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Der Reiz des Verbotenen in der DDR

07.05.2008 - (idw) Fachhochschule Potsdam

Fortsetzung der Vortragsreihe "Informationswissenschaften gegen den Gedächtnisverlust" der Fachhochschule Potsdam am 13. Mai 2008 Oft sind gerade jene Dinge am interessantesten und spannendsten, die "Andere" nicht erlauben. Welche Konsequenzen es hat, wenn diese "Anderen" die eigenen Regierenden sind, gehörte in der DDR zu Alltagserfahrung. Westliche Illustrierte wie die "Bravo" waren verboten, ebenso "systemkritische" Bücher und Schriften wie George Orwells "1984". Zudem lagen Texte oft nur in zensierter Form vor, was gerade jüngeren Lesern erst später bewusst wurde.

Dennoch gelangten viele DDR-Bürger an "verbotene Lektüre". Über dieses "heimliche Lesen in der DDR" wird der Leipziger Buchwissenschaftler Prof. Dr. Siegfried Lokatis am Dienstag, den 13. Mai im Rahmen der Vortragsreihe des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam referieren. Ein brisantes Thema der DDR-Zensurforschung: "Man vervielfältigte sogar ganze Bücher in einer Welt ohne Kopiergeräte, in der sogar die Schreibmaschinen von der Stasi überwacht wurden. (Heute) ist (es) kaum noch vorstellbar, welche Energien die heimlichen Leser freisetzten und welche originellen Tricks sie ersannen, um die unsichtbare Mauer zu überwinden, die die staatliche Literaturpolitik errichtet hatte."

Im vergangenen Herbst organisierte der durch seine Kolumne in der Berliner Tagespresse bekannte Siegfried Lokatis ein Kolloquium zum Thema "Der heimliche Leser in der DDR". In diesem Zusammenhang trafen sich neben Forschern und Wissenschaftlern vor allem Zeitzeugen des Informationskreislaufes "illegaler Schriften" der DDR. Über diese Forschungen zu "Büchermachern und Schmugglern, Bibliothekaren, Theologen und Untergrundpublizisten" wird in diesem Jahr eine Publikation erscheinen, aus der Erkenntnisse und Erfahrungsberichte während des Vortrags vorgestellt werden.

Der Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam setzt mit diesem Vortrag seine am 29. April begonnene Vortragsreihe "Informationswissenschaften gegen den Gedächtnisverlust", die der nachhaltigen Dokumentation der DDR-Geschichte gewidmet ist, fort.

Veranstaltungsort ist das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Die Reihe wird am 11. Juni mit einem Vortrag von Joachim Gauck zum Thema "Stasiunterlagen archivieren" fortgesetzt und findet ihren Abschluss am 8. Juli mit einem Vortrag von Dr. Ralf Forster und Matthias Struch, die sich mit dem audiovisuellen Erbe der DDR auseinandersetzen und zum Umgang mit dem Filmstock im Filmmuseum sprechen werden.
Die Vortragsreihe "Informationswissenschaften gegen den Gedächtnisverlust" wurde von Prof. Dr. Susanne Freund und Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm von der Fachhochschule Potsdam konzipiert (Kontakt: freund@fh-potsdam.de, Tel. 0331 580-1521 / hobohm@fh-potsdam.de, Tel. 0331 580-1514).

Medieninformationen und Veranstaltungshinweise der FH Potsdam können Sie
auch im Internet abrufen: http://www.fh-potsdam.de/aktuelles.html

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