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Stimmiges Raumkonzept

23.04.2003 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Kunstpädagogikstudentinnen und -studenten schufen unter der künstlerischen Leitung von Gastprofessor Andreas Schmid farbenfrohe Sitzgelegenheiten - Übergabe am 29. April 2003


Kunstpädagogikstudentinnen und -studenten bei der Arbeit
Beispiel für die künstlerische Ausgestaltung der Sitzgelegenheiten Die Atmosphäre im Philosophikum II der Justus-Liebig-Universität ist freundlicher und einladender geworden. Farbenfrohe Anziehungspunkte sind zahlreiche neu gestaltete Bänke auf den Freiflächen. Diese laden nicht nur zum Verweilen ein, sondern beleben zugleich das gesamte Gelände und passen sich harmonisch an die Exponate des Kunstwegs an.

"Räume bestimmen uns - wir bestimmen Räume", erläutert Andreas Schmid (Berlin) seinen künstlerischen Ansatz. Der Initiative des Gastprofessors am Institut für Kunstpädagogik (an der JLU vom Wintersemester 2001/02 bis zum Wintersemester 2002/03) sowie dem Engagement und Durchhaltevermögen seiner Studierenden ist es zu verdanken, dass in Absprache mit dem Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Kunstpädagogik, Prof. Dr. Axel von Criegern, dem Dekan des Fachbereichs 03, Prof. Dr. Klaus Fritzsche, und dem Präsidium der JLU ein stimmiges Raumkonzept umgesetzt werden konnte. Die bautechnische Leitung sowie die Materialbeschaffung oblag dem Liegenschaftsdezernat (E2) unter der Federführung von Herbert Amend, das von Anfang in die Planungen einbezogen war und die praktische Umsetzung der künstlerischen Idee vorantrieb.

Andreas Schmid und die am Projekt Beteiligten werden die künstlerisch bearbeiteten Sitzgelegenheiten offiziell am Dienstag, 29. April 2003 um 12.30 Uhr an JLU-Präsident Prof. Dr. Stefan Hormuth übergeben. Zu diesem Termin sind die Vertreter der Medien herzlich eingeladen (Treffpunkt vor Haus H).

Schmid ruft noch einmal die Eigendynamik des Projekts in Erinnerung, das sich im Laufe seiner Arbeit mit einer festen Gruppe von 16 Studierenden, darunter auch einige Gesellen, und weiteren Helfern kontinuierlich ausweitete. Seit Februar 2002 existierte die Idee zum Kunstprojekt Sitzgelegenheiten / Bänke im Philosophikum II. Ursprünglich war jedoch eine Konzentration auf wenige Bänke direkt vor dem Gebäude H vorgesehen. Schließlich bezogen die angehenden Kunstpädagoginnen und -pädagogen mit ihren eigenen, im Rahmen des Seminars "Der Raum - Außenraum" erarbeiteten Entwürfen u. a. auch Sitzgruppen vor der Bibliothek im Gebäude F sowie den Weg zur Cafeteria und zum Philosophikum I in das Raumkonzept mit ein. Das Fazit kann sich sehen lassen: In insgesamt rund 4.000 Arbeitsstunden wurden 95 Objekte, bestehend aus über 270 Einzelteilen, geschaffen.

30 unterschiedliche Farbtöne kommen zur Geltung, die sich - so die gemeinsame Übereinkunft - an die Farben der Umgebung (Natur / Architektur) in den verschiedenen Jahreszeiten anlehnen sollten. Im Zentralbereich überwiegen Grün-Gelb-Töne. Je weiter die Entfernung von diesem Bereich, desto kräftiger die Farben bzw. desto breiter auch das Farbspektrum. Insbesondere Orange- und Rot-Töne treten dort hervor. Gewählt wurden umweltverträgliche Acrylfarben auf Wasserbasis für den Außenbereich.

Damit der Kostenrahmen von 30.000 Euro eingehalten werden konnte, arbeitete die Gruppe soweit möglich mit vorhandenem Material. Das verwitterte Holz der alten Bänke wurde abgeschraubt, behobelt und neu lackiert. Nur für einige Nachbesserungsarbeiten wurde neues Holz (Douglasie) verwendet.

Im Vordergrund aller künstlerischen Überlegungen stand die Frage nach den Bedürfnissen der Nutzer und dem Bezug zum architektonischen Umfeld bzw. der Umgebung. So gestalteten die Studierenden zum Teil Ruhe- und Kommunikationszonen mit Lehnen, Fußbänken, Podesten und Ablageflächen und schufen an anderer Stelle mit Matten einen "Abhäng-Bereich". Sie positionierten zum Teil alte Bänke neu - je nach Einfall des Sonnenlichts oder Blickfang für den Ruhesuchenden. In der Regel wurden die künstlerischen Veränderungen bewusst abstrakt umgesetzt. Aus dem Rahmen fällt die Bank "Nur für Königskinder", eine spielerische Reminiszenz an die Märchenwelt. Verantwortlich für die Gestaltung der Objekte war mal eine Person, mal eine kleine Gruppe. Kunst und Nutzen gehen eine gelungene Verbindung ein.

Prof. Schmid dankt den Studierenden, die sich weit über das normale Arbeits- und Zeitmaß für das Projekt eingesetzt hatten. Und er dankt dem Dekan des Fachbereichs 03, dem JLU-Präsidenten und dem Liegenschaftsdezernat für die Unterstützung seines Vorhabens. Sein Dank gilt aber auch der Jugendwerkstatt Gießen, deren Räumlichkeiten die Gruppe nutzen durfte und deren Meister wertvolle Tipps und Hilfen gaben, und dem Berufsfortbildungswerk des DGB.

Lebenslauf

Gastprofessor Andreas Schmid (Jahrgang 1955) studierte nach dem Abitur Kunsterziehung und anschließend Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie Geschichte an der TU Stuttgart. Von 1982 bis 1986 setzte er sein Studium mit einem DAAD-Stipendium in der VR China fort.

Die Arbeiten Schmids, der von der Malerei kommt, sich aber zunehmend mit raumbezogenen Projekten einen Namen gemacht hat, sind seit den 80-er Jahren in zahlreichen Einzelausstellungen bzw. bei Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland zu sehen. Schmid gewann u. a. den Wettbewerb Kunst am Bau zur Gestaltung des Großen Sitzungssaales des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Berlin (Realisierung Januar 2001). Sein nächstes Projekt ist die Gestaltung der Deckenbeleuchtung am Neubau der Städtischen Galerie der Stadt Stuttgart.

Er erhielt u. a. 1990 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats für kulturelle Angelegenheiten, 1997 ein Stipendium des Kulturfonds Berlin für Schloss Wiepersdorf (Brandenburg) und 2000 "Artist in Residence", The Chinati Foundation, Marfa (Texas).

Schmid nimmt immer wieder auch lehrende Tätigkeiten wahr: 1986/87 Lehrauftrag für chinesische Sprache an der FU Berlin; 1989 bis 1991 Lehrauftrag "Deutsch für Chinesen" an der Akademie für Künste, Berlin; 2000 Lehrauftrag "Alte und Neue Kunst und Architektur in der VR China"; WS 2001 bis WS 2002 Gastprofessur Kunst am Fachgebiet Kunstpädagogik an der JLU Gießen; SS 2003 Lehrauftrag "Positionen zeitgenössischer chinesischer Kunst" an der HFBK Dresden.

Schmid war mehrere Jahre Sprecher der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und ist seit 1999 im Kuratorium der Kulturstiftung der Länder tätig. Er lebt in Berlin.

Kontakt:

Andreas Schmid
Telefon: 030/4416461
E-Mail: aschmidart@gmx.de

Herbert Amend
Dezernat E - Liegenschaften der JLU
Telefon: 0641/99-12517
E-Mail: Herbert.Amend@admin.uni-giessen.de
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