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Der Bacchus muss zuerst dran glauben

15.07.2008 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Sengende Sonne, strömender Schweiß. Es ist heiß an diesem Samstagvormittag in den Weinbergen unterhalb der Festung Marienberg. Das Gras am Wegesrand ist so gut wie verdorrt. Der letzte Regen? Kaum noch in Erinnerung. Fast möchte man meinen, die Würzburger Uni-Geographen hätten dieses Wetter bestellt, um dem Thema ihrer Exkursion Nachdruck zu verleihen: Es ging darum, wie sich die fränkische Weinwirtschaft auf den Klimawandel einstellt. Zu der Exkursion, die ins erste große Alumni-Sommerfest der Universität eingebunden war, hatte der Verein Alumni Geographie Würzburg eingeladen. Rund 35 Studierende und Alumni und ein Hund machten sich vom Vierröhrenbrunnen aus auf den Weg in die Weinberge. Bevor sie vier Stunden später ihr Ziel erreichen sollten, den Biergarten auf der Festung, bekamen sie von den Würzburger Professoren Heiko Paeth und Jürgen Rauh geballte Informationen: über die Geologie und das Klima Frankens, über weltweite und regionale Klimaänderungen, über den Weinbau.
Wie nehmen die Winzer den Klimawandel wahr? Das wollten Rauh und sein Team vom Zentrum für Regionalforschung bei einer Umfrage unter 120 Weinbauern herausfinden. So gut wie alle Befragten gaben an, dass es in den vergangenen 20 Jahren wärmer geworden ist und die Zahl der Frosttage abgenommen hat. Im Sommer regnet es immer weniger und die Sonnenbrandgefahr steigt. Damit meinen die Winzer allerdings nicht das Verbrennen ihrer eigenen Haut, sondern das Aufplatzen der Weinbeeren wegen zu starker Sonneneinstrahlung.
Die Winzer gaben noch mehr Beobachtungen zu Protokoll - und sie stimmen alle, wie die Geographen bestätigen. Eine Auswertung der Klimadaten der letzten 60 Jahre hat ergeben, "dass wir hier in Mainfranken jetzt schon im zweiten Jahrzehnt einer Wärmeperiode sind, mit einer besonders deutlichen Erwärmung im Winter", so Rauh. Gleichzeitig fällt im Sommer 17 Prozent weniger Regen, "und das bei ohnehin schon geringen Niederschlägen in unserer Region".
Und es soll noch wärmer werden, wenn man dem weltgrößten Klimarechner Earth Simulator glaubt. Dieser Supercomputer steht in Japan und füllt einen Raum von der Größe einer Dreifachturnhalle, erzählt Klimaexperte Paeth. Die Erkenntnisse seines eigenen Klimamodells für Deutschland hat der Würzburger Geograph für Mainfranken heruntergebrochen: "Bis zum Jahr 2100 erhöht sich die durchschnittliche Temperatur hier möglicherweise um vier Grad", sagt er. Und der Sommerregen fällt bis dahin voraussichtlich noch spärlicher aus. "Wir hätten dann ein Klima, wie es heute in Bordeaux herrscht."
Bordeaux? Wäre so ein Klima nicht optimal für Wein? Schon, aber nicht für die fränkischen Reben. Der Bacchus zum Beispiel mag es lieber kühl. Außerdem ist er besonders empfindlich gegen Sonnenbrand. "Der Bacchus wird wohl die erste Rebsorte sein, die bei steigenden Temperaturen aus unseren Weinbergen verschwindet", prognostiziert Rauh. Und in der Tat pflanzt bereits jetzt fast ein Viertel der befragten Winzer bewusst Sorten an, die besser mit höheren Temperaturen zurechtkommen.
Ein Teil der Befragten hat zudem Kühlanlagen für die Weinkeller angeschafft. Denn wegen der zunehmenden Wärme mussten die Trauben in den vergangenen Jahren im Durchschnitt 20 Tage früher gelesen werden, zumeist an noch relativ warmen Tagen. Kommen die Beeren aber zu gut temperiert in die Keller, dann setzen unerwünschte Gärungsprozesse ein, die der Qualität des Weins schaden - also müssen die Trauben gleich nach ihrem Eintreffen im Keller künstlich gekühlt werden.
Rauh stellte weitere Strategien vor, mit denen die Weinwirtschaft dem Klimawandel begegnen kann: Beschattung der Reben gegen zu starke Sonneneinstrahlung, Züchtung dürreresistenter Sorten, Verlagerung der Anbauflächen weg von den Südhängen an weniger sonnenverwöhnte Stellen. Über eine Bewässerung der Weinberge denken die Winzer schon intensiver nach. Erprobt werde das derzeit in Sommerach, wo eine Tröpfchenbewässerung zum Einsatz kommt: Dabei versorgt ein Schlauchsystem gezielt jede einzelne Rebe. "Es ist auch in der Diskussion, auf den Weinbergen Speicher zu bauen und darin den Winterniederschlag zu sammeln", so der Professor.

Die Auswertung der Studie, bei der Winzer und Kellermeister, aber auch Weinfestbesucher befragt wurden, ist fast abgeschlossen. Die kompletten Ergebnisse liegen voraussichtlich im August vor. Sie werden dann in einer Posterausstellung im Institut für Geographie präsentiert.

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