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Doppelerfolg für Würzburger Forscher

27.05.2008 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Acht neue Sonderforschungsbereiche/Transregios (SFB/TR) richtet die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG zum 1. Juli an deutschen Hochschulen ein. Zwei von ihnen gehen an die Universität Würzburg. Während im Mittelpunkt des TR 52 die Frage steht, wie die Gene von T-Lymphozyten, das heißt von bestimmten weißen Blutkörperchen die Immunantwort steuern, dreht sich im TR 58 alles um Furcht, Angst und Angsterkrankungen beim Menschen. TR 52: Genaktivitäten in weißen Blutkörperchen und ihre Rolle bei Autoimmunerkrankungen

"Transkriptionelle Programmierung individueller T-Zell-Populationen": So lautet der exakte Titel des Sonderforschungsbereichs TR 52, den die DFG vor kurzem genehmigt hat. Es handelt sich dabei um einen so genannten "Transregio", also einen Forschungsverbund, der sich auf mehrere Standorte verteilt. In diesem Fall ist Professor Edgar Serfling, Leiter der Molekularpathologie am Institut für Pathologie der Universität Würzburg, Sprecher und damit Koordinator und Organisator des SFBs, an dem neben Laboratorien der Universität Würzburg auch Labore aus den Universitäten Mainz und Berlin beteiligt sind.

"Wir wollen untersuchen, was bei einer bestimmten Gruppe von T-Zellen auf der Ebene der Genaktivität geschieht, das heißt, wie und wann diese Gene die körpereigene Abwehr in Gang setzen", erklärt Professor Serfling das Ziel des Forschungsprojekts. T-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind wichtiger Teil des Immunsystems des menschlichen Körpers. Über Rezeptoren in der Zellwand erhalten sie Informationen, wenn beispielsweise Krankheitserreger im Blut auftauchen. Diese Signale werden in den Zellkern weitergeleitet, wo ein bestimmter Satz der Gene aktiviert oder gehemmt wird und so die Antwort von Immunzellen steuert. Läuft dieser Prozess fehlerhaft ab, können Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Asthma die Folge sein.

"Wir arbeiten daran, diese molekularen Mechanismen genauer zu verstehen", sagt Edgar Serfling. Dazu will er das Fachwissen von Forschern aus Würzburg, Mainz und Berlin in den kommenden Jahren bündeln, um langfristig die Entwicklung neuer Therapien gegen häufige Autoimmunerkrankungen zu unterstützen. Denn erst mit der genauen Kenntnis der molekularen Abläufe ließen sich Anknüpfpunkte für eine kausale Therapie, also von Behandlungen, die an den tatsächlichen Ursachen ansetzen, identifizieren. Der SFB/TR kann für dieses Ziel auf langjährige erfolgreiche Vorarbeiten zurückgreifen: "Wir forschen auf diesem Gebiet schon seit mehreren Jahren eng mit den Kollegen in Mainz zusammen", so der Pathologe.

Eine Kooperation, die Früchte trägt: Insgesamt zwölf gemeinsame Publikationen "in sehr guten, beziehungsweise exzellenten Fachzeitschriften" seien daraus bereits hervorgegangen. Diese Zusammenarbeit will Serfling nun - auch mit den Kollegen in Berlin - weiter intensivieren und "auf eine noch breitere Basis stellen". Dabei helfen ihm natürlich die von der DFG bewilligten Drittmittel: Jährlich rund drei Millionen Euro erhält der SFB/TR 52. Damit gehört er zu den größten von der DFG geförderten SFBs. Vier Jahre lang können die daran beteiligten Wissenschaftler nun arbeiten; dann steht eine erste Zwischenbegutachtung an. Die maximale Förderungsdauer beträgt zwölf Jahre.

TR 58: Furcht und Angst und Angsterkrankungen

Mit Furcht und Angst stehen zwei wesentliche, stammesgeschichtlich alte Emotionen im Mittelpunkt des SFB/TR 58 "Furcht, Angst und Angsterkrankungen". Wissenschaftler der Medizinischen, Psychologischen und Biologischen Fakultät der Universität Würzburg haben zusammen mit Kollegen aus Münster, Hamburg und Mainz diesen Transregio-SFB seit über zwei Jahren intensiv vorbereitet. Sprecher für den Standort Würzburg ist Professor Jürgen Deckert, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Die bewilligte Fördersumme wird über sechs Millionen Euro für die ersten vier Jahre betragen.

Die Emotionen Furcht und Angst treten beim Menschen immer häufiger in Form von krankhaften Angstzuständen, zum Beispiel bei Panikstörungen, auf und sind damit ein wichtiger Vorläufer von Depressionserkrankungen. Gemeinsam mit den Kollegen an den anderen Standorten wollen die Würzburger Forscher die Entstehung von Angst und ihrer krankhaften Entgleisungen auf einer breiten und übergreifenden Basis vom Gen über die einzelne Zelle und komplexe Zellnetze bis hin zum Verhalten beim Menschen untersuchen.

Durch ein verbessertes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen sollen langfristig konkrete Risikokonstellationen für Angsterkrankungen entwickelt werden, die wiederum den Weg für neue, individuell zugeschnittene Therapieformen bereiten.

Sonderforschungsbereiche gelten als Aushängeschilder forschungsstarker Universitäten. Die DFG richtet sie auf Antrag der Hochschulen nach einem strengen Begutachtungsprozess ein, in dem wissenschaftliche Exzellenz an vorderster Stelle steht. Die DFG fördert sie finanziell für eine Dauer von maximal zwölf Jahren. In ihnen arbeiten Wissenschaftler fächerübergreifend, teilweise auch hochschulübergreifend zusammen.


Die Zahl der Sonderforschungsbereiche, die in Deutschland als Nachweis besonderer Forschungsexzellenz gelten und erheblich zum Profil einer Hochschule beitragen, erhöht sich damit an der Julius-Maximilians-Universität von neun auf elf; drei davon sind als Transregio organisiert. Somit gehört die Universität Würzburg zur Spitzengruppe der von der DFG geförderten Universitäten.

Kontakt:
Prof. Edgar Serfling, Tel.: (0931) 201 47431, E-Mail: serfling.e@uni-wuerzburg.de

Prof. Jürgen Deckert, Tel.: (0931) 201-77000, E-Mail: deckert_j@klinik.uni-wuerzburg.de

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