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Werkstoffe: Empfehlungen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Materialwissenschaft und Werkstofftechnik

03.11.2008 - (idw) acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

München/Mainz, 3. November 2008. Werkstoffe sind wesentliche aber verborgene Innovationstreiber. Sie sind die Grundlage aller Produkte. Deutschland verdankt seine starke Stellung auf den Weltmärkten auch einer starken Position bei den Werkstoffen. Doch diese Position ist in Gefahr: Studiengänge sind mangels Nachfrage nicht ausgelastet, in der Entwicklungskette vom Material zum Produkt klaffen Lücken. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) nimmt mit Empfehlungen zu Materialwissenschaft und Werkstofftechnik jetzt Stellung zu einem Thema, dessen Brisanz in der Öffentlichkeit bislang kaum gesehen wird. Die wichtigsten Handlungsempfehlungen lauten: Die beteiligten Akteure sollten sich besser vernetzen und kooperieren; die Studiengänge brauchen klare Profile, und die derzeit noch viel zu starren Forschungsförderprogramme müssen flexibler gestaltet werden.

Ohne gut funktionierende Werkstoff-Infrastruktur kann der Innovationsstandort Deutschland nicht funktionieren. Rund 70 Prozent aller neuen Produkte basieren auf neuen Werkstoffen. Werkstoffe sind ein "heimlicher Riese", ein Wirtschaftszweig, dessen Bedeutung in Deutschland vielfach unterschätzt wird. Dabei setzen die werkstoffbasierten Branchen in Deutschland mehr als eine Billion Euro um. "Obwohl Werkstoffe im Alltag unspektakulär erscheinen, sind sie Voraussetzung für die Wertschöpfung in Deutschland und für die Entwicklung unserer Welt. Die Verfügbarkeit von Werkstoffen mit besonderen Eigenschaften entscheidet darüber, ob sich Ideen überhaupt verwirklichen lassen ", sagt Projektleiter und acatech Präsidiumsmitglied Hartwig Höcker (RWTH Aachen). Damit sich Ergebnisse der Forschung und kreative Ideen aus der Entwicklung auch in Zukunft auf effiziente Weise in industrielle Produkte umwandeln lassen, müssen Forschung und Lehre nach seinen Worten neue Wege gehen. "Die Bereiche Ausbildung und Lehre sind ein Bereich, in dem die Grundlagen für Werkstoffinnovationen gelegt werden. Heute werden Entwicklungssprünge gerade durch die Kombination unterschiedlicher Werkstoffe erzielt. Und auf dem Weg vom Labor zum Produkt gibt es viele Schnittstellen, die eine enge Verzahnung aller Beteiligten fordern." Deshalb sollte schon in der Lehre das interdisziplinäre Denken betont werden.

Die acatech Empfehlungen betreffen fünf Handlungsfelder:

1. Die öffentliche Wahrnehmung der Bedeutung von Werkstoffen

Um die öffentliche Wahrnehmung der Werkstoffe zu erhöhen, bedarf es einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Werkstoffe und ihre herausragenden, mitunter überraschenden Eigenschaften sowie ihre Beziehung zu Produkten und insbesondere zu Produktinnovationen des täglichen Gebrauchs müssen für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden.

Um die Identität der Werkstoffe zu stärken, sollte die Begriffskombination "Materialwissenschaft und Werkstofftechnik" generell als übergeordneter Begriff mit Markencharakter verwendet werden, insbesondere bei der Bezeichnung von Studiengängen, in der Forschung und Forschungsförderung.

2. Die Kette "Vom Material zum Produkt"

Der Wissenstransfer entlang der gesamten Kette "Vom Material zum Produkt" sollte durch eine stärkere Vernetzung und Kooperation zwischen den beteiligten Akteuren gefördert werden. Hier ist der Austausch "über Köpfe", insbesondere über Forscher aus Wissenschaft und Wirtschaft, besonders effektiv.

3. Lehre und Studium

Materialwissenschaftliche und werkstofftechnische Studiengänge müssen ein klares Profil haben, aus dem ihre Zukunftsorientierung hervorgeht, damit die Studierenden auf sie aufmerksam werden. Dabei ist auch auf die Berufsaussichten hinzuweisen.

Die Hochschulen sollten materialwissenschaftliche und werkstofftechnische Studiengänge entlang der Kette "Vom Material zum Produkt" gestalten. Die Lehrinhalte müssen ständig bedarfsorientiert weiterentwickelt werden. Diesbezügliche Aktivitäten des neu gegründeten Studientags Materialwissenschaft und Werkstofftechnik sind zu unterstützen.

4. Forschung

Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker müssen stärker zusammenarbeiten. Eine Vernetzung auf Verbandsebene schafft die neu gegründete Bundesvereinigung MatWerk, deren Aktivitäten zu unterstützen sind. Forschungsprojekte sollten interdisziplinär gestaltet werden, ohne dabei Nischenbereiche für Fachleute auf Spezialgebieten zu vernachlässigen.

Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene sollte die Erarbeitung von Leitbildern und Roadmaps als koordinative Instrumente gefördert werden. Dies kann auch auf Projektebene eine Orientierung bieten, und zwar über verschiedene Entwicklungsstufen und Entwicklungspartner hinweg.

5. Forschungsförderung

Die Förderorganisationen sollten ihre Programme möglichst flexibel gestalten und gleichzeitig untereinander besser abstimmen, um eine durchgängige Förderung von der Grundlagenforschung bis zur Produktentwicklung sicher zu stellen. Bei der themenseitigen Fokussierung der Forschungsförderung sollten sie den traditionellen Werkstoffen ebenso Gewicht beimessen wie den sogenannten Hightech-Werkstoffen.

Die am 3. November in Mainz im Rahmen des Tags der Technologie erstmals vorgestellten Empfehlungen der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften stützen sich auf Interviews mit Experten, schriftliche Befragungen, einen Experten-Workshop sowie den vorliegenden Stand an Initiativen, Studien und Analysen auf den relevanten Gebieten. Neben Prof. Dr. Hartwig Höcker werden Prof. Dr. Michael Dröscher, Leiter Innovation Management Chemicals von Evonik Industries und Dr. Martin Weber, Senior Scientist im Bereich der Polymerforschung der BASF SE, bei einem Pressegespräch in Mainz die Relevanz der Empfehlungen für die industrielle Praxis aufzeigen.

Das Positionspapier wird im Dezember 2008 in der Reihe "acatech bezieht Position" erscheinen. Ein PDF kann vorab in der Geschäftsstelle der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften angefordert werden.

Über acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
acatech vertritt die Interessen der deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Als Arbeitsakademie berät acatech Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen. Darüber hinaus hat es sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu erleichtern und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Zu den Mitgliedern der Akademie zählen herausragende Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. acatech finanziert sich durch eine institutionelle Förderung von Bund und Ländern sowie durch Spenden und projektbezogene Drittmittel. Um die Akzeptanz des technischen Fortschritts in Deutschland zu fördern und das Potenzial zukunftsweisender Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft deutlich zu machen, veranstaltet acatech Symposien, Foren, Podiumsdiskussionen und Workshops. Mit Studien, Empfehlungen und Stellungnahmen wendet sich acatech an die Öffentlichkeit. Die Geschäftsstelle von acatech befindet sich in München; zudem ist acatech mit einem Hauptstadtbüro in Berlin vertreten.


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Jann Gerrit Ohlendorf
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit acatech
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Weitere Informationen unter www.acatech.de
Weitere Informationen: http://www.acatech.de - Informationen zur Deutschen Akademie der Technikwissenschaften
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