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Leberversagen durch Paracetamol?

08.04.2008 - (idw) Universitätsklinikum Essen

Wissenschaftler erforschen Ursache und Therapie bei Leberversagen Die Überdosierung des rezeptfreien Medikamentes Paracetamol ist oft die Ursache für ein akutes Versagen der Leber- Tendenz steigend. Besonders oft betroffen sind übergewichtige Frauen. Das ist nur eines von mehreren überraschenden Ergebnissen der "Acute Liver Failure Study Group", die Aufkommen und Ursache des akuten Leberversagens in Deutschland erforscht.

Bisher galt die Hepatitis als häufigste Ursache für das akute Versagen der Leber. "Die Fälle von akutem Leberversagen verursacht durch Medikamente, nehmen im Klinikalltag zu. Besonders oft ist das gängige Medikament Paracetamol, aber auch Marcumar, dafür der Auslöser", erläutert PD Dr. Ali Canbay, Leiter der Forschergruppe am Zentrum für Viszeralmedizin am Universitätsklinikum Essen. Die kritiklose Einnahme von Medikamenten wie Paracetamol hält Canbay deshalb für sehr gefährlich: "Paracetamol sollte rezeptpflichtig werden. Vor Einnahme dieses Medikamentes sollte die Leber im Ultraschall von einem Mediziner begutachtet werden", fordert der Wissenschaftler. Denn die Studie zeigt, dass gerade Übergewichtete mit einer so genannten Fettleber überdurchschnittlich oft unter den Betroffenen sind. Durch den erhöhten Fettanteil in der Leber, ist das Organ nicht in der Lage, eine Überdosierung von toxischen Medikamenten wie Paracetamol abzubauen. Die Folge: Leberzellen sterben, die Leber fällt zusammen. Die Betroffenen sind Bewusstseinsgetrübt, fallen ins Koma, entwickeln einen Ikterus (gelbliche Hautverfärbung) und haben Spontanblutungen.


Der Krankheitsverlauf ist dramatisch und endet, wenn nicht transplantiert werden kann, in 80 Prozent der Fälle mit dem Tod. Bis zu 500 Patienten sterben - Tendenz steigend - deutschlandweit an der schlecht therapierbaren Erkrankung. "Wir planen daher eine multizentristische Studie durchzuführen. Neben den Ursachen sollen auch Krankheitsverlauf und Therapie weiter erforscht werden" so Prof. Guido Gerken, Leiter des Viszeralzentrums am UK Essen.

Den Essener Forschern ist es gelungen, zumindest eine bessere Charakterisierung des Krankheitsverlaufs zu ermöglichen. So haben sie herausgefunden, dass eine erweiterte medizinische Anamnese und der Body-Maß-Index (BMI) helfen, das Risiko besser abschätzen. Weitere wichtige Faktoren seien die Entwicklung neuer Laborparameter, durch die sich der Grad der Gewebsnekrose und der Apoptose (Zelltod) bestimmen lassen.

Immerhin zeichnen sich auch bei der Behandlung Fortschritte am Horizont ab. So erforschen die Essener Wissenschaftler derzeit zusammen mit dem pharmazeutischen Unternehmen Cytonet den Einsatz körperfremder (allogenen) adulter Hepatocyten in der Therapie.
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Nähere Informationen: PD Dr. Ali Canbay, Klinik für Gastroenterologie u. Hepatologie,
Tel.: 02 01 / 7 23 - 3679, E-Mail: ali.canbay@uni-due.de

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