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Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft: Operation und Stent gleichermaßen erfolgreich bei der Schlaganfallvorbeugung

21.10.2008 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Berlin - Patienten, die einen Schlaganfall aufgrund einer Verengung an der Halsschlagader erleiden, haben ein hohes Risiko eines erneuten Schlaganfalls. Viele dieser "Zweit-Schlaganfälle" lassen sich vermeiden, wenn die Verengungen rechtzeitig behoben werden. Dies ist heute durch zwei Verfahren möglich: Bei einer Endarteriektomie werden die Ablagerungen operativ entfernt. Bei einer Katheterbehandlung hingegen wird unter örtlicher Betäubung ein Stent, also eine Gefäßstütze, eingesetzt. Ein erneuter Gefäßverschluss soll dadurch vermieden werden. Seit Jahren diskutieren Mediziner, welche der beiden Methoden die erfolgreichere ist. Neue Studienergebnisse belegen jetzt, dass die Erfolgsaussichten beider Verfahren auf lange Sicht gleich sind. Große Unterschiede gibt es allerdings bei den Komplikationsraten der einzelnen Therapiezentren. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft empfiehlt Betroffenen deshalb, sich vor einem Eingriff über die Komplikationsraten des jeweiligen Zentrums zu informieren.

Verkalkungen in der Halsschlagader sind eine wesentliche Ursache für Schlaganfälle. Wenn eine solche Verengung zu einem Schlaganfall geführt hat, besteht ein hohes Risiko eines erneuten Schlaganfalls. "Etwa jedem siebten Patient, der einen Schlaganfall aufgrund einer Verengung an der Halsschlagader erlitten hat, droht im gleichen Jahr ein erneuter Schlaganfall. Wenn man die Verengung beseitigt, trifft es "nur" noch jeden fünfundzwanzigsten Patienten", erläutert Professor Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Chefarzt am Kreisklinikum Siegen. Ein Arterienverschluss kann sowohl operativ als auch minimal-invasiv behoben werden: Gefäßchirurgen können mit einer Operation die Verkalkungen und Fettablagerungen ausschälen. Zudem besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, die Engstelle ohne Operation minimal-invasiv zu behandeln: Der Patient erhält dabei nur eine örtliche Betäubung. Der Arzt führt dann einen Ballonkatheter in das Gefäß und weitet die verengte Stelle auf. Anschließend wird ein Stent eingesetzt. Er soll einen erneuten Gefäßverschluss vermeiden.

Im Rahmen mehrerer Studien haben Ärzte die Erfolgs- und Komplikationsraten von Operation und Stentbehandlung untersucht. Die Nachbeobachtungs-Ergebnisse dreier großer Vergleichsstudien zeigen jetzt, dass beide Verfahren auf lange Sicht keine signifikanten Unterschiede aufweisen. So hat die französische EVA-3S-Studie ergeben, dass vier Jahre nach der Behandlung in beiden Gruppen ungefähr gleich viele neue Schlaganfälle aufgetreten sind. In dieselbe Richtung weisen auch die Zweijahres-Ergebnisse der in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführten SPACE-Studie sowie die Dreijahres-Ergebnisse der amerikanischen SAPPHIRE-Studie.

"Mittel- und langfristig erzielen beide Verfahren vergleichbare Ergebnisse", fasst Professor Grond die Studiendaten zusammen. "Allerdings hat sich auch gezeigt, dass die Unterschiede bei den Komplikationsraten der einzelnen Therapiezentren sehr groß sind", so der Experte weiter. Patienten sollten dies bei der Auswahl eines Interventionszentrums beachten. Eine Hilfe bei der Entscheidung können laut Grond die Komplikationsraten in den Qualitätsberichten der Einrichtungen bieten. "Jedes Interventionszentrum sollte zusätzlich ein Komplikationsregister veröffentlichen, so dass sich Patienten auf den ersten Blick einen Überblick verschaffen können. Besonders wichtig ist, dass dies in Zusammenarbeit mit einem Neurologen geschieht." In diesem Zusammenhang ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass diese Erkenntnis nur für Verengungen an der Halsschlagader gilt, die bereits einen bleibenden oder flüchtigen Schlaganfall, eine sogenannte Transitorische Ischämische Attacke (TIA), verschuldet haben. "Findet man bei einer Untersuchung zufällig eine Verengung der Halsschlagader, muss diese nicht zwingend mittels Stent oder Operation behandelt werden, sondern man kann auch medikamentös vorgehen", so Grond.

Abkürzungen:
EVA-3S-Studie: Endarterectomy versus Angioplasty in Patients with Symptomatic Severe Carotid Stenosis
SAPPHIRE-Studie: The Stenting and Angioplasty with Protection in Patients at High Risk for Endarterectomy
SPACE-Studie: Stent-protected Percutaneous Angioplasty of the Carotid vs. Endarterectomy

Quellen:
Hitinder S. Gurm, Jay S. Yadav, Pierre Fayad, Barry T. Katzen, Gregory J. Mishkel, Tanvir K. Bajwa, Gary Ansel, Neil E. Strickman, Hong Wang, M.P.H., Sidney A. Cohen, Joseph M. Massaro, Donald E. Cutlip, for the SAPPHIRE Investigators: Long-Term Results of Carotid Stenting versus Endarterectomy in High-Risk Patients. In: The New England Journal of Medicine, 2008; 358:1572-9

Hans-Henning Eckstein, Peter Ringleb, Jens-Rainer Allenberg, Jürgen Berger, Gustav Fraedrich, Werner Hacke, Michael Hennerici, Robert Stingele, Jens Fiehler, Hermann Zeumer and Olav Jansen: Results of the Stent-Protected Angioplasty versus Carotid Endarterectomy (SPACE) study to treat symptomatic stenoses at 2 years: a multinational, prospective, randomised trial. In: The Lancet Neurology, 2008; 7: 893-902

Jean-Louis Mas, Ludovic Trinquart, Didier Leys, Jean-François Albucher, Hervé Rousseau, Alain Viguier, Jean-Pierre Bossavy, Béatrice Denis, Philippe Piquet, Pierre Garnier, Fausto Viader, Emmanuel Touzé, Pierre Julia, Maurice Giroud, Denis Krause, Hassan Hosseini, Jean-Pierre Becquemin, Grégoire Hinzelin, Emmanuel Houdart, Hilde Hénon, Jean-Philippe Neau, Serge Bracard, Yannick Onnient, Raymond Padovani and Gilles Chatellier for the EVA-3S investigators: Endarterectomy Versus Angioplasty in Patients with Symptomatic Severe Carotid Stenosis (EVA-3S) trial: results up to 4 years from a randomised, multicentre trial. In: The Lancet Neurology, 2008; 7: 885-892


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