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Exzellenz im Doppelpack

07.07.2008 - (idw) Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Professor Gert G. Wagner wird Research Fellow am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Die Max-Planck-Gesellschaft ernennt Professor Gert G. Wagner, Lehrstuhlinhaber für Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Berlin, zum Max Planck Fellow. Sie würdigt damit die interdisziplinäre und grundlagenorientierte Forschung eines international hoch angesehenen Wissenschaftlers. Am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung stehen Professor Wagner für die Dauer von fünf Jahren räumliche und personelle Mittel für eine eigene Arbeitsgruppe zur Verfügung. Als Leiter der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist er bereits seit einiger Zeit durch mehrere Forschungsprojekte mit dem Max-Planck-Institut verbunden.

Im Mittelpunkt seiner zukünftigen Arbeit steht die innovative Verknüpfung von verhaltenswissenschaftlich-experimentellen und sozialwissenschaftlichen Verfahren. Diese Methode dient der umfassenderen Erforschung von Ursachen individueller Unterschiede in Lebensverläufen. Die bisher in der psychologischen Forschung gewonnenen Erkenntnisse aus kontrollierten Laborbedingungen, lassen oft keine Verallgemeinerungen zu. Umgekehrt erlauben groß angelegte sozialwissenschaftliche Erhebungen nur selten kausale Rückschlüsse auf Verhalten und Entwicklung auf individueller Ebene. Dieses methodische Dilemma soll mittels des Ansatzes der neuen Arbeitsgruppe überwunden werden. Die Einbindung psychologischer Methoden in das SOEP sowie dessen Erweiterung durch Spezial-Stichproben für Laborexperimente sollen weiter vorangetrieben und ausgebaut werden.

"Für uns stellt die Zusammenarbeit mit Gert Wagner eine hervorragende Chance dar herauszufinden, ob und wie sich unsere Erkenntnisse zur Entwicklung über die Lebensspanne auf die Gesamtbevölkerung und den Alltag übertragen lassen", sagt Ulman Lindenberger, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

Gert G. Wagner betont, dass die vertiefte Zusammenarbeit ein Beispiel für die Stärke des Berliner Wissenschaftsstandortes ist. "Wissenschaftliche Innovationen entstehen an den Schnittstellen von Disziplinen. In dieser Hinsicht ist kaum ein Forschungsraum in Deutschland in den Sozial-, Wirtschafts- und Verhaltenwissenschaften so gut aufgestellt wie Berlin. Zumal hier auch die Lebenswissenschaften stark sind. Und für eine Längsschnittstudie wie das SOEP, das in diesem Jahr ein Vierteljahrhundert alt wird, ist es aufregend, dass wir ganz neue methodische Ansätze verfolgen".

Schon in der Vergangenheit zeigte sich, wie erfolgreich die gemeinsame Arbeit sein kann. In einer sogenannten "Handystudie" wurden Studienteilnehmer unterschiedlichen Alters per Handy über drei Wochen mehrmals täglich zu ihrer Zeitverwendung, Ereignissen und ihrem emotionalen Befinden befragt und bearbeiteten eine kurze Rechenaufgabe. Mit der dazu gemeinsam vom MPI für Bildungsforschung und dem SOEP entwickelten mobilfunkbasierten Erhebungstechnologie können äußerst detaillierte, methodisch hochwertige und ökonomisch effiziente Daten in natürlichen Lebenskontexten gesammelt werden. Darüber hinaus wird eine Erhebung in sehr kurzen Zeitabständen ermöglicht, die genauere Rückschlüsse auf sich schnell verändernde Faktoren, wie beispielsweise der emotionalen Befindlichkeit, zulässt.

Ein weiterer Vorteil der mobiltelefonbasierten Erhebungstechnologie ist, dass sie auch in sehr großen und geografisch verbreiteten Stichproben, wie der des Sozio-oekonomischen Panels, einsetzbar ist. "Daraus ergeben sich wichtige Erkenntnisse für die Grundlagenforschung, unter Umständen mit wichtigen Implikationen für die gesellschaftspolitische Bewertung der Konsequenzen einer alternden Gesellschaft", erklärt Michaela Riediger, die die Studie von Seiten des MPI für Bildungsforschung betreute.

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Max Planck Fellow

Das Max Planck Fellow Programm dient der Anbindung herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitäten an Max-Planck-Institute. Insgesamt 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden seit Einführung des Programms 2005 zu Fellows ernannt. Die Berufung von Professor Wagner erfolgte am 26. Juni im Rahmen der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft in Dresden.

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SOEP (Sozio-oekonomisches Panel)

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die seit 1984 jährlich Mikrodaten für die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Grundlagenforschung bereitstellt. Angesiedelt ist das multidisziplinäre SOEP am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), dem größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitut. Mit Hilfe des SOEP können eine Vielzahl sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Theorien, insbesondere auch psychologische Theorien, getestet werden.

9. bis 11. Juli: 8th International Socio-Economic Panel User Conference (SOEP 2008)
(www.diw.de/soep2008)

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Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet. Es ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.
Der Forschungsbereich Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat dazu beigetragen, dass die Entwicklungspsychologie der Lebensspanne zu einem eigenständigen konzeptuellen Ansatz innerhalb der Entwicklungspsychologie wurde.

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Lebenslauf Gert Georg Wagner

Univ.-Prof. Dr. rer. oec. Gert G. Wagner, geb. 1953, ist Lehrstuhlinhaber für Empirische Wirtschaftsforschung und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin sowie Leiter der Längschnittstudie SOEP am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin.

Wagner ist Vorsitzender der Zensuskommission der Bundesregierung und Mitglied des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten und des Statistischen Beirats. Er ist Mitglied der "Working Group on Social Sciences and Humanities" des European Strategy Forum for Research Infrastructures (ESFRI), Mitglied des Gründungsausschusses für ein International Data Forum (IDF), sowie Mitglied im Research Ressources Board des britischen Economic and Social Research Councils (ESRC). Er war 2002-2006 Mitglied des Wissenschaftsrats.

Wagner war 1997-2002 Lehrstuhlinhaber an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und 1992-97 an der Ruhr-Universität Bochum; 1997 lehnte er einen Ruf an die Universität Göttingen ab. Er war Gastprofessor an der Cornell University, Syracuse University und American University/Washington, DC.

Wagner war in den letzten Jahren Fachgutachter für Wirtschafts- und Sozialpolitik der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Mitglied des Beirats des Schweizerischen Haushaltspanels (SHP) und der British Household Panel Study (BHPS), Schatzmeister der internationalen Fachgesellschaft Society for the Study of Economic Inequality (ECINEQ), Mitglied des Sachverständigenrats für Zuwanderung und Integration (Zuwanderungsrat), der Sachverständigenkommission für den Kinder- und Jugendbericht, der Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme, der Professorenrunde zur Vorbereitung einer Strukturreform der Gesetzlichen Rentenversicherung. (GRV) und der Enquete Kommission Demographischer Wandel des Deutschen Bundestags.

Im September 2007 hat Bundespräsident Horst Köhler das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gert G. Wagner verliehen.

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Kontakt:
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Petra Fox-Kuchenbecker
Telefon: 030-824 06-211
E-Mail: fox@mpib-berlin.mpg.de

Prof. Dr. Gert G. Wagner
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
Mohrenstraße 58
10117 Berlin
Telefon: 030-897 89-290
E-Mail: officewagner@diw.de
Weitere Informationen: http://www.mpib-berlin.mpg.de http://www.mpg.de http://www.diw.de/soep2008
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