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70. Jahrestag der Bücherverbrennung

23.04.2003 - (idw) Technische Universität Berlin

Tagung des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin / Einladung

Das Ritual der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, bei dem Studierende in vielen deutschen Hochschulstädten unter verdammenden "Feuersprüchen" die Werke missliebiger Autoren ins Feuer warfen, hat hohen Symbolwert. Das Ereignis steht für eine Kulturpolitik durch Lenkung und Zensur, durch Diffamierung und Unterdrückung unerwünschter Literatur, Kunst und Musik. Die "Verbrennungsfeiern", bei denen Werke von Karl Marx, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Erich Kästner und vielen anderen unter schwülstigen Schmähungen vernichtet wurden, waren von der nationalsozialistischen "Deutschen Studentenschaft" organisiert worden. Die Verkündung der "12 Thesen wider den undeutschen Geist" gehörte zur Darbietung und machte deutlich, dass die Universitäten dem Nationalsozialismus keinen Widerstand entgegensetzten.

Die Bücherverbrennung war aber nicht nur ein demonstrativer Akt der Verachtung und Vernichtung, sondern sie demonstrierte auch den Anspruch der NSDAP auf kulturelle Hegemonie. Dazu dienten die Säuberungen der Bibliotheken, Leihbüchereien und Buchhandlungen nach Schwarzen Listen. Der Anspruch wurde wenig später auch mit der Plünderung moderner Kunst aus den Museen realisiert. Der Bücherverbrennung vorangegangen war bereits die Verwüstung des Instituts für Sexualwissenschaft, das Hans Magnus Hirschfeld in Berlin gegründet hatte.

Das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin widmet sich nun mit einer Tagung am 8. Mai 2003 dem Thema der Bücherverbrennung. Die Tagung nimmt das Ereignis vor 70 Jahren zum Anlass, um vielfältige Aspekte ausgrenzender Kulturpolitik zu thematisieren.

Wir möchten Sie herzlich zu dieser Tagung einladen. Bitte weisen Sie auch in Ihrem Medium auf diese Veranstaltung hin.

Zeit: am Donnerstag, dem 8. Mai 2003, 11.00 bis 18.00 Uhr
Ort: Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, 10719 Berlin

Einen Schwerpunkt der Tagung bilden die Geschichte und die Wirkung der Bücherverbrennung. Es wird der Bogen geschlagen von den Bücherverbrennungen in Antike und Mittelalter über den 10. Mai 1933 bis hin zur "Bilderverbrennung" 1939. Darüber hinaus wird die Umsetzung dieses Ereignisses sowohl in der Literatur als auch in Erinnerungszeichen und Denkmälern angesprochen.

Programm "70. Jahrestag der Bücherverbrennung"

Geschichte und Wirkung der Bücherverbrennung

Prof. Dr. Wolfgang Benz Der 10. Mai 1933: Diffamierung und Ausgrenzung als Methode der Kulturpolitik

Dr. Johannes Heil Bücherverbrennungen in Antike und Mittelalter

Herbert Wiesner Der Sturm auf Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft

Dr. Juliane Wetzel/
Dr. Angelika Königseder Die "Bilderverbrennung" 1939 - ein Pendant?


Künstlerische Reflexe auf die Bücherverbrennung

Dr. Mona Körte Literatur und Autodafé

Dr. Stefanie Endlich Bücherverbrennung in Erinnerungszeichen und Denkmälern


Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Elisabeth Lindner, Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, Tel.: 030/314-25854 (vormittags), Fax: 030/314-21136, E-Mail: Lindner@zfa.kgw.tu-berlin.de
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