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Radioprogramm als Kulturgut

29.04.2003 - (idw) Universität Leipzig

Mephisto 97.6, der Ausbildungs- und Lokalsender der Universität Leipzig, beugt sich nicht dem Druck und bleibt auf der Frequenz. Eine Alternative wäre ein völlig neuer Relaunch auf nicht-kommerzieller Frequenz. Die zusätzlichen Kosten müssten die Interessenten tragen.

"Vier Stunden mehr Oldies und News mit nahezu null Nachrichtenwert oder ein Informations- und Kulturprogramm aus und für den Leipziger Raum - das ist die Alternative", sagt Prof. Dr. Rüdiger Steinmetz, geschäftsführender Programmdirektor von mephisto 97.6. Mit der Ausschreibung dreier neuer Low-Power-Frequenzen durch die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) sollte der Druck auf den seit acht Jahren sendenden Ausbildungs- und Lokalsender der Universität Leipzig verstärkt werden, den Weg für mehr Oldies frei zu machen. Diesem Druck beugt sich mephisto 97.6 nicht.

Es geht um die medienpolitische Frage: Kann bei der Vergabe von Frequenzen allein der Gedanke im Vordergrund stehen, bestimmte Hörer-Zielgruppen durch entsprechende Musikformate möglichst erfolgreich an die Werbetreibenden zu verkaufen. Oder muss nicht auch an das Informationsinteresse der Hörer, an die gemeinnützige und qualitativ hochwertige, den Sendern zudem erhebliche Kosten einsparende Ausbildung von Radiomachern gedacht werden. Als die SLM im November 1994 die sächsischen Lizenzen vergab, verfolgte sie beide Zielvorstellungen. Der SLM-Medienrat in seiner gegenwärtigen Besetzung setzt seine Prioritäten offenbar anders.

Radioprogramm wird bei mephisto 97.6 als Kulturgut und nicht als Ware angesehen. Mephisto 97.6 wird die in langer, gründlicher Radio-Arbeit erworbene Reputation in Leipzig und weit über die Stadt-, Landes- und Bundesgrenzen hinaus nicht aufs Spiel setzen. Eine einfache Bewerbung auf ein "Fensterprogramm" auf drei Low-Power-Frequenzen, die zum Verlust der meisten Hörer führen würde, stand nicht zur Diskussion, weil alles dies in Frage gestellt werden würde. Allenfalls ein kompletter Relaunch auf einer rein nicht-kommerziellen Frequenz, gemeinsam mit dem Bürgerradio "Radio Blau", wäre ein Alternative. Die daraus entstehenden, aus unserer Sicht erheblichen Zusatzkosten können aber von der Universität Leipzig nicht getragen werden. Dies müsste durch diejenigen geschehen, die ein Interesse daran haben, mephisto 97.6 von der Frequenz zu verdrängen. In einer Stellungnahme zur Frequenz-Ausschreibung, die aus formalen Gründen als "Bewerbung" gekennzeichnet ist, hat mephisto 97.6 eine solche Alternative skizziert.

Sachlich ist festzustellen: mephisto 97.6 betreibt kein "Fensterprogramm", sondern es ist genauso wie "Oldie FM" mit einer eigenen Lizenz ausgestattet, die bis 2009 gilt. Ein finanzielles Ausdörren unserer Programmleistung durch das Versagen von Zuschüssen ist aber eine Gefahr.

Etwa 500 Studierende lernten in den acht Jahren bei mephisto 97.6 das Radiomachen. Die gegenwärtigen mephisto-Radiomacher bekommen zusätzlich einen Intensivkurs in Medienpolitik. Sie lernen, dass aus dem Medienrat, der von den Landtagsabgeordneten in Kürze neu zusammengesetzt wird, bzw. von der SLM-Geschäftsführung durch Informationen aus einem laufenden Entscheidungsverfahren heraus Politik gemacht wird. Sie lernen, dass bereits bei der Ausschreibung der drei Leipziger, aber auch weiterer kleiner Frequenzen in Sachsen nicht-sächsische Bewerber explizit außen vor gehalten werden sollten. Sie lernen, dass Mit-Bewerber, denen wir unsere Stellungnahme kollegialer Weise zur Kenntnis gaben, Einzelheiten in die Öffentlichkeit lancierten. Sie lernen, dass sich die sächsischen Radio-Konkurrenten schnell zusammenfinden und ein neues Radioformat aus dem Hut zaubern, um nicht-sächsische Bewerber aus dem Wettbewerb auszuschließen. Sie lernen aber hoffentlich auch, dass ihre gewählten Volksvertreter im Landtag sich bei der Wahl des neuen SLM-Medienrats von Überlegungen leiten lassen werden, die die Aufrechterhaltung kultureller Mindeststandards auch in einem Radiomarkt ermöglichen. Erst der neue Medienrat wird wohl über die Frequenzen entscheiden.

Kontakt: Prof. Dr. Rüdiger Steinmetz, gf. Programmdirektor mephisto 97.6

0341/9735-700 oder 0175/5221998.
email: rstein@uni-leipzig.de
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