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Bildarchiv Foto Marburg erhält wissenschaftlichen Nachlass des Historikers Reinhart Koselleck

16.09.2008 - (idw) Philipps-Universität Marburg

Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg und das Deutsche Literaturarchiv Marbach haben den Nachlass des Bielefelder Historikers Reinhart Koselleck (1923-2006) erhalten. Damit wird eine Kooperation beider Institutionen begründet. Beide Häuser werden Nachlass und Sammlung sukzessive erschließen, ihn der Forschung zur Verfügung stellen und Forschungen unternehmen. Die umfangreiche Bild- und Materialsammlung zur politischen Ikonografie Kosellecks, die jetzt das Bildarchiv Foto Marburg betreut, nimmt innerhalb seines Nachlasses eine Sonderstellung ein: Über viele Jahre hinweg beschäftigte sich der Historiker in origineller Weise mit diesem kunsthistorischen Fragenkomplex und legte hierzu verschiedene Publikationen vor. Vieles hinterließ er aber im Manuskriptstadium. Die weitgehend unpublizierten Bildmaterialien zur politischen Ikonografie bestehen zum größten Teil aus Fotografien von Kunstgegenständen und bildhaften Objekten, etwa von Kriegerdenkmälern, Mahnmalen, Reiterstandbildern, Objekten zur Thematik des gewaltsamen Todes und zu Macht und Herrschaft, die systematisch geordnet und teilweise kommentiert worden sind. Dieser Bestand wird im Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte zeitnah erschlossen, erforscht und in digitaler Form im etablierten Marburger Bildindex der Kunst und Architektur der Wissenschaft online zugänglich gemacht. "Die Übernahme und Erschließung des Nachlasses ermöglicht dem Bildarchiv Foto Marburg zudem, der Öffentlichkeit an einem exemplarischen Bestand zu zeigen, wie sich die Institution von einer Serviceeinrichtung zu einem Forschungsinstitut weiterentwickelt", sagt Dr. Christian Bracht, Leiter des Bildarchivs Foto Marburg.

Der schriftliche Nachlass, der nach Marbach geht, umfasst die Handschriften, Typoskripte und Materialsammlungen, die Korrespondenz des Wissenschaftlers sowie den Kernbestand seiner Bibliothek. Zu diesen wissenschaftlichen Materialsammlungen gehören unter anderem Kosellecks Aufzeichnungen aus der Heidelberger Studenten- und Assistentenzeit, Manuskripte und Materialien zu seiner Dissertation "Kritik und Krise - Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt" (1954) und zu seiner Habilitationsschrift "Preußen zwischen Reform und Revolution" (1965). Hinzu kommen Akten zu Kosellecks achtbändigem Werk "Geschichtliche Grundbegriffe - Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland" (1972-1997). Besonders hervorzuheben sind außerdem Kosellecks Papiere zum "Arbeitskreis für moderne Sozialgeschichte", zur Forschungsgruppe "Poetik und Hermeneutik" sowie zu zahlreichen verschiedenen Akademien und historischen Kommissionen, denen er angehörte.

Große Bedeutung für die Wissenschaft hat auch Kosellecks Korrespondenz mit zahlreichen Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Er stand mit Hans Blumenberg, Norbert Elias, Hans-Georg Gadamer, Arnold Gehlen, Jürgen Habermas, Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß, Siegfried Kracauer, Karl Löwith, Niklas Luhmann, Odo Marquard, Carl Schmitt, Jean Starobinski, Dolf Sternberger, Karlheinz Stierle, Ernst Tugendhat und Harald Weinrich, aber auch zahlreichen weiteren bedeutenden Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts in kontinuierlichem wissenschaftlichen wie freundschaftlichen Austausch. In Marbach ergänzt Kosellecks Nachlass die Papiere jener Philosophen, Germanisten und Historiker, die für die Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts von außerordentlicher Bedeutung waren und sind - so etwa die Nachlässe von Gadamer, Blumenberg oder Elias.


Beide Institutionen werden Kosellecks Werk und Nachlass zum Gegenstand von wissenschaftlichen Tagungen machen. Das Thema der Marbacher Tagung im Jahr 2009 lautet "Reinhart Koselleck: Sprache und Geschichte". Längerfristig geplant sind im Rahmen der Kooperation auch eine Ausstellung und ein Katalog, der in Kosellecks wissenschaftliches Werk einführt.
Weitere Informationen: http://www.fotomarburg.de
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