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Uraufführung erinnert an Kirchensprengung

23.05.2008 - (idw) Universität Leipzig

Mit einem Gedenkkonzert in der Thomaskirche erinnert die Universität Leipzig an den 40. Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli am 30. Mai. Eigens für diesen Tag komponierte Volker Bräutigam das fünfteilige Werk "Epitaph", das durch den Universitätschor Leipzig und das Mendelssohnorchester Leipzig an diesem Tag uraufgeführt wird. Die Leitung hat Universitätsmusikdirektor David Timm. Der Eintritt ist frei. Der Komponist und Kirchenmusiker Volker Bräutigam, geboren am 23. Mai 1939 in Frohnau im Erzgebirge, hat eine tiefe emotionale Beziehung zur Paulinerkirche. Als Assistent des damaligen Universitätsorganisten Robert Köbler war er einer der letzten, die auf der Orgel in der 1968 auf SED-Geheiß gesprengten Paulinerkirche gespielt hatten. Hautnah erlebte er den barbarischen Akt der Zerstörung des Gotteshauses und litt wie viele andere Zeitzeugen darunter. Davon zeugt auch seine Komposition "Epitaph".

Das etwa zwölfminütige Werk für Orchester, Chor und Sprecher gliedert sich in fünf Teile. Es beginnt mit vom Chor vorgetragenen "Paulus Apostolus vas electionis" (zu deutsch: Paulus, Apostel, Werkzeug der Erwählung), einem Text, der auf der Münze des Grundsteins der Paulinerkirche zu lesen war. Im zweiten Teil wird der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller (u.a. bekannt als Hauptkommissar Trautzschke in der ZDF-Serie "SOKO Leipzig") bedeutende Zitate aus der Predigt Martin Luthers zur Weihe der Universitätskirche am 12. August 1545 rezitieren.

Daran schließt sich der wiederum vom Universitätschor vorgetragene Senatsbeschluss von 1968 an sowie eine Erwiderung des Dekans der Theologischen Fakultät. Darin heißt es: "Wir können zum geplanten Abbruch der Universitätskirche nur unmißverständlich Nein sagen." Im vierten Teil werden Worte des Philosophen und damaligen Rektors der Universität Leipzig, Hans Georg Gadamer, rezitiert. Daran schließt sich abschließend der Choral "Komm in unsre stolzte Welt" an, der im Jahr der Sprengung von Hans von Lehndorff verfasst wurde. Die Melodie stammt von Manfred Schlenker (geboren 1926) aus dem Jahr 1982.

Volker Bräutigam war Mitglied des Dresdner Kreuzchores und erhielt von 1957 bis 1962 an der Leipziger Musikhochschule seine Ausbildung in Kirchenmusik und Komposition. Obwohl es nicht den Vorstellungen des DDR-Regimes entsprach, wagte er es, die Musik des französischen Komponisten Olivier Messiaen in der DDR zu spielen und bekannt zu machen. Seit 1980 ist er Dozent an der Musikhochschule in Leipzig und seit 1981 auch an der Hochschule für Kirchenmusik in Halle/Saale. Seit 1993 hat er dort eine Professur inne.

"Mit dieser Auftragskomposition knüpft die Universität Leipzig an eine alte Tradition an", sagt Universitätsmusikdirektor David Timm. In der nahezu 600-jährigen Geschichte der Alma mater Lipsiensis seien immer wieder zu hohen Festtagen Kompositionen in Auftrag gegeben worden. Das jetzige Werk orientiere sich formal an die Gestalt der Leipziger Kantaten des Thomaskantors Johann Sebastian Bach und verdeutliche zugleich einen Bruch.

Des weiteren erklingen Johann Sebastian Bachs Motette "Der Geist hilft unser Schwachheit auf" (BWV 226) sowie Dmitri Schostakowitschs 10. Sinfonie e-Moll op. 93. Auch die Bachsche Motette ist eng mit der Universitätsgeschichte verbunden. Sie wurde am 21. Oktober 1729 zur Gedächtnisfeier des amtierenden Rektors der Thomasschule und Leipziger Universitätsprofessors Johann Heinrich Ernesti uraufgeführt, der nach seinem Tod in der Paulinerkirche bestattet wurde. Gleichzeitig war die Aufführung dieser Motette wahrscheinlich auch das letzte Konzert Bachs in der Universitätskirche, da er von Ende 1729 an nicht mehr offiziell von der Universität zur Verrichtung der Kirchenmusik angestellt war.


Weitere Informationen:
Universitätsmusikdirektor David Timm
Telefon: 0341 97-30190
E-Mail: unichor@uni-leipzig.de
Weitere Informationen: http://www.uni-leipzig.de/unichor - Die Leipziger Universitätsmusik
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