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Geistiges Erbe des Islam: Koranwissenschaften heute

23.05.2008 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

FRANKFURT. Drei Tage wird die Goethe-Universität das Zentrum der geistigen Auseinandersetzung mit dem Islam sein: Vom 5. bis 7. Juni veranstalten die Stiftungsprofessur für Islamische Religion am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Frankfurt und die Gesellschaft zur Förderung der Islamstudien (GEFIS) ein Symposium zum Thema "Geistiges Erbe des Islam: Koranwissenschaften heute". 30 international renommierte Wissenschaftler werden sich aus verschiedenen Perspektiven mit Fragen der Entstehung des Korantextes, der Koranwissenschaften und der klassischen und modernen Korandeutung befassen. Zu der Veranstaltung, die den fächerübergreifenden und interreligiösen Dialog fördern soll, werden etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet - christliche und muslimische Theologen, Religions- und Islamwissenschaftler sowie am interreligiösen Dialog beteiligte Entscheidungsträger und Intellektuelle. Eröffnet wird die Veranstaltung mit dem Vortrag des weltweit bekannten muslimischen Gelehrten Prof. Nasr Hamid Abu Zaid, Universität Leiden, der über Johannes von Damaskus und die Entstehung der Islamischen Theologie sprechen wird.

Im alltäglichen Leben der Muslime hat der Koran nichts an seiner Aktualität verloren; es gibt jedoch inzwischen verschiedene Ansätze, den Koran zu beschreiben, zu verstehen und zu deuten. Während des Symposiums auf dem Campus Westend steht die zeitgenössische Auslegung unter besonderer Berücksichtigung des europäischen Kontexts im Mittelpunkt, wie sie in den vergangenen Jahren insbesondere von den am ersten Symposium beteiligten Wissenschaftlern aus der Türkei heftig diskutiert und unter der Bezeichnung "Ankaraner Schule" bekannt wurde. Diese international anerkannte Schule, zu der auch Prof. Ömer Özsoy, Frankfurter Stiftungsprofessor für islamische Religion gehört, postuliert eine zeitgenössische innovative Koranexegese. Die Wissenschaftler berücksichtigen, dass die Worte des Koran als eine lebendige Anrede an seine realen Adressaten in Offenbarungszeit und -ort gerichtet waren - und zwar an den Propheten Muhammad, seine Gefährten, die heidnischen Araber, Juden und Christen; und deshalb bedarf es eine Auslegung des Korans für die heutige Zeit. Im für Juni geplanten zweiten Symposium werden auch Widersprüche und Einwände gegenüber dieser These sowie eine Zwischenbilanz über die neuesten Entwicklungen in der türkischen Koranhermeneutik zur Sprache kommen.

Die Organisatoren, Prof. Özsoy und Ertugrul Sahin, Vorsitzender von GEFIS, wollen den intellektuellen Dialog auf breiter Ebene anstoßen: "In vollem Respekt gegenüber vielen Unternehmungen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene meinen wir, dass der akademisch-theologische Austausch für eine von Polemik, Populismus und Radikalismus befreite Diskussion und wohlwollende Annäherung unausweichlich ist. Dieser Dialog- und Verflechtungsprozess wird umso mehr Früchte tragen und erfolgreicher sein, wenn er intellektuelle Vertreter der Religionen stärker als bisher in gemeinsamen Foren zum Wort kommen lässt."

Bisher war der Islam in Deutschland Gegenstand verschiedener Wissenschaftsdisziplinen in den Universitäten. Insbesondere haben sich die Orientalistik und Islamwissenschaft für den Islam eher als Kultur interessiert. Dabei wurde der Islam hauptsächlich von einer Außenperspektive erforscht und gelehrt. Die akademische Beschäftigung mit dem Islam gewinnt allmählich auch eine Innenperspektive, weil die Islamische Theologie seit einigen Jahren auch von muslimischen Wissenschaftlern in den Universitäten Deutschlands gelehrt wird. So auch in der Stiftungsprofessur für Islamische Religion an der Goethe-Universität, die 2003 als eine religionswissenschaftliche Einrichtung im Fachbereich Evangelische Theologie gegründet wurde. Anfang November 2006 trat Prof. Ömer Özsoy diese Professur an. Neben ihm ist Prof. Abdullah Takim seit Oktober 2007 Stiftungsgastprofessor an derselben Stiftungsprofessur, der ebenfalls an dem Symposium mitwirkt.


Informationen: Stiftungsprofessur Islamische Religion, Fachbereich Evangelische Theologie, Campus Westend, und Gesellschaft zur Förderung der Islamstudien (GEFIS), Tel. (069) 798 32752 oder -33362, Mobil (außerhalb der Geschäftszeiten) 0179 2378425, guillery@em.uni-frankfurt.de, info@gefis-online.de
Weitere Informationen: http://www.evtheol.uni-frankfurt.de/islam/index.html http://www.gefis-online.de
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