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Neues Zentrum für Psychologie-Geschichte an der Universität Würzburg

01.10.2008 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Bautafel ist aufgestellt, die Umbauarbeiten haben begonnen: Die Universität Würzburg bekommt ein Zentrum für Psychologie-Geschichte - angesiedelt im ehemaligen Geologie-Gebäude am Pleicherwall 1. Im Frühjahr 2009 soll die Eröffnung sein. "Das Zentrum ist eine Bereicherung für den Wissenschaftsstandort Würzburg", sagt Privatdozent Dr. Armin Stock, der persönliche Referent des Universitätspräsidenten, der das Projekt federführend vorantreibt. "Und es passt optimal zu Würzburg": Das 1896 von Oswald Külpe begründete psychologische Institut der Universität ist das älteste in Bayern. Heute zählt es zu den erfolgreichsten in Deutschland. Die sogenannte "Würzburger Schule" der Psychologie, die Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals den Versuch unternahm, Denkprozesse mit der psychologischen Methode der systematischen Selbstbeobachtung zu untersuchen, ist weltberühmt.

Armin Stock sieht in der neuen Einrichtung aber auch ein Beispiel für erfolgreiches Fundraising durch die Universität. Mit der Adolf Würth GmbH und Co.KG ist es ihm gelungen, einen Sponsor zu finden, "von dem wir außerordentlich profitieren": "Ohne dessen Unterstützung hätte die Universität die Baumaßnahme in Höhe von 1,2 Millionen Euro nicht umsetzen können. Und für diese Förderung sind wir sehr dankbar." Entsprechend soll das Zentrum künftig "Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie" heißen.

Den Grundstock des Zentrums bildet eine der weltweit größten Sammlungen zur Geschichte der Psychologie, die seit 1981 an der Universität Passau zusammengetragen wurde und nun - im Zuge der Zielvereinbarungen zwischen dem Freistaat und den Universitäten - nach Würzburg umzieht. Voraussichtlich elf Lastwagen samt Anhängern werde man brauchen, um die rund 6500 Objekte, Dokumentensammlungen und Nachlässe, Bücher und Zeitschriften sowie das Film- und Fotoarchiv von Passau nach Würzburg zu transferieren, schätzt Armin Stock.
Die Sammlung dokumentiert insbesondere die Entwicklung der Psychologie seit Mitte des 19. Jahrhunderts, die nun ihre Erkenntnisse vorrangig durch naturwissenschaftliche Methoden wie Beobachtung und Experiment zu gewinnen suchte. So wurde fortan mit so ausgefeilten und dekorativen Apparaten wie dem Hipp'schen Chronoskop - einer elektromagnetischen Uhr - bis auf die 1000stel Sekunde genau die Geschwindigkeit gemessen, mit der Reize im Nervensystem verarbeitet werden. Instrumente wie Tonhöhenvariatoren - mit denen festgestellt werden kann, wie fein das Gehör Tonhöhenunterschiede erkennt - erlaubten es, die Differenzierungsfähigkeit menschlicher Sinne zu messen. Immer ausgeklügelter wurden auch die Apparate zur Eignungsdiagnostik, die in der angewandten Psychologie zum Einsatz kamen.

Im Zentrum für Psychologie-Geschichte ist geplant, künftig wechselnde themenbezogene Ausstellungen zu zeigen, erklärt Armin Stock: Zum Beispiel über die verschiedenen Experimente zu Gedächtnisprozessen oder über die Entwicklung der Eignungsdiagnostik. Er hofft aber auch, mit der neuen Einrichtung Gastwissenschaftler anzuziehen. Erste Anfragen aus den USA sind bereits eingegangen. "Langfristig streben wir an, diese Sammlung der Wissenschaft als große Datenbank der Psychologiegeschichte zur Verfügung stellen zu können."

Dass die Geschichte der Psychologie von Passau nach Würzburg umzieht, ist Teil der Zielvereinbarungen zwischen dem Freistaat Bayern und den Universitäten aus dem Jahr 2006. Diese verfolgen das Ziel, die Stärken an den einzelnen Universitätsstandorten zu bündeln und eine Profilbildung - auch im Hinblick auf den weltweiten Wettbewerb der Universitäten - weiter voranzutreiben. In der Folge wird das "Institut für Geschichte der Psychologie" zusammen mit Professor Horst Gundlach von Passau nach Würzburg umsiedeln, des Weiteren kommen die Musikwissenschaften aus Erlangen und Bamberg und die Assyriologie aus Erlangen nach Würzburg. Im Gegenzug wechseln die Würzburger Geologie und die Japanologie an die Universität Erlangen.

Kontakt: PD Dr. Armin Stock, T (0931) 31-3059, E-Mail: armin.stock@uni-wuerzburg.de

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