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Zentralasien-Konferenz: Wirtschaftliche Fortschritte, aber politische Stagnation

13.10.2008 - (idw) Private Fachhochschule Göttingen

Die zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan und Kirgisistan haben sich weitgehend unbeachtet zu einer politisch und ökonomisch bedeutsamen Region entwickelt. Diese Länder stehen im Mittelpunkt eines von Prof. Joachim Ahrens (Privaten Fachhochschule Göttingen - PFH) betreuten Forschungsprojektes. Bei einer zweitägigen Konferenz an der PFH untersuchten Ökonomen, Politik- und Kulturwissenschaftler aus zwölf Nationen den Stand der Entwicklung in Zentralasien. Wie haben die Staaten den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft gemeistert? Ist dieser Prozess bereits abgeschlossen? Welche Formen von Marktwirtschaft bilden sich heraus? Unter welchen Umständen können sich die zentralasiatischen Staaten zu funktionierenden Demokratien entwickeln? Etwa 40 Zentralasienexperten gingen bei der Konferenz unter der Leitung von Prof. Joachim Ahrens und Prof. Hermann Hoen (Universität Groningen / Niederlande) diesen Fragen nach. Zu den Referenten zählten renommierte Wirtschaftswissenschaftler wie Prof. Richard Pomfret (Universität Adelaide / Australien) und Prof. Martin Spechler (Universität Indiana / USA). Kontrovers diskutiert wurde vor allem der Vortrag Spechlers. Er fragte nach den internationalen Einflüssen auf die zentralasiatischen Staaten. Mit vielen Fakten und Beispielen widerlegte er die weit verbreitete Auffassung, dass die zentralasiatischen Staaten wirtschaftlich und politisch fast ausschließlich mit Russland verbunden seien. Vielmehr sei eine stark zunehmende wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China zu erkennen und auch für die USA und die EU gäbe es viele Möglichkeiten, intensivere Kontakte zu knüpfen. Bisher stünden einer stärkeren wirtschaftlichen Kooperation westlicher Staaten mit Zentralasien vor allem die undemokratischen und undurchsichtigen politischen Verhältnisse in der Mehrzahl der Länder entgegen. Die notwendigen Demokratisierungsprozesse könnten jedoch nicht allein durch internationale politische Einflüsse, sondern nur im Zusammenspiel mit starken inländischen Bürgerbewegungen vorangetrieben werden, wie Spechler betonte.

Die Konferenz ist Teil eines dreijährigen Forschungsprojektes, dass von der Volkswagen-Stiftung gefördert wird. Prof. Richard Pomfret beschreibt die langfristige Perspektive des Projekts: "Die Göttinger Konferenz ist letztlich nur ein kleiner Schritt hin zu dem Ziel, einheimische Wissenschaft in Zentralasien anzuregen. Die nächsten beiden Konferenzen sollen vor Ort im kasachischem Almaty und im usbekischen Taschkent stattfinden und wichtige Impulse für die dortige wirtschafts- und politikwissenschaftliche Forschung geben." Die Organisatoren erhoffen sich, dass bei einem solchen Treffen auch die Beteilung einheimischer Forscher noch deutlich größer wäre. Einigen zentralasiatischen Wissenschaftlern war aufgrund der hohen Reisekosten oder Visaproblemen eine Teilnahme an der PFH-Konferenz nicht möglich.
Weitere Informationen: http://www.pfh.de/centralasia
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