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20-Jahr-Feier des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover

13.10.2008 - (idw) Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

Am 10./11.10. 2008 feierte das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (FIPH) sein 20-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Hildesheimer Dom und einer hochkarätig besetzten Tagung zum Thema "Das Böse" an der Universität Hildesheim. Die große Publikumsresonanz von 300 Teilnehmern am Festakt und 250 Teilnehmern an der Tagung kann man als Beleg dafür werten, wie sehr die Institutsarbeit im Bistum und in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit geschätzt wird. Die Festveranstaltung begann mit einer Vesper und Grußworten von Bischof Norbert Trelle sowie Dr. Josef Lange, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, und Dr. Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).

Im Anschluss hielt Gesine Schwan, scheidende Präsidentin der Viadrina Universität Frankfurt (Oder), einen Vortrag zum Thema "Wissenschaft und Religion: Brauchen sie einander?" Religion, so Schwans These, stelle nicht nur keine Bedrohung für die Freiheit der Forschung dar, sondern könne im Gegenteil als notwendiges Heilmittel für die Wissenschaft begriffen werden: Der hoch spezialisierten und immer stärker an ökonomischer Verwertbarkeit ausgerichteten Forschung sei der Blick auf das Ganze und der Bezug auf den Wert der Wahrheit als letzter Zielpunkt verloren gegangen. Der religiöse Bezug zur Transzendenz Gottes weise daraufhin, wie wichtig ein solches umfassendes Wertverständnis sei, und erinnere an die Mitverantwortung der Wissenschaft für das Ganze der Schöpfung.

Die Tagung über "Das Böse" führte mit dem protestantischen Theologen Ingolf U. Dalferth (Zürich), Karl Kardinal Lehmann (Bischof von Mainz) und Navid Kermani (Islamwissenschaftler, Journalist und Schriftsteller) drei ausgewiesene Experten zusammen. Dalferth lieferte eine beeindruckende Analyse verschiedener Sichtweisen auf das Böse. Das Böse sei keine Substanz in der Welt, sondern eine funktionale Kategorie, mit der man verschiedene Formen von Übeln zu erklären suche. Aus der Perspektive der Betroffenen seien die beiden wichtigsten Strategien zur Bekämpfung dieser Übel zum einen die "kulturelle" Veränderung der Ursachen, zum anderen das "hermeneutische" Projekt, sich selbst angesichts des Bösen anders und umfassender zu verstehen.

Kardinal Lehmann gab einen theologisch und philosophisch versierten Überblick über die traditionellen Versuche, die Herkunft des Bösen und dessen Allgegenwärtigkeit zu erklären. Er favorisierte die These vom Bösen als Mangel an Gutem (privatio boni), betonte aber auch die persönliche Verantwortung des Menschen. Navid Kermani erweiterte die Perspektiven auf das Böse um jene der islamischen Tradition. Er schilderte die eindrucksvollen Versuche einer "häretischen Frömmigkeit", das Leiden der Menschen und die Vorstellungen göttlicher Allmacht im Medium der Anklage Gottes miteinander zu versöhnen. Die Tagung bot ein gelungenes Beispiel dafür, dass es möglich ist, philosophisch-theologisch komplexe Inhalte für ein großes Publikum zu erschließen.

Einen ausführlicheren Tagungsbericht können Sie über bohlken@fiph.de anfordern.
Weitere Informationen: http://www.fiph.de
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