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Preise für Zellforschung, Doktortitel und ein neuer Ehrenbürger

26.04.2003 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

MHH beging heute siebte Promotionsfeier

Zum siebten Mal hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) am heutigen Freitag im voll besetzten Hörsaal F ihre Doktoranden geehrt. Aus der Hand von Präsident Professor Dr. Horst v. der Hardt erhielten 76 junge Ärztinnen und 80 Ärzte während der Promotionsfeier die Urkunde für ihre erfolgreich beendete Doktorarbeit; 13 von ihnen haben ihre Promotionen "mit Auszeichnung" abgeschlossen. Zwei Promotionspreise gingen an Dr. med. Anika Meyerholz und Dr. med. Lars Zender. Die Auszeichnungen sind mit je 2.500 Euro dotiert und werden von der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e. V. vergeben. Den mit 2.500 Euro dotierten Hans-Heinrich-Niemann-Preis 2003 erhielt Dr. med. Dirk Beutner aus der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Dresden für seine Forschung auf dem Gebiet der Reizübertagung im Gehör. In seinem Festvortrag beleuchtete Professor Dr. Hartmut Küppers, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der MHH, das Spannungsfeld zwischen "Tradition und Verpflichtung". Schließlich wurde dem langjährigen ehemaligen Vorsitzenden der Freundegesellschaft, Klaus Richter, die Ehrenbürgerwürde der Hochschule verliehen.

Die Promotionspreise

Dr. med. Anika Meyerholz untersuchte die Rolle des Enzyms Cyclin G assoziierte Kinase (GAK), das bei Transportvorgängen in Körperzellen mitwirkt. Zellen nehmen ständig Stoffe aus ihrer Umgebung auf - um sich zu ernähren, um ihr Wachstum zu regulieren oder auch, um miteinander zu kommunizieren. Das Cholesterin wird zum Beispiel in Form von so genannten LDL-Partikeln von den Zellen aufgenommen. Dazu stülpen die Zellen einen kleinen Teil ihrer Zellhaut ein und umhüllen damit das LDL. Auf diese Weise gelangt das LDL als kleines membranumgrenztes Päckchen ins Innere der Zelle. Wie werden diese Transportpakete gebildet? Die Zelle baut dazu ein korbartiges Eiweißgerüst, das die Membran erst nach innen einstülpt und dann das Paket schnürt. Die Transportpakete sehen wie winzige Fußbälle aus, in deren Innerem das Transportgut verborgen ist. Damit das aufgenommene Cholesterin von der Zelle genutzt werden kann, muss das Paket aufgeschnürt werden. In ihrer Arbeit hat Dr. Meyerholz mit modernen molekularbiologischen Techniken das Enzym entdeckt, das in allen menschlichen Zellen genau diese Aufgabe erfüllt. Fehlfunktionen dieses Transportprozesses können die Ursache für Krebs sein.


Dr. med. Lars Zender beschäftigte sich mit dem hepatozellulären Karzinom. Der Leberzellkrebs gehört weltweit zu den häufigsten bösartigen Tumoren, Betroffene haben nur eine mittlere Überlebenszeit von vier bis sechs Monaten. Meist wird der Tumor erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt - eine chirurgische Behandlung ist nur selten möglich, auch eine wirksame Chemotherapie gibt es bislang nicht. Ärzte suchen deshalb nach Alternativen, eine Möglichkeit könnte die Gentherapie sein. Deshalb untersuchte Dr. Zender in seiner Arbeit erste Schritte für einen solchen Weg. Als "Werkzeug" dienen Adenoviren, die normalerweise zu Erkältungs-Krankheiten führen. Das Ziel: Die Viren sollen genetisch so manipuliert werden, dass sie Tumorzellen abtöten. Leider schädigen sie aber auch das gesunde Lebergewebe. Im ersten Teil seiner Arbeit befasste sich der MHH-Nachwuchsforscher damit, die molekularen Mechanismen der adenoviralen Schädigung in der gesunden Leber zu untersuchen. Dabei stellte er erstmalig fest, dass bei einer adenoviralen Infektion von Leberzellen der sonst vor Zelltod schützende Faktor NFkB den kontrollierten Zelltod auslösen kann. Durch Eingreifen in diesen neu entdeckten Mechanismus könnten in Zukunft während der Gentherapie gesunde Leberzellen geschützt werden. Ein weiteres Problem: Meist nehmen nicht alle Tumorzellen das tödliche Virus auf. Deshalb wäre eine selektive Virus-Vermehrung im Tumor optimal. Im zweiten Teil der Arbeit legte Dr. Zender die Grundlagen für eine tumorspezifische Vermehrung von Adenoviren. Dabei nutzte er die Tatsache, dass Tumorzellen häufig Mutationen im so genannten p53-Tumorsuppressorgen tragen.

Der Hans-Heinrich-Niemann-Preis 2003

Dr. med. Dirk Beutner hat die Funktionsweise der inneren Haarzellen untersucht. Diese Zellen befinden sich im Innenohr und wandeln Schall in elektrische Signale für das Gehirn um. Die mechanische Schallenergie reizt die Haarzellen, sie setzen dann vermehrt einen chemischen Botenstoff frei. Der wiederum löst elektrische Signale in den Nervenzellen aus, die mit der Haarzelle in Verbindung stehen. Die Informationsübertragung erfolgt an bestimmten Kommunikationsstellen, den Synapsen. Bislang wusste man wenig über die Eigenschaften dieser Haarzell-Synapse. Die Arbeit von Dr. Beutner entstand unter Anleitung von Dr. Tobias Moser als eine Kooperation der Abteilung Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Göttingen und der Abteilung Membranbiophysik des Max-Planck-Institutes für Biophysikalische Chemie, ebenfalls in Göttingen. Zunächst untersuchte Dr. Beutner, wie genau die innere Haarzelle den Botenstoff freisetzt. Bei dieser Exozytose verschmelzen membranumhüllte Bläschen, die den Botenstoff enthaltenden synaptischen Vesikel, mit der Plasmamembran der Haarzellen. In diesem Fall werden auf der Empfängerseite Aktionspotentiale ausgelöst, die den Reiz weiterleiten. Mit Hilfe von so genannten Patch-Clamp-Messungen der Membrankapazität einzelner innerer Haarzellen zeichnete der Wissenschaftler die Verschmelzung synaptischer Vesikel auf. Er konnte zeigen, dass innere Haarzellen etwa 200 Vesikel sehr schnell freisetzen können. Weil die Transportbläschen rasch wieder bereitgestellt werden und die Membran mit effizienten Mechanismen wieder aufgenommen wird, kann der Schall auch über lange Zeiträume sicher kodiert werden. Dr. Beutners Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise der inneren Haarzellen bei und bilden die Grundlage für weitere Untersuchungen zur Schwerhörigkeit.


Der Festvortrag

Professor Dr. Hartmut Küppers warf in seinem Festvortrag zur Promotionsfeier einen Blick auf das Thema "Tradition und Verpflichtung". Vor allem befasste er sich mit dem Strukturwandel in der biologisch-medizinischen Forschung und den Verbindungen und Abhängigkeiten zwischen öffentlich finanzierter und privater Forschung: "Idealerweise ergänzen sich die beiden Forschungsbereiche. Dies gilt insbesondere für die Wissenschaftler der unterschiedlichen Forschungseinrichtungen selbst. Diese enge Zusammenarbeit ist in den USA seit Jahren sehr erfolgreich durchgeführt worden. Die privaten wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen möchten wir an die Verpflichtung erinnern, hier in Deutschland mit den bestehenden wissenschaftlichen Einrichtungen zusammenzuarbeiten, hier ihre wissenschaftlichen Institute zu bauen und hier die wissenschaftlichen Arbeitsplätze für die Zukunft zu schaffen."

Die Ehrenbürgerwürde

Hilfe in Zeiten chronisch knapper Mittel - dafür setzte sich Klaus Richter (70) sechs Jahre lang erfolgreich ein. Der ehemalige Direktor und Sprecher der Zweigniederlassung Hannover der Siemens AG war von 1996 bis Oktober 2002 Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e.V. MHH-Präsident Professor v. der Hardt verlieh die Ehrenbürgerwürde an Klaus Richter und bedankte sich noch einmal für die erfolgreiche Unterstützung durch die Freunde: "Herr Richter hat sich mit großer Umsicht und hoher sachlicher Kompetenz dafür eingesetzt, dass die MHH-Abteilungen aus den eingeworbenen Drittmitteln in vielfältiger Weise in ihren Forschungsaktivitäten unterstützt werden konnten. Er hat auch in finanziell schwierigen Zeiten ein offenes Ohr gehabt für Förderanträge zur Verbesserung der studentischen Lehre."

Klaus Richter wurde 1933 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur in der Hansestadt begann er 1952 eine dreijährige kaufmännische Ausbildung bei Siemens. Es folgten viele Berufsjahre in dem Unternehmen, unter anderem in Hannover, Stockholm, München, Berlin und Erlangen. 1977 wurde er kaufmännischer Vorstand der Zweigniederlassung Hannover bis zum Jahr 1990. Es folgte ein ungewöhnliches Intermezzo: Als "One-Dollar-Man" ging Klaus Richter für ein halbes Jahr zur Deutschen Treuhandanstalt Berlin im Rahmen einer Aufbauhilfe der deutschen Wirtschaft. Dort übernahm er das Direktorat Bauwirtschaft und privatisierte zahlreiche Bau-Unternehmen. Nach der Rückkehr zu Siemens leitete er in Hannover die Infrastruktur und war Sprecher der Betriebsleitung. Im März 1995 schied er nach 43 Jahren in der Siemens AG vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Ein Jahr später begann sein Engagement für die Gesellschaft der Freunde der MHH und im Oktober 1996 er wurde deren Vorsitzender. Über diese Zeit sagt Klaus Richter: "Es war eine vielseitige und nützliche Tätigkeit mit interessanten Einblicken in die zunächst für mich ganz fremde Welt der MHH."

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