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Zwischen Ming-Zeit und Kulturrevolution - Vortragsreihe

25.04.2003 - (idw) Technische Universität Berlin

Alltagstechniken Chinas - ein sino-ethnologisches VW-Projekt an der TU Berlin

Mit dem Fahrrad, jenem unauffälligen "industriellen" Gegenstand, revolutionierte sich das Alltagsleben, die Produktions- und Kommunikationsspielräume um die Wende zum 20. Jahrhundert in China. Zwangsgemeinschaften, die aufgrund knapper künstlicher Lichtquellen zusammenfanden, individualisierten sich mit der Einführung neuer Beleuchtungstechniken. Diese und andere Alltagstechniken werden jetzt an der TU Berlin untersucht. Seit Januar 2002 fördert die Volkswagenstiftung das Forschungsprojekt "Geschichte und Ethnologie der Alltagstechniken Chinas", das an der Fakultät I, Geisteswissenschaften, der TU Berlin angesiedelt ist (Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie Arbeitsstelle für Geschichte und Philosophie der chinesischen Wissenschaft und Technik). Das Projekt kooperiert mit dem Ostasiatischen Seminar der FU Berlin (Prof. Dr. E. von Mende).

Dieses technikethnologisch und alltagshistoriographisch ausgerichtete Projekt befasst sich mit der Art und Weise, in der Menschen in China seit frühester Zeit die Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse organisieren. Sie bedienen sich dazu eigensinnig chinesischer, flexibel anpassbarer Alltagstechniken, die vor dem Hintergrund der sozial-technischen Systeme ihrer Epoche zu verstehen sind und die sich in einer Folge technischer Weichenstellungen entwickelten.
Schwerpunkte des Projekts sind die Grundlagenforschung, ein Entwurf der Geschichte der Alltagstechniken Chinas, die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs, der Aufbau einer Datenbank zum Stand der Forschung und Dokumentation (Themen: Kleidung, Ernährung, Wohnen, Transport, Verkehr und Kommunikation), die Information über Wissenschaftler, Institutionen und Forschungsinitiativen des Fachgebietes. Im Rahmen des Projektes entstehen zum Beispiel Qualifikationsarbeiten zu den Themen "Beleuchtung", "Fahrrad" und "Materielle Kultur der Kulturrevolution in China". Außerdem sind bislang Arbeiten zu folgenden Themen geplant: "Körpertechniken und Frühsport", "Die materielle Kultur des Fischens in Tibet", "Alltag von Deutschen in China", "Transport- und Verkehrsgeschichte", "Die Nähmaschine in Taiwan", "Alltag und Strafe", "Alltag von Bergleuten", "Alpinismus in Taiwan" sowie "Telefon und Handy".

Wir möchten Sie herzlich einladen an der Vortragsreihe "Kultur konkret" sowie an der wissenschaftlichen Tagung EANSET teilzunehmen und in Ihrem Medium darüber zu berichten:

Im Rahmen des Projektes wird seit dem Wintersemester 2003 die Vortragsreihe "Kultur konkret angeboten: Alltagstechniken (Chinas)". Jeweils am zweiten Donnerstag im Monat referieren Wissenschaftler/innen verschiedener Fachgebiete über Aspekte des Alltags in China, die sonst in der Öffentlichkeit wenig Beachtung finden. Im vergangenen Semester gab es Vorträge zu Staus in der westlichen Han-Zeit, Öl- und Fett-Produktion in der Ming-Zeit, zu Chinas 5000-jähriger Kopfstützentradition, zu Straßenbau und Straßenzustand in der späten Qing-Dynastie sowie zum Konsumieren in unterschiedlichem sozio-kulturellem Kontext an Beispielen aus Südostasien und Ozeanien. Im Sommersemester 2003 sind folgende Vorträge geplant:

8. Mai 2003: Dr. Dirk Forschner, TFH Wildau:
Zhan Tianyou und die Eisenbahnlinie über den Badaling-Pass

Die Verfilmung des Lebens von Zhan Tianyou, dem fast schon legendären Eisenbahningenieur der späten Qing- und Republikzeit, der mit dem ersten chinesischen Bau einer Bahnlinie beauftragt wurde, sorgte in China 2000 für Aufsehen. In diesem Vortrag wird zunächst das Schaffen Zhan Tianyous vorgestellt. Er widmet sich im weiteren speziell der Trassierung, den Betriebsmitteln und dem Betrieb der Bahnlinie Beijing Xizhimen - Nankou - Qinglongqiao - Kangzhuang. Den Abschluss bildet ein Blick auf die Bahnlinie heute.

12. Juni 2003: Martina Siebert, Würzburg:
Landwirtschaftliche Techniken in gelehrten Texten des traditionellen China

Der Vortrag stellt eine Auswahl an verschiedenen Formen und Funktionen vor, in denen agrarische Kenntnisse und Techniken in gelehrten Texten des traditionellen China zur Darstellung kommen. Anhand thematischer Beispiele kommen dabei Einträge aus den staatlichen Agrarkompendien, den Lokalmonographien, aber auch aus privaten Spezialschriften und belehrenden Essays zur Sprache

10. Juli 2003: Wu Xiujie, M.A., Berlin:
Alltag und Licht im Norden Chinas - wie die Beleuchtung die Wohngewohnheiten prägte

Während der langen Winterzeit wurden in Nordchina bis zur Verbreitung elektrischen Lichts alltägliche Tagesabläufe in besonderer Weise durch die verfügbaren Lichtquellen geprägt. Die häusliche "Zwangsgemeinschaft" unterlag einem ständigen Kampf um Licht und Wärme. Der Vortrag bietet eine kurze Geschichte der Beleuchtungstechniken Chinas und widmet sich insbesondere den Beleuchtungsbedingungen als wesentlichen Elementen für die Veränderung der Wohnkultur.

Ort: MA 141, Mathematikgebäude, Straße des 17. Juni 136, jeweils von 18 - 20 Uhr

EANSET-Tagung vom 15. - 17. Mai 2003: Was die Hand kann
In Kooperation mit dem 2001 in Potsdam gegründeten Euro-Asian Network for the Study of Everyday Technologies organisiert Mareile Flitsch die von der DFG geförderte Tagung "The Hand in Everyday Technologies". Das vorläufige Programm dieser Fachtagung renommierter europäischer und asiatischer Technikanthropologen ist über die website des Projekts einzusehen.

Ort: Berlin, WannseeForum, Hohenzollernstr. 14, 14109 Berlin (Anmeldung erforderlich)


Weitere Informationen erteilt Ihnen gern die Projektleiterin Priv.-Doz. Dr. Mareile Flitsch, Fakultät I, Geisteswissenschaften, Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte, VW-Projekt Alltagstechniken Chinas, Sekr. FR 4-5, Franklinstraße 28/29, 10587 Berlin, Tel.: 030/ 314-2 26 80 , E-Mail: alltagstechniken.chinas@tu-berlin.de
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