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"Naturschutz und Ökolandbau - ein Handbuch für Praktiker, Berater und Verwaltungen" in Vorbereitung

07.05.2008 - (idw) Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Wo können die knappen Mittel für den Naturschutz am sinnvollsten eingesetzt werden?

Am 06.Mai 2008 folgten 20 Fachleute aus der Praxis, Beratung, Wissenschaft, Verwaltungen und den Ministerien für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern der Einladung von Dr. Karin Stein-Bachinger und Sarah Fuchs, Projektleiterinnen am Institut für Landnutzungssysteme des ZALF zu einem Workshop im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in Müncheberg, um über Inhalte und Layout des Handbuches zu diskutieren. Im kommenden Herbst soll es den Anwendern zur Verfügung stehen. Weshalb wird so ein Buch benötigt?
Die zukünftige EU-Politik wird Direktzahlungen an die Landwirtschaft immer mehr davon abhängig machen, ob ein Agrarbetrieb die Belange des Naturschutzes berücksichtigt und ob ökologische Erfolge bei der Bewirtschaftung tatsächlich eintreten.

Ökobetriebe haben ein hohes Potenzial, Naturschutz in die Landwirtschaft zu integrieren. Jedoch der steigende wirtschaftliche Druck ist ein starker Hinderungsgrund. Daher stellen sich viele Landwirte die Frage: Wie kann ich Naturschutzmaßnahmen umsetzen und trotzdem rentabel produzieren? Antworten darauf bietet das Handbuch. Darin werden erprobte und praktikable Maßnahmen für den Ackerbau vorgeschlagen, "ohne dabei Aufwand, Kosten und Nutzen sowie betriebliche Notwendigkeiten aus dem Blick zu verlieren" so Stein-Bachinger. Die in Form von Steckbriefen erläuterten Maßnahmen beschreiben konkret, was zum Schutz der in der Feldflur lebenden typischen Tiere und Pflanzen (z. B. Feldhasen, Feldvögel, Amphibien, Insekten, Ackerflora) getan werden kann und welche Auswirkungen für den Betrieb entstehen. Die Artsteckbriefe geben parallel dazu in übersichtlicher Form Informationen zu den Lebensraumansprüchen, der Biologie und Gefährdung der jeweiligen Art und enthalten eine Liste mit wirksamen Maßnahmen. Landwirte und Naturschützer profitieren somit gleichermaßen.

Hier nur zwei Beispiele:
(1) Weniger ist häufig mehr! Für die Praxis heißt das: Naturschutzmaßnahmen gezielt nur dort umsetzen, wo die größten Wirkungen zu erwarten sind! Wo besonders viele Tiere und Pflanzen vorkommen, lohnen sich auch Maßnahmen besonders, wie das Beispiel der Feldvögel zeigt: Sie bevorzugen Äcker mit Kleegras ohne angrenzenden Wald. Wird dort später gemäht oder der Schnitt höher angesetzt, überleben mehr dieser Bodenbrüter.

(2) Einige stark gefährdete Arten von Ackerwildkräutern lassen sich schon auf kleinen Teilflächen sehr effektiv schützen. Wenn z. B. am Schlagrand die Bodenbearbeitung nach der Ernte etwas später erfolgt, können die Samen von 'Spätentwicklern' wie dem seltenen Acker-Schwarzkümmel ausreifen, so dass sich wieder neue Pflanzen im folgenden Jahr entwickeln können. Derart gezielt eingesetzte Maßnahmen sind aus Sicht des Arten- und Lebensraumschutzes hoch wirksam. Gleichzeitig werden auch Verlust und Aufwand für den landwirtschaftlichen Betrieb stark eingegrenzt und bleiben kalkulierbar.

Fazit des Workshops:
Die teilnehmenden Experten fanden diese Veranstaltung äußerst wichtig, nützlich und schon lange überfällig. Einhellig wurden die mit dem Handbuch angestrebten Ziele begrüßt und die Einbindung von Vertretern aus landwirtschaftlicher wie naturschutzfachlicher Praxis als innovativ und sehr effektiv beurteilt.

In der sehr konstruktiven Atmosphäre wurde auch die Notwendigkeit diskutiert, die Steckbriefe auf andere Regionen Deutschlands auszuweiten. Wünschenswert wäre auch eine Verwendung als Grundlage für z. B. umweltpädagogische Veranstaltungen.

Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert.
Weitere Informationen: http://www.zalf.de http://www.naturschutzhof.de
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