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Finanzbeamten den Rücken gestärkt: Umfassendes Rückenprogramm der RUB-Psychologie

12.08.2008 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Finanzbeamten den Rücken gestärkt
Betriebliche Gesundheitsförderung trägt erste Früchte
Publikation: Rückenprogramm der RUB-Psychologie

Erste Ergebnisse des einjährigen Gesundheitsprogramms "Aktion: Gesunder Rücken" zeigen ein erfreuliches Bild: Mehr als die Hälfte von über 2.000 Beschäftigten in neun Pilotfinanzämtern in NRW nahmen an einer Maßnahme des Programms teil. Die Anzahl der Betroffenen mit Rückenschmerzen ist rückläufig, die Beschäftigten treiben auch zu Hause deutlich mehr Sport als vor Projektbeginn, die Ausgleichsaktivitäten zur Arbeit im Sitzen haben zugenommen. Bochumer Psychologen hatten mit dieser Aktion im vergangenen Jahr den Rücken der Beschäftigten ins Zentrum des betrieblichen Gesundheitsmanagements gestellt. Über ihr Konzept des ganzheitlichen Managements im Gesundheitsbereich berichten Prof. Dr. Bernhard Zimolong, Prof. Dr. Gabriele Elke und Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff in ihrem kürzlich erschienenen Buch "Den Rücken stärken" (Hogrefe Verlag). Es bezieht die Ebene der jeweiligen Mitarbeiter, ihrer Gruppe, der Organisation und des Umfelds der Organisation ein. "Die betriebliche Gesundheitsförderung ist eine bedeutsame Innovation und Investition in die Zukunft", so die Autoren. Ganzheitliches Programm verwirklicht

Inzwischen liegen belastbare Daten und Erfahrungen vor, um ein betriebliches Gesundheitsmanagement einführen zu können. Anlass für das Gesundheitsprogramm waren die Ergebnisse einer Befragung, wonach im Jahr 2006 jeder zweite Beschäftigte täglich oder mehrmals wöchentlich über Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen klagte. Diese Zahl sank durch das von den RUB-Psychologen entwickelte Konzept um 6,7 Prozent. Arbeits- und Organisationspsychologen der Ruhr-Universität und weitere Netzwerkpartner des Projekts INOPE (Integrierte Netzwerk-, Organisations- und Personalentwicklung) haben ein ganzheitliches Programm zur Rückenprävention verwirklicht. Es umfasst die Erstellung eines individuellen Risikoprofils anhand eines Vorsorge-Checks, ein breites Informationsangebot im Intranet zum Thema Rückenbeschwerden, Präventionsangebote der Finanzämter und ihrer externen Partner im Bereich Bewegung und Entspannung sowie maßgeschneiderte Verhaltens- und Coachingprogramme für Beschäftigte mit erhöhtem Rückenschmerz-Risiko.

Hohe Nachfrage nach Angeboten

Berücksichtigt haben die Bochumer Forscher nicht nur körperliche, sondern auch kognitiv-emotionale, verhaltensbedingte und soziale Aspekte des Schmerzes. Neben dem physischen Schmerzerleben (z. B. durch Muskelverspannungen, Ausprägung der Muskulatur, Fitness) äußern sich Schmerzen in bestimmten Emotionen (z. B. Hilflosigkeit, Enttäuschung, Verzweiflung), Kognitionen (etwa "Schonmythen", Überzeugung der Nichtbeeinflussbarkeit) und Verhaltensweisen (Schonverhalten, Rückzug, Arztbesuche). Ausgangspunkt des Programms war der Vorsorge-Check "Gesunder Rücken". Das Ergebnis war für jeden Teilnehmer ein persönliches Risikoprofil, das Auskunft über die Stärken und Schwächen der Rückengesundheit gab und zudem erste Empfehlungen und Tipps enthielt, um die Gesundheit des Rückens zu erhalten oder zu verbessern. Das Angebot stieß bei den Finanzbeamten auf großes Interesse, 52 Prozent der Beschäftigten nahmen daran teil.

Tipps und Maßnahmen für den Alltag

Die Ergebnisse des Vorsorge-Checks lieferten die Grundlage für zielgruppengenaue Angebote - zum Beispiel für die Gruppe der Beschäftigten, die ein erhöhtes Chronifizierungsrisiko haben (rund 50 %). Für diese Gruppe haben die Wissenschaftler zwei spezielle Verhaltensprogramme entwickelt, um die Rückengesundheit langfristig zu verbessern: "Haltung in Bewegung" und "Rückhalt für den Alltag". Bei diesen speziell für den Finanzamtsalltag angepassten Programmen wurde vor allem berücksichtigt, dass das Gelernte später im Büroalltag umsetzbar ist. Insgesamt nahmen 135 Personen (28 % dieser Risikogruppe) an den Verhaltensprogrammen teil. Zum Vergleich: Angebote der Krankenkassen erreichen maximal ein Prozent der Risikogruppen.

Rückenschmerzen: individuelle und organisatorische Perspektive

Das Projekt mit den neun Pilotfinanzämtern in NRW ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Gesundheitsprogramm, das jedoch Teil eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements sein muss - privat und betrieblich. In dem vor kurzem veröffentlichten Band "Den Rücken stärken" verbinden die Bochumer Forscher erstmals die individuelle mit der organisatorischen Perspektive von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Das Buch bietet zunächst Basisinformationen zur betrieblichen Gesundheitslage sowie zu den Grundlagen einer gesundheitsförderlichen Arbeits- und Organisationsgestaltung und Personalführung. Es zeigt, wie gesundheitliche Förderprogramme auf der individuellen Verhaltensebene ansetzen können, um eine positive Bereitschaft zur Verhaltensumstellung zu erzielen. Von zentraler Bedeutung sind in diesem Zusammenhang auch Kenntnisse, wie sich gesundheitsbezogene Kommunikationsprozesse im Betrieb erfolgreich gestalten lassen. Entsprechend erläutern die Wissenschaftler, welche Funktionen und Strukturen ein effizientes Gesundheitsmanagementsystem hat, wie die Einbindung der Führungskräfte in Präventionsmaßnahmen erfolgen kann und welche Rolle der Einsatz von Personalsystemen für das Gesundheitsmanagement spielt.


Titelaufnahme

Bernhard Zimolong, Gabriele Elke, Hans-Werner Bierhoff (Hg.): Den Rücken stärken. Grundlagen und Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung. Hogrefe Verlag, Göttingen 2008, 234 S., 29,95 Euro, ISBN: 978-3-8017-2109-1

Weitere Informationen

Christian Schwennen, Lehrstuhl Arbeits- und Organisationspsychologie der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-27783, E-Mail: cs@auo.psy.ruhr-uni-bochum.de
Internet: http://www.inope.de

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