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Gießener Mediziner erhält Wissenschaftspreis für die Untersuchung alternativer Diagnoseverfahren

12.06.2008 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Weder Irisdiagnostik noch Dunkelfeldmikroskopie konnten in der Studie von Samer El-Safadi überzeugen Der Mediziner Samer El-Safadi vom Gießener Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist bei der 180. Tagung der Mittelrheinischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Kassel mit einem Wissenschaftspreis für seine Untersuchung alternativer Diagnoseverfahren ausgezeichnet worden. Er teilt sich den mit 2.000 Euro dotierten Preis mit einem Mainzer Wissenschaftler. Das Thema der Arbeit von Samer El-Safadi lautete: "Eignen sich komplementäre Diagnoseverfahren zur Krebsprävention gynäkologischer Karzinome?" Die Arbeit ist Teil seiner Dissertation, die von Prof. Dr. Karsten Münstedt betreut wird.

Gegenstand der Arbeit war die wissenschaftliche Untersuchung zweier komplementärmedizinischer Diagnoseverfahren, der Irisdiagnostik/Iridologie und der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein. Beide werden häufig von Heilpraktikern zur Diagnose von Krebs und zur Vorbeugung eingesetzt. In der Bevölkerung haben solche Methoden eine hohe Akzeptanz, da sie als ernstzunehmende Alternative zur schulmedizinischen Diagnostik angepriesen werden und eine Diagnose ohne belastenden Eingriff möglich erscheint.

Grundlage der Irisdiagnostik (Iridologie) ist die Ansicht, dass das Auge der Spiegel des Körpers sei. Die Iris wird mit einem Irismikroskop auf auffällige Zeichen abgesucht, die in bestimmten Regionen auf eine Krebserkrankung hinweisen sollen. Ausgangspunkt der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein ist der Pleomorphismus. Ein Urkeim pflanzlichen Ursprungs soll demnach im Körper vorhanden sein, der sich bei Störung des körperlichen Gleichgewichts durch eine Erkrankung verändert und schließlich zu Pilzen und Bakterien entwickelt. Zur Diagnostik wird ein Tropfen Blut aus der Fingerbeere entnommen und unter dem Dunkelfeldmikroskop mit Dunkelfeldkondensor analysiert. Hiermit sollen sich Krankheitstendenzen früh erkennen lassen.

Beide Verfahren wurden im Rahmen der Studie untersucht. Für die Dunkelfeldmikroskopie war es die erste wissenschaftliche Untersuchung überhaupt. Es wurden insgesamt 110 Teilnehmer einem Heilpraktiker mit langjähriger Erfahrung in beiden Methoden vorgestellt. Im Ergebnis haben beide Diagnoseverfahren enttäuscht. Nur in drei Fällen wurde bei der Irisdiagnostik eine richtige Diagnose gestellt.

Bei der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein wurden auch nur 25 Prozent der aktiven Krebserkrankungen diagnostiziert; auffällig war hier aber, dass in einem hohen Maß der Verdacht einer Krebserkrankung bei gesunden Personen geäußert wurde. In einer realen Situation wären die Betroffenen mit unnötigen Ängsten und Verunsicherung konfrontiert worden. Möglicherweise wären auch therapeutische Maßnahmen eingeleitet worden, die abgesehen von dem fraglichen Nutzen eine finanzielle Belastung bedeutet hätten.

So konnte Samer El-Safadi zeigen, dass beide Verfahren wenig überzeugend sind. Nicht in einem einzigen Fall konnten Art des Tumors und Krankheitsstadium richtig angegeben werden. So scheint es zu den etablierten schulmedizinischen Verfahren, die zwar alle ihre Schwächen haben, bislang keine verlässlichen Alternativen zu geben.

Kontakt:
Prof. Dr. Karsten Münstedt, Universitätsfrauenklinik
Klinikstrasse 32, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-45200, Fax: 0641 99-45139
E-Mail: karsten.muenstedt@gyn.med.uni-giessen.de

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