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89. Deutscher Röntgenkongress: "Kinderkrankheiten" werden erwachsen

29.04.2008 - (idw) Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Berlin, 29. April 2008. Angeborene Krankheiten: Früher erreichten viele der kleinen Pa-tienten nicht das Erwachsenenalter - heute können sie über 40 Jahre alt werden. Kinder-radiologen plädieren für engere Kooperation bei der Behandlung dieser Patientengruppe. Kinderkrankheiten - das sind nicht nur Masern oder Windpocken. Es gibt auch andere "Kinder-krankheiten": angeborene Herzfehler, Mukoviszidose oder schwere Fehlbildungen der Wirbel-säule. Diese werden von Medizinern deshalb so genannt, weil die kleinen Patienten früher das Erwachsenenalter in der Regel gar nicht erst erreichten. Jeder Einzelfall ist ein schweres Schicksal. Doch dank besserer Behandlungsstrategien und des Fortschritts in Diagnose und Therapie erlangen immer mehr junge Menschen, die von diesen schweren Krankheiten betroffen sind, ein mittleres Alter. Aber damit gibt sich die Medizin noch nicht zufrieden.
"Viele frühkindlich angelegte Krankheiten treten sehr selten auf. Die Ärzte, die die Menschen dann als Erwachsene behandeln, kennen sie darum kaum", stellt Prof. Dr. Richard Fotter, Leiter der klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Medizinischen Universität Graz, fest. In der Kindermedizin hätten sich Spezialisten herausgebildet, zum Beispiel Kinderonkologen für junge Krebspatienten, Kinderkardiologen für angeborene Herzfehler oder Kinderradiologen für die strahlenmedizinische Diagnose und Therapie von Kindern. "Jedoch stellen die herangewachsenen Körper andere Ansprüche an Diagnostik und Therapie, auf die viele Kinderspezialisten wiederum nicht eingestellt sind", erklärt der Grazer Radiologe.
Fast jedes hundertste neugeborene Baby leidet unter einer der zahlreichen Formen angeborener Herzfehler. Eine dieser Formen ist zum Beispiel die Fallot'sche Tetralogie. Hier treffen vier ver-schiedene Fehlbildungen des Herzens und der Aorta zusammen: Dies kommt etwa bei jedem tau-sendsten aller Neugeborenen vor. Die Prognose nach einem chirurgischem Eingriff ist günstig. Die Betroffenen werden heute älter und brauchen immer längere Betreuung - bis weit ins Erwachse-nenalter hinein. Inzwischen sind 80 Prozent der Patienten über 20 Jahre alt. Diese Tendenz gilt auch für andere Krankheitsbilder. Die Radiologen suchen stetig nach neuen Lösungen, um die kleine Gruppe von Patienten, die einer großen Aufmerksamkeit bedarf, angemessen betreuen zu können.
Prof. Dr. Erich Sorantin, stellvertretender Leiter der klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Medizinischen Universität Graz, wird im Jahr mit durchschnittlich fünf Herzinfarkten bei Kindern konfrontiert, die auf angeborene Fehlbildungen zurückgehen: "So komplexe Fragestellungen bearbeite ich nur im Team mit den Kinderkardiologen!", stellt er klar. Die strikte Trennung zwischen Kindern und anderen Fachrichtungen ist für diese Patientengruppen nicht mehr sinnvoll - so Sorantins Erfahrung. "Wir sollten die Patienten altersunabhängig als Menschen mit angeborenen bzw. erworbenen Herzerkrankungen behandeln."
Dem Thema Kinderradiologie wird auf dem diesjährigen Deutschen Röntgenkongress große Auf-merksamkeit geschenkt. Neben der optimalen Therapie bei angeborenen Herzfehlern diskutieren die nach Berlin gereisten Radiologen unter anderem die Möglichkeiten der systematischen Nach-sorge von Patienten, die im Kinder- und Jugendalter eine Krebserkrankung hatten.


Für Ihre Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Florian Schneider, Pressesprecher
Strasse des 17. Juni 114
10623 Berlin
Tel.: 030/916070-19
Mobil: 0171 / 44 58 201
Fax: 030/916070-22
e-mail: schneider@drg.de
Weitere Informationen: http://www.roentgenkongress.de http://www.ipse.de/roeko2008
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