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Prof. Dr. Erich Kessler zum 75. Geburtstag

17.05.2002 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. Erich Kessler, bis zu seiner Emeritierung 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Botanik II, vollendet am 23.5.2002 sein 75. Lebensjahr.

Prof. Kessler studierte Botanik, Chemie und Physik an der Universität Marburg und promovierte 1953 bei André Pirson mit einer Arbeit über die Nitratreduktion bei einzelligen Grünalgen. Es folgten eine kurze Tätigkeit als Assistent am Botanischen Institut der Universität Marburg und dann von 1954 bis 1956 ein Aufenthalt als Post Doc an dem berühmte Photosynthese-Forschungsinstitut in Chicago, wo neben Hans Gaffron auch der Nobelpreisträger James Franck wirkte. Zurückgekehrt nach Marburg erfolgte die Habilitation 1957 in Marburg.

1963 wurde Prof. Kessler auf den neu geschaffenen Lehrstuhl Botanik an die Friedrich-Alexander-Universität nach Erlangen berufen. Die nun folgenden Verhandlungen in München und Erlangen führte er mit großer Sorgfalt durch, so dass ihm alle räumlichen, gerätemäßigen und personellen Voraussetzungen für seine Arbeitsrichtung zur Verfügung gestellt wurden.

Im Jahre 1970 erhielt Prof. Kessler einen Ruf an die Universität Bonn, den er ablehnte. Seine brillanten Vorlesungen genossen einen hervorragenden Ruf, selbst bei der äußerst kritischen Studentenschaft in der Zeit um 1968. Mit seiner liebenswürdigen Art trug er entscheidend mit dazu bei, dass im Institut stets ein sehr angenehmes Betriebsklima herrschte. Viele seiner Schüler können inzwischen eine eigene erfolgreiche berufliche Laufbahn aufweisen. So wurden drei von ihnen auf Lehrstühle an deutschen Universitäten berufen und andere nehmen leitende Positionen in der Industrie ein.

Auf wissenschaftlichem Gebiet interessierte sich Prof. Kessler zunächst besonders für die Photosynthese und den H2 - Stoffwechsel und schuf auf beiden Gebieten viel zitierte Beiträge. Dann verlagerte sich sein Schwerpunkt auf die Nitratreduktion sowie auf die biochemische Taxonomie und die Systematik einzelliger Grünalgen. Diese Untersuchungen gingen auf zufällige Entdeckungen und Ideen zurück und waren zunächst so neu und ungewöhnlich, daß sie vom wissenschaftlichen Establisment mit erheblicher Skepsis aufgenommen wurden. Inzwischen haben sich aber Professor Kesslers Gedanken durchgesetzt und werden nach dem Urteil internationaler Fachkreise als Pionierleistungen gewürdigt. Es war ihm im Laufe der Zeit gelungen, 17 verschiedene Arten der Grünalge Chlorella an Hand biochemischer Merkmale, wie dem Vorkommen bestimmter Enzyme zu charakterisieren, mit dem Ergebnis, daß die Objekte, die im Mikroskop kaum Unterschiede zeigen, mindestens zu 6 verschiedenen Gattungen und sogar in zwei Klassen gehören. Das hat große praktische Bedeutung für die Grundlagenforschung und die Biotechnologie, weil man jetzt die für jeden Zweck günstigste Art leicht aussuchen kann, was früher weitgehend dem Zufall überlassen war.
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