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UK Essen Nr. 1 bei Lebertransplantationen

12.09.2008 - (idw) Universitätsklinikum Essen

Leberverpflanzungen um 65 Prozent gegenüber Vorjahr gesteigert Erstmalig führend ist das UK Essen im Eurotransplantgebiet bei Transplanta-tionen der Leber. Operateure der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Trans-plantationschirurgie verpflanzten in diesem Jahr bereits dem 100. Patienten eine neue Leber. Erfolgreich: Denn der Patient hat die Intensivstation bereits verlassen und befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Erfreulich ist das Ergebnis für Prof. Guido Gerken, Direktor der Klinik für Gastroen-terologie und Hepatologie: "Bereits nach acht Monaten konnte das Viszeralzentrum des UK Essen die Anzahl der Lebertransplantationen aus dem Vorjahr übertreffen." Und Prof. Andreas Paul, kommissarischer Direktor der Klinik für Allgemein-, Visze-ral- und Transplantationschirurgie, fügt hinzu: "Das entspricht einer Steigerung um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Jahr 2008 wären das hochgerechnet fast 150 Transplantationen." Für Essen wäre dies die höchste Zahl seit Bestehen des Transplantationsprogramms 1987.

Dass am Universitätsklinikum nun erheblich mehr Patienten eine Leber transplan-tiert werden konnte, liegt sicherlich auch an der engen Kooperation vieler Experten. Denn mit der Gründung des Viszeralzentrums vor genau einem Jahr hat das UK Essen eine neue interdisziplinäre Einrichtung erhalten. Chirurgen, Gastroenterolo-gen, Nephrologen und Endokrinologen arbeiten nun eng zusammen, betreuen bei-spielsweise eine Station gemeinsam. Derzeit warten hier über 180 Patienten auf eine Lebertransplantation. Aufgrund des erfolgreichen Transplantationsprogramms etwa zehn Patienten weniger, als noch vor einem Jahr.

Dass in Essen besonders vielen Betroffenen eine Leber von Eurotransplant zugeteilt wird, liegt u.a. an der Schwere der Erkrankung dieser Patienten. So gilt seit zwei Jahren bei Eurotransplant als Verteilungsmodus von Spenderlebern zu möglichen Empfängern der so genannte MELD-Score (Model of End Stage Liver Disease). Er dient zur Abschätzung der Mortalität von Patienten im Endstadium einer Leberzir-rhose. Der errechnete Wert kann von 6 (leichte Erkrankung) bis 40 (schwere Er-krankung) reichen. Eine weitere entscheidende Ursache für das Ansteigen der Le-bertransplantationen liegt in der konsequenten Nutzung von gespendeten Organen. "Aufgrund erweiterter Kriterien können wir nun auch Organe nutzen, die sich früher nur bedingt für eine Transplantation eigneten", erläutert Prof. Paul. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Denn trotz schwerstkranker Patienten liegt die postoperative Über-lebensrate bei bis zu 90 Prozent. Weitere belegbare positive Effekte: Die Warteliste hat sich verringert, weniger Betroffene sind an Leberversagen gestorben.

"Dadurch können wir jetzt zunehmend Leberlebendspenden vermeiden. Denn eine Lebend-spende ist für Erwachsene immer mit einem nicht unerheblichen Risiko verbunden", ergänzt Paul. So verliert der Lebendspender zwei Drittel seiner funktionierenden Leber, erholt sich oft nur langsam von der schweren Operation. Deshalb führte Paul in diesem Jahr "nur" drei Splitlebertransplantationen und eine Leber-Lebendspende durch. "Wir machen das nur in den Fällen, wo keine Möglichkeit besteht, ein pas-sendes Organ zu erhalten", so Paul.

Leider besteht in Deutschland jedoch weiterhin ein Mangel an geeigneten Spender-organen. So versterben immer noch rund zehn Prozent der Patienten, die auf der Warteliste stehen und für eine Transplantation vorgesehen sind. "Wenn es mehr Organspender gäbe, könnten wir durch eine Transplantation deutlich mehr Patien-ten helfen" sagt Dr. Gernot Kaiser, Transplantationsbeauftragter am Universitätskli-nikum Essen und ergänzt: "In Spanien etwa ist die Anzahl von Organspendern pro Millionen Einwohnern fast doppelt so hoch wie in Deutschland, bei ähnlicher sozio-kultureller Struktur."

Um alle zur Verfügung stehenden Organe nutzen zu können, betreibt das UK Essen auf dem Gebiet der Transplantation daher auch Grundlagenforschung. Und ist damit international führend: So hat die Arbeitsgruppe um Prof. Ursula Rauen eine Lösung zum Konservieren von entnommenen Organen entwickelt, die kurz vor der Marktein-führung steht. Das Präparat sorgt dafür, dass entnommene Organe trotz fehlender Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr wenig Schaden nehmen. Die Wissenschaftler ver-sprechen sich davon eine erhebliche Verbesserung des Erfolges der Organtrans-plantation.

Und noch etwas Erfreuliches hat der Schwerpunkt Transplantation am UK Essen zu melden. In wenigen Tagen transplantiert das UK Essen dem 3000. Patienten eine Niere und dem 1500. eine Leber. "Ein großartiger Erfolg für unsere Transplanteure und das Viszeralzentrum. Die systematische Stärkung und Entwicklung dieses klini-schen und wissenschaftlichen Schwerpunktes zahlt sich aus. Wie die Zahlen bele-gen, ist das UK Essen auf diesem Gebiet ohne Zweifel eines der größten und erfolg-reichsten Zentren Europas", freut sich Prof. Gerald Holtmann, Ärztlicher Direktor des UK Essen.


Nähere Informationen: Dr. Jürgen Treckmann, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplan-tationschirurgie, Tel.: 02 01 / 7 23 - 84082.

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