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Befragung der Gründer läuft weiter - und dient gutem Zweck

25.04.2008 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

"Thüringer Gründer Studie" spendet für Kinderhospiz Mitteldeutschland Jena (25.04.08) Existenzgründungen sind die Motoren moderner Volkswirtschaften. Durch neu gegründete Unternehmen kommen neue Produkte und Ideen auf den Markt. Diese Innovationen sichern Beschäftigung und Wachstum. Aber wer sind diese Unternehmensgründer, die Risikobereitschaft, Initiative und Ausdauer zeigen? Gibt es schon früh in deren Lebenslauf Vorboten späterer unternehmerischer Aktivität? Wie innovativ sind die Geschäftsideen? Welche Bedeutung haben innovative Neugründungen für Thüringen?

Diese Fragen untersucht ein gemeinsames Forschungsprojekt von Psychologen und Wirtschaftswissenschaftlern der Universität (FSU) sowie der Fachhochschule (FH) in Jena. Inzwischen sind 400 persönliche Interviews mit Unternehmensgründern geführt worden. Diese "Halbzeitbilanz" war für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun Anlass, nicht nur ein Zwischenfazit zu ziehen, sondern auch ein Versprechen einzulösen: Die Projektleiter überreichten jetzt eine erste Spende von 2.000 Euro an das "Kinderhospiz Mitteldeutschland".

Seit Januar reist das interdisziplinäre Projektteam durch Thüringen und befragt Unternehmensgründer: "Wir setzen auf das persönliche Gespräch - da ist es entscheidend, dass so viele Gründer mitmachen", freuen sich Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen und PD Dr. Eva Schmitt-Rodermund (Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, FSU Jena) über 400 absolvierte Interviews. Bis Juni sind weitere 400 Interviews geplant.

"Thüringer Gründer Studie"

Für jedes Interview gehen fünf Euro an die "Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland". Damit unterstützt die "Thüringer Gründer Studie" eine besondere Neugründung: Im thüringischen Tambach-Dietharz errichtet die Stiftung ein Hospiz für unheilbar kranke Kinder und deren Familien. Hier sollen bis zu zwölf Familien mit ihren schwerstkranken Kindern in den verschiedenen Phasen des Lebens-, Pflege- und Sterbeprozesses für einen begrenzten Zeitraum professionell begleitet werden. Mit ihrer Spende wollen die Thüringer Gründer-Forscher die Errichtung dieser "Herberge des Lebens" unterstützen und gleichzeitig symbolisch den Zeitaufwand der teilnehmenden Unternehmer anerkennen. "Wir werden für unsere Studie von vielen Seiten unterstützt. Ohne die Mithilfe der Creditreform in Gera sowie der Einwohnermelde- und Gewerbeämter wäre die Erhebung nicht durchzuführen", so Prof. Dr. Gabriele Beibst, Rektorin der Fachhochschule Jena.

Prof. Dr. Uwe Cantner, Projektleiter und Inhaber des Lehrstuhls für Mikroökonomik der Universität Jena, nutzte die Übergabe der Spende, um eine Zwischenbilanz zu ziehen: "Die Gründungen sind sehr unterschiedlich - dennoch lassen sich erste Muster erkennen", stellt er fest. So scheint es den Gründern nicht an Ideen zu mangeln: Über 20 % der befragten Gründer in innovativen Branchen schätzen ihre Gründungsidee als nationale oder gar internationale Neuheit ein, und in knapp 50 % der untersuchten Unternehmen wird Forschung und Entwicklung betrieben. "Diese Gründungen in wissensbasierten und technologieorientierten Branchen legen nahe: Die Denkfabrik Thüringen läuft", so Prof. Cantner. Allerdings stoßen fast alle Jungunternehmer bei der Kommerzialisierung ihrer Ideen auf Schwierigkeiten. So ist die Marktlage für neue Produkte und Dienstleistungen oft schwer abschätzbar. Auch wollen Banken Sicherheiten und keine aussichtsreichen Ideen. Förderprogramme scheinen diese Schwierigkeiten kaum zu mindern: Sie wurden von überraschend wenigen Gründern in Anspruch genommen. "Gutes Blatt und trotzdem schlechte Karten?", fasst Prof. Cantner den Eindruck aus vielen Interviews zusammen.

"Wir vermuten, dass sich schon in der Jugend Vorboten späteren - erfolgreichen - Unternehmertums und Gründergeistes finden lassen", so Entwicklungspsychologe Prof. Silbereisen. In der Tat zeichnet sich in der laufenden Studie ab, dass eine Vielzahl von Gründern schon mit 14 bis 15 Jahren Erfindergeist, Führungsqualitäten und verkäuferisches Geschick an den Tag legten. Dr. Schmitt-Rodermund hierzu: "Jetzt wollen wir verstehen, wie diese Frühformen von Unternehmertum entstehen und auf spätere unternehmerische Verhaltensweisen wirken." Hierzu sind umfangreiche Analysen geplant.

Bei der Überreichung der Spende machten die Beteiligten deutlich, dass beide "Gründungsprojekte" weiter auf Unterstützung angewiesen sind: Die "Thüringer Gründer Studie" setzt weiterhin auf auskunftswillige Gründer, die zukünftige Existenzgründer von ihren Erfahrungen profitieren lassen. Auch Stephan Masch von der "Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland" wirbt weiter um Spenden, damit 2008 die "Herberge des Lebens" eröffnet werden kann.


Ansprechpartner:
Prof. Dr. Uwe Cantner / Dipl.-Psych. Martin Obschonka
"Thüringer Gründer Studie"
Universität Jena, 07737 Jena
Tel.: 03641 / 943200 oder 943209
E-Mail: uwe.cantner[at]wiwi.uni-jena / martin.obschonka[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.uni-jena.de/gruenderstudie
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