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Landesexzellenznetzwerke organisieren Ringvorlesung zur Aufklärung

02.04.2008 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

"Ist Aufklärung ein universeller Begriff?" Mit dieser Frage beschäftigt sich im kommenden Sommersemester eine Ringvorlesung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Organisiert wird sie von Beteiligten zweier Landesexzellenznetzwerke, die an der MLU etabliert wurden: "Aufklärung - Religion - Wissen" und "Asien und Afrika in globalen Bezugssystemen" (repräsentiert durch die gleichnamige Graduiertenschule). Die Vorlesungsreihe startet am Montag, 14. April 2008. "Aufklärung in allen Ständen besteht eigentlich in richtigen Begriffen von unsern wesentlichen Bedürfnissen." Diese Begriffsbestimmung von Aufklärung - sie stammt aus dem Berlinischen Journal für Aufklärung Gottlieb Nathaniel Fischers - ist nur eine unter vielen, die im späten 18. Jahrhundert formuliert und diskutiert werden. Offenbar erkennen Zeitgenossen schon am Ende des Jahrhunderts, das von Immanuel Kant den Ehrentitel "Jahrhundert der Aufklärung" erhalten hatte, das Problem, den Begriff der Aufklärung zu bestimmen. Die Debatte um die "wahre" Aufklärung, um ihre kognitive wie soziale Reichweite, ihre Grenzen und Möglichkeiten geht zurück auf die philosophische Kernfrage "Ist Aufklärung ein universeller Begriff?"

Schon im 18. Jahrhundert balancierten sich Antworten auf diese Frage zwischen der Annahme der universellen Gültigkeit von Aufklärung und ihrer relativierenden Einschränkung ein. Aufklärung konnte transhistorisch als allgemeines Projekt und als programmatisches Konzept begründet, genauso aber als historisch gescheitertes Vorhaben denunziert oder wenigstens nach je historischen Umständen relativiert werden.

Das Hauptanliegen der interdisziplinär angelegten Vorlesungsreihe, hervorgegangen aus der Kooperation der "Graduate School Asia and Africa in World Reference Systems" mit dem Exzellenznetzwerk "Aufklärung - Religion - Wissen", ist es, den Aufklärungsbegriff auf seine universale Verwendbarkeit hin zu überprüfen. Die Ringvorlesung widmet sich dieser Frage aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie fragt nach der Verwendbarkeit des Aufklärungsbegriffs aus der Sicht verschiedener Fächer, verschiedener historischer Einstiege und verschiedener systematischer Aspekte und Methoden.

Schon aufgrund der Doppelung von Epochenbezeichnung und Programmbegriff ist die Grundfrage der Ringvorlesung von nicht zu unterschätzender Brisanz. Zudem haben sich verschiedene Differenzierungsbegriffe etabliert, die unterschiedliche Akzente setzen und sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegen: Man kann nun historisch von Früh-, Hoch- und Spätaufklärung wie programmatisch von Radikal- und Volksaufklärung reden. Auch nach der Reichweite und Legitimierung solcher Begriffe soll in der Ringvorlesung gefragt werden.

Zudem verlangt die Übertragung des Aufklärungsbegriffs auf verschiedene historische Epochen nach Erklärungen. Inwiefern kann man z.B. mit gutem Recht von "Aufklärung" im europäischen Mittelalter oder im Japan des 19. Jahrhunderts sprechen? Schon im 18. Jahrhundert stellte sich auch die Frage, ob der Begriff auf religiös unterschiedlich fundamentierte Kulturen übertragbar sein kann. Kann Aufklärung als überkultureller oder "überreligiöser" Begriff bestimmt werden? Inwiefern kann man von einer "jüdischen", "christlichen" oder "islamischen" Aufklärung sprechen und wie weichen diese Aufklärungen von einem universellen Programm ab?
In der Ringvorlesung wird auch darüber diskutiert, ob und inwieweit Aufklärung als gesellschaftliches Programm verstanden werden kann und von welchen Voraussetzungen ein solches ausgehen könnte. Ist Selbstaufklärung nötig? Wenn ja: Wie ist sie möglich?

An jedem Vortragstermin wird ein Gastredner zu einem der genannten Aspekte sprechen. Es antwortet ein hallescher Respondent in einem kürzeren Vortrag. Im Anschluss werden beide Positionen und Thesen unter Einbeziehung des Publikums diskutiert. Auch Studierende aller Fächer sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Zur Anerkennung der Teilnahme als Studienleistung ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Ort und Zeit:
Der Vorlesungszeitraum reicht vom 14. April bis zum 14. Juli 2008. Die Vorlesungen finden montags um 18:15 Uhr im Christian-Thomasius-Zimmer des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung statt (Franckesche Stiftungen in Halle, Franckeplatz 1, Haus 54) - mit Ausnahme der Eröffnungsveranstaltung, die im dortigen Bibliothekslesesaal abgehalten wird.
Zur Eröffnung sprechen Prof. Dr. Jan Peter Beckmann (Hagen) und als Respondent Prof. Dr. Ulrich Barth (Halle) zum Thema "Aufklärung im Mittelalter? Abälard und Ockham". Die Moderation übernimmt der Sprecher der Graduiertenschule Asia and Africa in World Reference Systems, Prof. Dr. Jürgen Paul.

Ansprechpartner:
PD Dr. Rainer Godel
Wissenschaftlicher Koordinator
Exzellenznetzwerk Aufklärung - Religion - Wissen

Tel.: 0345 55 21784
E-Mail: rainer.godel@netzwerk-arw.uni-halle.de

Dr. Hagen Findeis
Wissenschaftlicher Koordinator
Graduate School Asia and Africa in World Reference Systems
Tel.: 0345 55 24077
E-Mail: hagen.findeis@gsaa.uni-halle.de
Weitere Informationen: http://www.exzellenz-netzwerk-arw.uni-halle.de/veranstaltungen/ringvorlesung.htm http://www.gsaa.uni-halle.de/deu/aktuelles/termine.php
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