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Auch wenn die Chemie nicht paßt, können sich Termiten vertragen

08.04.2003 - (idw) Universität Bayreuth

Wieder renommierte Auszeichnung für Termitenforscher Dr. Manfred Kaib. Publikationspreis der Britischen Royal Entomological Society


Dr. Manfred Kaib Bayreuth (UBT). Für seine Forschung auf dem Gebiet der chemischen Ökologie wurde jetzt der Bayreuther Insektenforscher Dr. Manfred Kaib vom Lehrstuhl Tierphysiologie (Prof. Dr. Dietrich von Holst) erneut ausgezeichnet, nachdem er bereits vor gut zwei Jahren einen Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erhalten hatte. Die Royal Entomological Society in London, die mehrere hoch angesehene wissenschaftliche Zeitschriften verlegt, verleiht ihm zusammen mit seinen Kooperationspartnern aus Marburg, Hamburg und Nairobi (Kenia) den Preis für die beste Publikation der Jahre 2001 und 2002. Die Preisverleihung wird in Juni in London erfolgen.

Wofür wurde Dr. Kaib ausgezeichnet? Soziale Insekten sind in unseren Regionen durch Honigbienen, Wespen und Ameisen jedem gut bekannt. Weniger bekannt ist eine andere große Gruppe sozialer Insekten, die Termiten, die in den tropischen Regionen als Holzfresser eine hohe wirtschaftliche, aber auch als die "Regenwürmer der Tropen" bei der Bodenverbesserung eine wichtige ökologische Bedeutung besitzen.

Soziale Insekten sind in Kolonien organisiert, die in der Regel ein Territorium um ihr Nest herum verteidigen, was natürlich voraussetzt, dass einzelne Individuen zwischen Nestgenossen und Fremden unterscheiden können. Zu dieser Erkennung verwenden soziale Insekten chemische Signale, Wachse, die auf ihrer Körperoberfläche verteilt sind, sozusagen wie ein Körpergeruch.

Das Verständnis dieser Signalkette ist derzeit ein sehr aktuelles Forschungsgebiet der chemischen Ökologie. Kaib konzentriert sich mit seiner Arbeitsgruppe und seinen Kooperationspartnern auf dieses Forschungsgebiet. An afrikanische Termiten untersucht er die chemische Zusammensetzung der Erkennungssignale und deren Einfluss auf das Verhalten der Termiten.

Die Lehrbuchmeinung besagt, dass diese Signale innerhalb einer Kolonie die gleichen und zwischen Kolonien der selben Art sehr ähnlich sind. Je ähnlicher die Signale sind, um so toleranter sind die Tiere zueinander, und je mehr sie sich unterscheiden, um so aggressiver werden sie, was bei Kämpfen bis zum Tode führen kann.

Nun haben jedoch Kaib und seine Kooperationspartner bei einer Termitenart in den Küstenwäldern Kenias überraschendes entdeckt. Bei dieser Art gibt es zwischen den Kolonien große Unterschiede in der Zusammensetzung der Oberflächenwachse, also der Signale. Allerdings lässt sich das Ausmaß der Aggression nicht alleine durch Signalunterschiede erklären. Kaib und Mitautoren fanden nämlich heraus, dass sich Individuen aus benachbarten Kolonien vertragen, auch dann, wenn die Chemie nicht passt. Das macht durchaus Sinn, denn sobald einmal die territorialen Verhältnisse zwischen Nachbar geklärt sind und akzeptiert werden, so wäre ein ständiges Kämpfen zwischen Nachbarn unnötiger Energieaufwand und auch Verlust von Individuen.

Es reicht diesen kleinen Tieren offensichtlich aus zu erkennen, dass es sich bei einem Kontakt mit einem anderen Artgenossen zwar nicht um einen Nestgenossen, jedoch um einen friedlichen Nachbarn handelt. Ist der andere hingegen ein Fremder, so wird er bekämpft, denn es könnte ein Eindringling sein, der das etablierte Territorium streitig machen möchte.
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