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Die DEGAM-Leitlinien: ein erfolgreiches Konzept

17.06.2008 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V.

Die Erarbeitung hausärztlicher Leitlinien stellt einen Schwerpunkt der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) dar. Mit "Rhinosinusitis" wurde die zehnte Leitlinie fertig gestellt, weitere ("Husten" , "Demenz", "Halsschmerzen und Nackenschmerzen") werden noch in diesem Jahr erscheinen. Als eine der ersten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland hat die DEGAM nach internationalen Vorbildern vor nunmehr zehn Jahren damit begonnen, wissenschaftlich fundierte und zugleich praxiserprobte Leitlinien zu entwickeln. Ziel ist die Verbesserung der hausärztlichen Versorgungsqualität. Das umfassende Konzept der DEGAM zur Entwicklung, Verbreitung, Implementierung und Evaluation von Leitlinien wurde mit dem Deutschen Gesundheitspreis "Innovationen im Gesundheitswesen" 1999 ausgezeichnet. Die Leitlinie "Harninkontinenz" erhielt 2003 den Preis der deutschen Cochrane Collaboration.

Die DEGAM-Leitlinien berücksichtigen in gleicher Weise die verfügbare wissenschaftliche Evidenz sowie die Praktikabilität und Akzeptanz unter Alltagsbedingungen in der hausärztlichen Praxis. Als solche sind sie keine Richtlinien, die Ärzte in ihrer Handlungsfreiheit einschränken, sondern vielmehr als Werkzeug zur gemeinsamen Entscheidungsfindung für Patienten und Ärzte angelegt. Die Entwicklung erfolgt auf der Basis gründlicher Literaturanalysen nach den Prinzipien der "evidence-based medicine". Das Konzept sieht ein schrittweises Vorgehen im Rahmen eines "Zehnstufenplans" vor. In der Langfassung werden abhängig von der Studienlage sechs verschiedene "levels of evidence" unterschieden, die in der Kurzfassung zu einer dreistufigen "Stärke der Empfehlung" zusammengefasst werden.

Vor der Veröffentlichung wird jede Leitlinie einem Praxistest unterzogen, um die Praktikabilität und Akzeptanz durch Ärzte, Praxismitarbeiter und Patienten zu prüfen. Die Evaluation von Folgen und Auswirkungen der Leitlinien auf die Patientenversorgung ist fester Bestandteil des DEGAM-Konzeptes.
Die DEGAM-Leitlinien richten sich nicht nur an Behandler, sondern auch an Patienten und Praxismitarbeiter. Für Patienten sind die wichtigsten Handlungsempfehlungen auf einem Infozept-Blatt zusammengefasst, Patientenfaltblätter liefern weitere allgemeinverständliche Informationen. Neben der Langversion der Leitlinien gibt es eine Kurzfassung als Kitteltaschenkarte. Einige Leitlinien enthalten zusätzlich Symptom-Tagebücher für Patienten, Informationen für das Praxispersonal oder Anamneseraster für den Arzt. Mehrere tausend Leitlinien-Sets werden in Praxen und Universitäten in der täglichen Arbeit mit Patienten eingesetzt.

Die Themen der zu bearbeitenden Leitlinien werden so ausgewählt, dass ein Patientenanliegen (Beratungsanlass) und nicht eine Diagnose zum Ausgangspunkt wird. Sie bieten Empfehlungen zur ärztlichen Konsultation von dem Moment an, in dem der Patient das Sprechzimmer betritt und seine Beschwerden vorbringt. Die Leitlinien orientieren sich somit an typischen Praxisabläufen. Dabei beschreiben sie nicht alle diagnostischen und therapeutischen Optionen, sondern konzentrieren sich auf die im Einzelfall angemessene, bedarfsgerechte hausärztliche Versorgung. Hier wird genau herausgearbeitet, an welcher Stelle man als Arzt auf eine weitergehende Diagnostik oder Therapie verzichten darf - und an welcher Stelle nicht.

Neben der eigenen Leitlinienarbeit beteiligt sich die DEGAM an Nationalen Versorgungsleitlinien (z.B. Herzinsuffizienz, Asthma, COPD, Diabetes, Rückenschmerz) oder S3-Leitlinien (Harnwegsinfekt, Depression, Thrombo-Embolie-Prophylaxe).


Die Leitliniensets können über Omikron-Publishing (www.omikronverlag.de) bezogen werden.

Pressekontakt:
Dr. Isabelle Otterbach
Institut für Allgemeinmedizin/Johann Wolfgang Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main
Telefon: 069-6301-7173
Fax: 069-6301-6428
E-Mail: otterbach@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen: http://www.degam.de
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