit und Sterbehilfe - bei diesen Begriffen denken die meisten Menschen zuerst an die Untaten der Nazis. Die Ideen, die dahinter stecken, sind aber schon lange vor 1933 entstanden. Eine öffentliche Tagung an der Universität Würzburg will nun den Anfängen des eugenischen Denkens und dessen Beziehung zur Euthanasie nachspüren. Vier Lehrstühle der Juristischen Fakultät haben sich zusammengetan und organisieren die Tagung gemeinsam. Sie findet am Donnerstag und Freitag, 3. und 4. April, im Toscanasaal der Residenz statt. Gäste sind willkommen, der Eintritt ist frei. Die Referenten stammen aus Würzburg, Zürich, Berlin, Frankfurt am Main und Altenberg in Österreich.

"Das Besondere an unserer Tagung ist, dass wir die Themen Eugenik und Euthanasie erstmals fachübergreifend angehen", erklärt der Rechtshistoriker Dr. Ignacio Czeguhn. So werden die Vorträge von Juristen, Medizinern, Philosophen und Theologen gehalten. Diese Disziplinen hätten die Thematik bislang nur aus ihrer je eigenen Sicht betrachtet, nun soll ein intensiver Austausch in Gang kommen.

"Eugenik und Euthanasie 1850-1945: Ursachen, Entwicklungen, Folgen", so der Titel der Tagung. Es war zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Wissenschaften große Fortschritte versprachen. Utopien von der Schaffung des perfekten Menschen schlugen damals die Reformer in ihren Bann. Viele glaubten, dass soziale Probleme der Moderne - wie etwa Kriminalität, Alkoholismus oder die vermeintliche Zunahme geistiger und körperlicher Leiden und Behinderungen - genetisch bedingt seien und von Generation zu Generation vererbt würden. Psychiater, Genetiker und Anthropologen suchten darum in der Eugenik nach Lösungen für diese Phänomene.

Von 1933 bis 1945 machte sich die von Adolf Hitler geführte nationalsozialistische Regierung diese Anliegen zu Eigen, instrumentalisierte und radikalisierte sie. Mit Hilfe von Ärzten, Erbforschern, anderen Wissenschaftlern und Gesundheitsbeamten forcierte das Nazi-Regime einen Nationalismus, der aus der angeblichen biologischen Überlegenheit der "arischen Herrenrasse" einen Anspruch auf territoriale Expansion ableitete. Getrieben von einer Rassenideologie und unterstützt von führenden Wissenschaftlern versuchten die Nationalsozialisten, Juden, Sinti, Roma und andere "Artfremde auszumerzen" und die deutsche Gesellschaft von Menschen zu "säubern", die den Nazis als "lebensunwert" galten.

Weitere Informationen: PD Dr. Ignacio Czeguhn, Institut für Rechtsgeschichte, T (0931) 31-2979, iczeguhn@jura.uni-wuerzburg.de

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