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Vorbeugung statt Reparatur: Prävention senkt die Kosten im Gesundheitssystem

09.04.2003 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Internationales Expertentreffen des Centrums für Krankenhaus Management

Münster/Gütersloh, 9. April 2003. Gezielte Prävention könnte bis zu 25 Prozent der Kosten im deutschen Gesundheitssystem einsparen. Trotzdem fließen zur Zeit weniger als 5 Prozent des Gesamtbudgets in solche Maßnahmen. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat eine
in­ternationale Expertenrunde in Münster Vorschläge zur Förderung der Prävention erarbeitet. Als Basis diente den 18 Experten aus allen Teilen der Welt ein internationaler Vergleich von Kosten-Nutzen-Analysen verschiedener Präventionsmaßnahmen. Die Analysen zeigen, dass für die Bevölkerung vor allem Anreize zur Vorsorge wichtig sind: "Die Menschen müssen wissen, welche kurzfristigen Vorteile ihnen Präventionsprogramme bringen. Ebenso müssen die negativen Folgen deutlich werden, die eine unterlassene Vorsorge haben kann", sagt der Leiter der Diskussion, Prof. Wilfried von Eiff vom Centrum für Krankenhaus Management an der Universität Münster.

Die Experten präsentierten zahlreiche Beispiele für die Effekte von Prävention: Eine noch laufende internationale Studie weist bereits nach, dass Prävention bis zu zwei Drittel der Alz­heimer-Erkrankungen vermeiden oder den Krankheitsbeginn erheblich verzögern kann. In Finnland reduzierte eine intensive Anwendung des PAP-Abstrichs die Anzahl an Fällen von Gebärmutterkrebs seit 1963 auf beinahe ein Fünftel. Ebenso konnte in Australien die Sterblichkeitsrate aufgrund von Gebärmutterkrebs von 5 auf 2,5 pro 100.000 Frauen halbiert wer­den. "Wir brauchen ein nationales Präventionsprogramm in Deutschland", folgert Prof. Wil­fried von Eiff.

Im Vordergrund eines solchen Programms sollten Krankheiten stehen, die auf einen ungesun­den Lebensstil zurückzuführen sind. In den USA werden dafür jährlich Milliarden von Dollar ausgegeben, z.B. ca. 100 Milliarden Dollar für Leiden, die durch Übergewicht verursacht werden, ca. 50 Milliarden Dollar für Erkrankungen durch Tabakkonsum, ca. 160 Milliarden Dollar für Krankheiten infolge von Alkohol und ca. 110 Milliarden Dollar für die Folgen von Drogenmissbrauch. Auch in Deutschland fließen hohe Beträge in die Behandlung vermeidba­rer Krankheiten: In Süddeutschland leiden etwa 40 Prozent der Bevölkerung zwischen 55 und 74 Jahren an gestörter Glukosetoleranz oder Diabetes. Dabei haben internationale Studien gezeigt, dass dieses Krankheitsbild oft durch eine gesunde Lebensweise verhindert werden könnte.

Mehr Prävention zu fordern, reiche nicht, sagt von Eiff: "Wir müssen sicher stellen, dass die Botschaft die Menschen erreicht. Dabei ist es mit Appellen aus der Politik nicht getan." Man müsse neue Wege der Kommunikation finden. So sei beispielsweise ein Versorgungspro­gramm für Brustkrebs in San Diego/Kalifornien erfolgreich über die örtlichen Friseure ver­breitet worden. Alle vorherigen Versuche, die Frauen durch Aufklärung über Anzeigen oder Fachkräfte zur Vorsorgeuntersuchung zu bewegen, seien dagegen fehlgeschlagen.

Um seine Wirkung entfalten zu können, benötige ein Präventionsprogramm auch eine effi­ziente Organisation. "Hausärzte als Gatekeeper sind kaum in der Lage, anspruchsvolle Prä­ventionsprogramme als Steuermann zu organisieren; die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Kompetenzzentren, Polikliniken und Spezialambulanzen eine geeignetere Infra­struktur für wirkungsvolle Vorsorge darstellen", sagt von Eiff.

Rückfragen an: Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff, Telefon: 0 251 / 833 1440
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