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Geophysik zum Schutz der Kornkammer Vietnams

09.04.2003 - (idw) Technische Universität Clausthal

Vietnamesische und deutsche Geowissenschaftler befassten sich in einem Seminar am 13. und 14. März in Hanoi mit Fragen der Deichüberwachung zum Hochwasserschutz. Bei dem Workshop wurden in 14 Vorträgen die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens und weitere Methoden vorgestellt, mit welchen der Zustand eines Deiches analysiert werden kann. Für die Zukunft verfolgen die vietnamesischen und deutschen Wissenschaftler das Ziel mit einem interdisziplinären Forschungsvorhaben weitere Probleme, die den Hochwasserschutz mit Deichen betreffen, gemeinsam zu lösen.


Ein Termitennest in einem Deich, links unten die Königin; wird sie getötet, stirbt das Termitenvolk binnen weniger Jahre.
Professor Dr. Andreas Weller mit den Studenten der Nationalen Universität Hanoi an einem Deich in der Provinz Thai Binh. Schwerpunktmäßig wurden auf der Konferenz die Probleme der Provinz Thai Binh in Nordvietnam erörtert. Diese Provinz, die zwischen mehreren Armen des Roten Flusses liegt und vollständig von Deichen umgeben ist, gehört zu den wichtigsten Reisanbaugebieten Vietnams.

Die Tagung wurde gemeinsam vom Nationalen Forschungszentrum für Naturwissenschaften und Technologie Vietnams (NCST) und dem Institut für Geophysik der TU Clausthal durchgeführt. Organisator der Tagung auf deutscher Seite war der Clausthaler Geophysiker Prof. Dr. Andreas Weller.

In einem von der Volkswagenstiftung finanzierten Forschungsvorhaben setzten Geophysiker aus Clausthal und Hanoi in den vergangenen Jahren mit Erfolg geoelektrische Methoden zum Auffinden von Termitennestern ein: Mit Elektroden wird ein Strom in den Untergrund eingeleitet und der Widerstand gemessen. Jener ist ein Maß für die Untergrundbeschaffenheit. Ein hoher Widerstand zeigt Hohlräume, beispielsweise Termitennester, an. Diese werden bei Hochwasser zu Schwachstellen; das gestaute Wasser sucht sich den Weg durch die Termitengänge und der Deich wird durchlässig.

Zur Zeit arbeiten die Forscher daran, die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Multielektroden-Geoelektrik für den tieferen Untergrund (4 m) zu verbessern. Stößt man auf einen Bereich, in welchem ein erhöhter Widerstand gemessen wurde, empfiehlt es sich, zusätzlich in kleinen Bohrungen die Dichte, den Wassergehalt und den spezifischen elektrischen Widerstand zu messen. Sind diese Parameter bekannt, lässt sich ein Bild des Deichinneren zeichnen: Wo liegen die Termitennester? Wo muss der Deich saniert werden?

Vor der Tagung traf sich Professor Weller mit Studenten der Nationalen Universität Hanoi, die eine Exkursion zu dem Untersuchungsgebiet in der Provinz Thai Binh durchführten, um ihnen die Funktionsweise verschiedener geoelektrische Verfahren an Deichen zu erläutern.

Für die Zukunft verfolgen die vietnamesischen und deutschen Wissenschaftler das Ziel mit einem interdisziplinären Forschungsvorhaben weitere Probleme, die den Hochwasserschutz mit Deichen betreffen, gemeinsam zu lösen. Das beginnt mit der Erstellung eines Katasters aller Deiche Vietnams (5000 km) auf der Basis eines Geo-Informationssystems. Es sollen die Methoden zur Beobachtung des Deichzustandes fortentwickelt und vietnamesische Fachleute in diesen Techniken ausgebildet werden. Es wird auch angestrebt, die Sanierung alter Deiche und den Deichneubau gemeinsam zu planen und durchzuführen.
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