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Anatomie: Mehr Klinisches in der Lehre

01.10.2008 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Sein Lehrstuhl für Klinische Anatomie und Zellbiologie ist neu gegründet worden. "Damit soll betont werden, dass es wichtig ist, die Lehre in der Anatomie stärker klinisch auszurichten", sagt Jens Waschke, der neue Professor am Institut für Anatomie und Zellbiologie. Waschkes Lehrstuhl ist nach seiner Kenntnis der einzige dieser Art in Deutschland. Die klinischen Bezüge in der Anatomie würden hierzulande - anders als in den USA - oft zu kurz kommen, berichtet er. Diesen Missstand zu beheben sei umso wichtiger, da die Anatomie in Deutschland mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen habe und sich viel zu wenige angehende Mediziner für eine Karriere in der Anatomie entscheiden. Entsprechend will der neue Professor in seiner Lehre diejenigen anatomischen Themen in den Vordergrund stellen, die für die klinische Tätigkeit von Bedeutung sind.

Dabei wird sich sein Lehrstuhl nicht nur der Ausbildung der Studierenden widmen. Man will auch Ansprechpartner für die klinisch tätigen Kollegen sein und für diese Fortbildungsveranstaltungen anbieten. So üben zum Beispiel Notfallmediziner invasive Notfalltechniken an toten menschlichen Körpern - unter anderem die Thorax-Drainage. Diese wird angewendet, wenn Blut in die Lungenhöhle eingedrungen ist.

Auch in der Lehre legt Jens Waschke großen Wert darauf, dass die Studierenden im Präparierkurs tatsächlich an Leichen arbeiten können. Das eigene Präparieren sei außerordentlich wichtig für das Verständnis der Anatomie: "Es geht darum, selbst zu entdecken und freizulegen und auch krankhafte Veränderungen zu sehen und zu erkennen", sagt er. "Und es ist ein ganz anderes Verantwortungsgefühl, wenn man selbst schneidet."

In seiner Forschung untersucht er vor allem zellbiologische Mechanismen, die die Schrankenfunktionen an den äußeren und inneren Barrieren des menschlichen Körpers kontrollieren. So weiß man, dass bei verschiedenen krankhaften Prozessen wie Entzündung, Allergie oder Arteriosklerose die Schrankenfunktion des Endothels - also der Zellschicht an der Innenfläche der Blutgefäße - durch die Ausbildung von Lücken zwischen den Endothelzellen herabgesetzt wird. In der Folge tritt Blutplasma in das umliegende Gewebe aus und verursacht Entzündungen und Schwellungen.

Jens Waschke versucht in seinem Projekt "Regulation der Endothelbarriere in vivo und in vitro", die zellbiologischen Mechanismen zu identifizieren, die den Zusammenhalt zwischen den Zellen regulieren. Dann will er der Frage nachgehen, wie es zu Störungen der Zellhaftung und in der Folge zu diesen Lückenbildungen kommt. In seinem Projekt zur "Pathogenese des Pemphigus" geht es ebenfalls um den Zusammenhalt von Zellen - allerdings von Zellen der äußeren Hautschicht.
Zur Person

Jens Waschke (33) hat sich - nach Medizinstudium und Promotion an der Universität Würzburg - 2007 habilitiert. Nach einem Ruf an die Universität Greifswald erhielt er im Frühjahr 2008 den Ruf auf die Professur in Würzburg. Seit Juni ist er nun Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Anatomie und Zellbiologie (Lehrstuhl III) an der Universität Würzburg.

Waschke wurde 2005 mit dem Albert-Koelliker-Lehrpreis der Würzburger Medizinischen Fakultät ausgezeichnet. 2006 erhielt er den Wolfgang-Bargmann-Preis der Anatomischen Gesellschaft.

Kontakt: Jens Waschke, T (0931) 31-2384, jens.waschke@mail.uni-wuerzburg.de

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