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Forschungsverbund Berlin mit neuem Vorstandsprecher

23.04.2003 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.


Prof. Dr. Thomas Elsässer, Direktor am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) Berlin.
Prof. Dr. Heribert Hofer, Direktor des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Berlin. Heribert Hofer löst Thomas Elsässer turnusgemäß ab - Größte Sorgen sind Mittelkürzungen

Der Forschungsverbund Berlin e.V. hat einen neuen Vorstandssprecher. Prof. Dr. Heribert Hofer, Leiter des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund, tritt sein Amt am 1. Mai an. Er löst damit turnusgemäß seinen Vorgänger Prof. Dr. Thomas Elsässer ab. Elsässer ist Direktor am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI). Auch das Amt des stellvertretenden Vorstandssprechers wird neu besetzt: Auf Prof. Dr. Walter Rosenthal (Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie, FMP) folgt Prof. Dr. Jürgen Sprekels vom Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS). Alle zwei Jahre wählen die Direktoren der acht Verbund-Institute aus ihrem Kreis einen Sprecher und einen Stellvertreter. Der FVB ist mit insgesamt rund 1200 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in der außeruniversitären Forschung Berlins.

In den vergangenen zwei Jahren hat Prof. Thomas Elsässer das Sprecheramt ausgeübt. In diese Periode fiel auch das "Zehnjährige" des Forschungsverbundes, der im Februar 1992 gegründet wurde. Das Jubiläum gehört für Elsässer zu den herausragenden Ereignissen, ebenso wie der Abschluss wichtiger Baumaßnahmen für einige Institute. Zu den weniger schönen, aber nicht minder bedeutenden Dingen zählt "die erstmalige Konfrontation mit massiven Kürzungsvorschlägen seitens des Berliner Senats", berichtet der 45-jährige Physiker. Im Jahr 2002 legte Finanzsenator Thilo Sarrazin ein Sparkonzept vor, das die außeruniversitäre Forschung und damit auch den FVB empfindlich geschwächt hätte. Nach starken Protesten, vor allem auch aus der Leibniz-Gemeinschaft, gelang es unter Einbeziehung des Bundes, massive Kürzungen abzuwenden. In Elsässers Amtszeit wurden auch neue Instrumente des Kostencontrolling im gesamten Verbund eingeführt, zusammengefasst unter dem Begriff Kosten- und Leistungsrechnung (KLR).
Nach den Akzenten seiner Tätigkeit gefragt, antwortet der MBI-Direktor: "Ich wollte den Forschungsverbund als ,Marke' stärker ins Bewusstsein der Zuwendungsgeber und auch der Öffentlichkeit rücken." Der FVB als Konstruktion sei nachahmenswert und solle gerade bei politischen Auseinandersetzungen auch als Verbund sichtbar werden, sagt Elsässer. Und politische Auseinandersetzungen wird es bestimmt geben, vor allem wegen des Sparkurses in Berlin. Unter dem Kürzungsdruck dennoch die Randbedingungen für die Wissenschaft stabil zu halten, ist für Elsässer die dringendste Frage der nächsten Jahre. "Es muss für uns auch mittelfristig eine Planungssicherheit geben." Überdies gehe es um die Gewinnung von hochqualifiziertem Nachwuchs. Die Forschung in Berlin stehe hierbei im weltweiten Wettbewerb. Seinem Nachfolger wünscht Elsässer alles Gute. Besonders freue es ihn, dass erstmals ein Lebenswissenschaftler aus dem FVB zum Sprecher gewählt wurde.
Hofer (43) sieht wie Elsässer die knapper werdenden Forschungsmittel als eines der größten Probleme, mit denen er in den kommenden zwei Jahren konfrontiert sein wird. Darüber hinaus nennt der Leiter des IZW zwei weitere Schwerpunkte: die anstehenden Evaluierungen der Verbund-Institute und die Durchsetzung einer leistungsbezogenen Vergütung aller wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter. Die Vergütung müsse den modernen Anforderungen eines Wissenschaftsbetriebs gerecht werden. Hofer: "Dabei ist vor allem die zurzeit bestehende Benachteiligung in unseren Vergütungsmöglichkeiten im Vergleich zu westdeutschen Instituten relevant." Zwar ist Hofer zuversichtlich, dass die FVB-Institute die mittlerweile dritte Evaluierung seit ihrem kurzen Bestehen erfolgreich absolvieren. "Doch es reicht nicht, sich auf den Lorbeeren auszuruhen", mahnt der neue FVB-Sprecher. Die Vorbereitung auf die Bewertung sei vor dem Hintergrund knapper werdender Mittel besonders wichtig. Auf seinen Vorgänger angesprochen, sagt Hofer: "Ich bewundere sein Engagement und die Konsistenz, mit der er sich für die Belange aller Institute eingesetzt hat."

Zur Person Thomas Elsässers: Der Physiker wurde 1957 in Tübingen geboren. Er wuchs in Heidelberg auf. Dort studierte er auch Physik. An der Technischen Universität München wurde Thomas Elsässer promoviert. Nach einem längeren Forschungsaufenthalt bei den renommierten Bell Labs in den USA habilitierte er sich 1991 an der TU München. Seit 1993 ist er in Berlin am Max-Born-Institut einer von drei Direktoren. Zunächst kommissarisch, seit 1994 fest. Er lehrt als C4-S-Professor an der Humboldt-Universität. Sein Arbeitsgebiet umfasst die Ultrakurzzeitphysik, wobei er im Wesentlichen kondensierte Materie untersucht, also Festkörper und Flüssigkeiten. In seiner Abteilung wird mit extrem kurzen Laserpulsen von nur wenigen Femtosekunden Dauer gearbeitet. Eine Femtosekunde ist eine Billiardstel Sekunde ("zehn hoch minus fünfzehn" Sekunden).
Zur Person Heribert Hofers: Der Verhaltensökologe (43) hatte zunächst in Saarbrücken Philosophie und Biologie studiert und wechselte dann nach Oxford, wo er einen Promotionsstudiengang aufnahm. Mit 26 Jahren hatte Heribert Hofer einen Doktortitel. Thema der Dissertation: Ressourcennutzung und soziale Organisation bei Füchsen und Dachsen. Nach zwei Jahren als Postdoc in Saarbrücken wechselte er an das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen und baute dort ein Projekt zur Verhaltensökologie der Tüpfelhyänen in der Serengeti (Ostafrika) auf. 1997 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ende 1999 erhielt er einen Ruf auf die C4-S-Professur Interdisziplinäre Zoo- und Wildtierkunde am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin, verbunden mit der Direktorenschaft am Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Seit September 2000 leitet Hofer das IZW. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Verhaltensökologie von Raubtieren; Stress und Naturschutz; die Rolle von Krankheitserregern in natürlichen Ökosystemen sowie Konflikte in der Landschaftsnutzung wie zum Beispiel Wilderei.

Im Forschungsverbund Berlin (FVB) sind acht natur-, umwelt- und lebenswissenschaftlich orientierte Institute zusammengeschlossen, die wissenschaftlich eigenständig sind, aber im Rahmen einer einheitlichen Rechtspersönlichkeit gemeinsame Interessen wahrnehmen. Die Institute gehören alle zur Leibniz-Gemeinschaft.

Fotos von Prof. Dr. Thomas Elsässer und von Prof. Dr. Heribert Hofer können auf Wunsch in elektronischer Form übermittelt werden. Ansprechpartner: Josef Zens (030 / 6392-3338; zens@fv-berlin.de oder Saskia Donath (030 / 6392-3334; donath@fv-berlin.de). Diese Pressemitteilung ist auch mit Fotos von den Seiten des Forschungsverbundes im Internet herunterzuladen: http://www.fv-berlin.de/fvpm.htm

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