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"Nachwachsende Rohstoffe für die Industrie" - 6. Niedersächsischer Life Science-Tag

09.07.2008 - (idw) BioRegioN - Landesinitiative Life Sciences Niedersachsen

Für Mittwoch, den 9. Juli 2008 haben die Landesinitiative Life Sciences Niedersachsen - BioRegioN und Solvay, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zum gemeinsamen Austausch auf den 6. Niedersächsischen Life Science-Tag in das Solvay Congress Center nach Hannover eingeladen. Gemeinsam gingen die Besucher anhand hochkarätig besetzter Vorträge und einer spannenden Podiumsdiskussion der Frage auf den Grund, inwieweit nachwachsende Rohstoffe die herkömmlich verwendeten Stoffe für chemische und pharmazeutische Prozesse in der Industrie ersetzen können. Die zahlreich aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Experten brachten dabei viele neue Kenntnisse und Erfahrungen aus Wirtschaft und Wissenschaft mit ein.

Auf der Podiumsdiskussion zum Thema "Nachwachsende Rohstoffe - Zukunft für die Chemische Industrie?" diskutierte die Vertreterin aus der Politik, Frau Edelgard Bulmahn, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesforschungsministerin, mit Wirtschaftsvertretern von Solvay, Dow Wolff Cellulosics und der Henkel GmbH & Co.KGaA und Prof. Dr. Klaus Vorlop vom Johann Heinrich von Thünen-Institut.

Walter Hirche, Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Schirmherr der Veranstaltung, betonte die Bedeutung der nachwachsenden Rohstoffe, die Niedersachsen bereits vor Jahren erkannt habe. Mit der durch das Land geförderten Vernetzung der Akteure würden die vorhandenen Strukturen in den Bereichen Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe intelligent miteinander verknüpft.
"In der Biotechnologie ist Niedersachsen exzellent aufgestellt", so Hirche. "Der Branche ist es zunehmend gelungen, wissenschaftliche Stärken in eine wirtschaftliche Verwertung zu führen." Dies zeigten auch die erfreulichen Ergebnisse des Life Science-Reportes für Niedersachsen 2008.

Dr. Thomas Wagner, BioRegioN, zeigte den Besuchern anhand seines Vortrages, wo Niedersachsens Potenziale im Bereich der Life Sciences liegen. Aufgrund zahlreicher erfolgreicher Projekte habe die Branche in Niedersachsen in den letzten Jahren vor allem in den Kompetenzfeldern der Pharma-Biotechnologie und BioMedizintechnik deutliche Vorsprünge im regionalen Vergleich herausarbeiten können. "Die klare Fokussierung auf die inhaltlichen Stärken und vor allem die vernetzte, interdisziplinäre und überregionale Zusammenarbeit der Akteure miteinander, werden Niedersachsens Biotechnologie in den nächsten Jahren kräftigen Aufwind geben", so Dr. Thomas Wagner.

Dr. Frank Schneider, der Vorsitzende der Geschäftsführung der SOLVAY GmbH griff die momentane politische Diskussion auf und unterstrich: "Dort, wo wir die Syntheseleistung der Natur am intelligentesten nutzen, bringen Nachwachsende Rohstoffe am meisten. Diese als reinen Brennstoff zu sehen, ist deutlich zu kurz gedacht." So sei etwa KREON® über eine organisch-chemische Totalsynthese gar nicht herstellbar. Das lebenswichtige Enzympräparat bei Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse wird vielmehr aus Schweinepankreas gewonnen, das bei der Schlachtung von zum Verzehr bestimmten Schweinen zwangsläufig anfällt. "KREON® ist nur ein Beispiel, wo wir die exzellente Fähigkeit der Natur, auch komplizierteste Moleküle aufzubauen, gut nutzen können. Großindustriell eingesetzt werden u.a. biotechnologische Verfahren zur Herstellung von Vitaminen und Waschmittel-Enzymen. Alle diese Verfahren führen gleichzeitig auch zu Einsparungen fossiler Rohstoffe."
"Doch auch die Nutzung Nachwachsender Rohstoffe erfordert viel Energie", unterstrich Dr. Schneider. Entscheidend für die Entwicklung neuer Einsatzfelder und die tatsächliche industrielle Verwendung seien daher wettbewerbsfähige Energiepreise. Die neue europäische Emissionshandelsrichtlinie sieht aber vor, ab 2013 die Kohlendioxid-Emissionszertifikate zu versteigern, um sie Unternehmen zuzuteilen. Der europäische Chemie-Verband erwartet, dass die Chemische Industrie allein in Deutschland dann jährlich zusätzlich mit einer Milliarde Euro belastet wird, ab 2020 sogar mit 1,8 Milliarden. "Die derzeitige Politik, Energie in Europa künstlich zu verteuern, erfüllt mich daher mit großer Sorge. Sie erzwingt förmlich das Abwandern energieintensiver Branchen wie der Stahl-, Papier- und Chemie-Industrie in Länder mit günstigeren Energiepreisen - allen voran China. Damit verschließen wir uns auch den Zugang zu neuen Einsatzfeldern Nachwachsender Rohstoffe."

Anknüpfend daran erläuterte Bruno Jestin, Solvay Brüssel, wo auch einfachere, natürliche Moleküle wichtige Ausgangsstoffe für die Chemische Industrie sein können: So hat Solvay das so genannte EPICEROL®-Verfahren entwickelt, um aus Bioglycerin den Epoxidharz-Grundstoff Epichlorhydrin gewinnen zu können. Diente bisher petrochemisch gewonnenes Propylen als Ausgangsstoff, so basiert das EPICEROL®-Verfahren auf Glycerin, das bei der Herstellung von Biodiesel als Nebenprodukt anfällt.

Prof. Dr. Jürgen O. Metzger von der Universität Oldenburg zeigte im Rahmen seines Vortrages die zunehmende Bedeutung der stofflichen Nutzung von Ölen und Fetten als nachwachsende Rohstoffe für die chemische und verarbeitende Industrie und erörterte die aktuellen Entwicklungen ihrer chemischer Transformationen durch moderne Synthesemethoden.

Auch die Frage, welche Rolle die Biotechnologie für die traditionelle Entwicklung von Therapeutika und Diagnostika spielt, wurde auf dem Life Science-Tag aufgegriffen. Prof. Dr. Siegfried Schäfer, Solvay Pharmaceuticals, zeigte mit welchen biotechnologischen Methoden ein traditionelles Arzneimittel sozusagen auf neuem Wege gewonnen werden kann.

Prof. Dr. Rudi Balling vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig stellte den Besuchern die führende Position Niedersachsens in der Infektionsforschung vor. Dabei verwies er auf die zahlreichen interdisziplinären und institutsübergreifenden Forschungsprojekte und -verbünde.

Auf der anschließenden Podiumsdiskussion kristallisierte sich klar die hohe gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Relevanz heraus, die die Biotechnologie und der Einsatz regenerativer Rohstoffe in der Industrie heute bereits besitzen. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass die Nutzung von Energiepflanzen in ihrer breiten Vielfalt, noch immer einen großen Forschungsbedarf aufweist.

Landesinitiative Life Sciences Niedersachsen - BioRegioN ist die zentrale Kontaktstelle für Life Sciences in Niedersachsen und verbindet Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit dem Ziel das große Potenzial an exzellenten Forschungsergebnissen einer frühzeitigen Vermarktung zuzuführen, Ansiedlungen zu fördern und den Life Science-Standort Niedersachsen nachhaltig zu stärken.

Die internationale Solvay-Gruppe mit Sitz in Brüssel ist in mehr als 50 Ländern tätig. In den Unternehmensbereichen Pharma, Chemie und Kunststoffe arbeiten rund 29.000 Beschäftigte. Im Jahr 2007 wurde ein konsolidierter Umsatz von 9,6 Mrd. Euro erreicht. Solvay in Deutschland (Sitz: Hannover) leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Gesamtunternehmens: 2007 wurde hier ein konsolidierter Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro erzielt.
Solvay hat in Deutschland rund 4.000 Beschäftigte. Von Hannover aus werden z.B. Solvays weltweite Geschäfte mit Fluorprodukten sowie mit Barium- und Strontiumverbindungen gesteuert. Außerdem ist hier die Solvay Pharmaceuticals GmbH ansässig, die für das internationale operative Geschäft und in ausgewählten Gebieten auch für Produktion sowie Forschung und Entwicklung im Pharmabereich zuständig ist.
Als Hersteller von Fluorprodukten ist Solvay auf dem Weltmarkt die Nummer 2. Diese werden etwa bei der Polyurethandämmstoffherstellung oder auch als chirale Synthesebausteine eingesetzt. Im Pharmabereich ist Solvay u.a. führend bei Enzymmedikamenten gegen die Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse. Diese Arzneimittel, die nach Umsatz zu den wichtigsten Solvay-Medikamenten zählen, werden rund 40 Kilometer von Hannover entfernt in Neustadt hergestellt.



Kontakt:

Geschäftsstelle der Landesinitiative
Life Sciences Niedersachsen - BioRegioN
c/o Corvay GmbH
Sophienstraße 6
D-30159 Hannover
Sibylla Schwarz
Tel.: 0511/ 449895-35
Fax: 0511/ 449895-99
Email: bioregion@bioregion.de
sibylla.schwarz@bioregion.de
Weitere Informationen: http://www.bioregion.de
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