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Nominierung für Europas wichtigsten Innovationspreis - Stefan Hell überzeugt mit der Überwindung althergebrachter Paradi

11.04.2008 - (idw) Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Die Europäische Kommission und das Europäische Patentamt haben die zwölf Nominierten für den Preis "European Inventor of the Year 2008" bekannt gegeben. Der wichtigste europäische Innovationspreis wird in vier verschiedenen Kategorien verliehen. Einer der drei Finalisten in der Kategorie "Lebenswerk" ist der Physiker Prof. Stefan W. Hell, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am 6. Mai 2008 auf einer Gala-Veranstaltung im Rahmen des Europäischen Patentforums in Ljubljana, Slowenien. Verliehen wird der Preis durch den Slowenischen Staatspräsidenten Danilo Türk und die Europäische Patentsamtspräsidentin Alison Brimelow. Die Erfindungen der zwölf nominierten Forscher haben unseren Alltag nachhaltig beeinflusst und wurden erfolgreich patentiert und vermarktet. Verliehen wird der Preis in insgesamt vier verschiedenen Kategorien: "Industrie", "KMU/Forschung", "Außereuropäische Staaten" und "Lebenswerk". Als einer der drei Finalisten in der Kategorie "Lebenswerk" wird Stefan Hell von der hochkarätigen internationalen Jury geehrt für "die Überwindung althergebrachter Paradigmen in der optischen Physik durch die Entwicklung eines leistungsstarken STED-Lichtmikroskops, das neue durchschlagende Erfolge in der medizinischen Forschung ermöglicht".

Mit ihm in der Kategorie "Lebenswerk" nominiert sind der Belgier Erik De Clercq, der richtungweisende Beiträge zur modernen AIDS-Therapie geleistet hat, sowie der Italiener Leonardo Chiariglione, der die Videokompressionstechnologie entwickelte, die zum MPEG-Format geführt hat.

Mit seinen zunächst "verqueren" Ideen hat Stefan Hell Lehrbuchwissen auf den Kopf gestellt und die Lichtmikroskopie über akzeptierte Grenzen hinaus grundlegend verbessert. Mit der Erfindung der "STED-Mikroskopie" ist es dem Wissenschaftler gelungen, die 130 Jahre alte Auflösungsgrenze (von bestenfalls 200 Nanometern) in der Lichtmikroskopie radikal zu überwinden. Mit dem STED-Mikroskop wurde es erstmals möglich, in einer Zelle viel feinere Details scharf zu sehen. Damit hat Stefan Hell das Tor zum Nanokosmos der Zelle aufgestoßen. Winzige Proteinkomplexe mit einer Größe von nur 20 bis 50 Nanometern lassen sich mit dem STED-Mikroskop getrennt voneinander beobachten - Strukturen, die etwa 1000-mal kleiner sind als ein menschliches Haar.

Vor kurzem "drehten" die Wissenschaftler um Stefan Hell mit einem STED-Mikroskop das erste Live-Video aus einer lebenden Nervenzelle mit 65 Nanometern Auflösung - eine derart hohe Auflösung war vor einigen Jahren noch undenkbar. In Echtzeit konnten Wissenschaftler so Einblicke in die Prozesse der Signalübertragung zwischen Nervenzellen bekommen. "Die scharfen Einblicke ins Innere lebender Zellen werden am Ende zu wichtigen neuen Erkenntnisse in der Gesundheitsforschung führen und damit neue Therapieformen und neue Medikamente ermöglichen", sagt Hell. Seit November letzten Jahres ist das STED-Mikroskop auch kommerziell erhältlich; es wird von der Firma Leica Microsystems vertrieben. Für die Erfindung und Entwicklung der STED-Mikroskopie erhielt Stefan Hell im Jahr 2006 bereits den "Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten". Im Jahr 2008 wurde der Wissenschaftler dafür mit dem höchsten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet, dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis.

Hintergrund zum "European Inventor of the Year":
Mit dem Innovationspreis "European Inventor of the Year" werden Erfinder und ihre Erfindungen ausgezeichnet, "die innerhalb und außerhalb Europas einen maßgeblichen Beitrag zum technischen Fortschritt und damit zur wirtschaftlichen Stärkung Europas geleistet haben". Der Preis wurde gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Patentamt ins Leben gerufen und wird durch eine unabhängige internationale Jury vergeben. Die diesjährige Preisverleihung findet am 6. Mai 2008 im Rahmen des Europäischen Patentforums in Ljubljana, Slowenien, statt. Die Ehrung erfolgt durch den Slowenischen Staatspräsidenten Danilo Türk und die Europäische Patentsamtspräsidentin Alison Brimelow.

Zur Person:
Prof. Stefan W. Hell, Jahrgang 1962, studierte Physik in Heidelberg. Nach seiner Promotion 1990 in Heidelberg verfolgte er seine Ideen zunächst als "freier Erfinder", schlug dann aber als Postdoktorand am Heidelberger European Molecular Biology Laboratory (EMBL) die wissenschaftliche Karriere ein. Als Leiter der Laser Microscopy Group der Universität Turku, Finnland, entwickelte er das Grundprinzip der STED-Mikroskopie, die er ab 1996 als Nachwuchsgruppenleiter und ab 2002 als Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie weiterentwickelte. Er ist Leiter der Abteilung NanoBiophotonik am Institut. Stefan Hell ist wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Honorarprofessor für Experimentalphysik an der Georg-August-Universität Göttingen. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Preis der "International Commission for Optics (ICO)" (2000), den Helmholtz-Preis (2002), den "Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten" (2006) sowie den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis (2008).

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan W. Hell,
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
Tel. +49 551 201-2500, -2503,
Fax +49 551 201-2505,
E-Mail: shell@gwdg.de

Dr. Carmen Rotte, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
Tel. +49 551 201-1304,
Fax +49 551 201-1151,
E-Mail: pr@mpibpc.mpg.de

Sie finden diese Pressemeldung mit Bild zum Download in elektronischer Form unter: http://www.mpibpc.mpg.de/groups/pr/PR/2008/08_06/

Weitere Informationen: http://www.epo.org/about-us/press/releases/archive/2008/20080410_de.html - Pressemeldung des Europäischen Patentamts http://www.epo.org/about-us/events/epf2008.html - Film, Fotos, Audio-Podcast und weitere Informationen des EPA http://www.mpibpc.mpg.de/groups/hell/ - Die Abteilung für NanoBiophotonik
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