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HIV/Aids: Große Erfolge - aber keine Entwarnung: Prof. Brockmeyer zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2008

26.11.2008 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Auch in Zeiten, in denen die Finanzkrise alles überschattet und sich alles um schnelle Hilfe dreht, dürfen langfristige Probleme nicht vernachlässigt werden: Gerade die Bekämpfung von HIV/Aids muss mit aller Vehemenz weltweit weiter verfolgt werden, fordert Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer (Hautklinik der Ruhr-Universität), Sprecher des Kompetenznetzes HIV/Aids anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Eine Vernachlässigung könne folgenschwer sein und nur schwer zu korrigierende Rückschläge in der Bekämpfung nach sich ziehen. Die jüngsten Erfolge mit Knochenmarktransplantationen geben Anlass zu weiteren Studien - nicht zu vorschneller Euphorie. Wichtigstes Ziel: Neuinfektionen verhindern

"Wir haben mit Anerkennung gesehen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Jahresempfang der Deutschen Aids-Hilfe mit ihrem persönlichen Einsatz Flagge gezeigt und damit die globale Bedeutung von HIV/Aids unterstrichen hat", freut sich Brockmeyer. Denn zwar brachte das Jahr 2008 neue Erfolge in der Bekämpfung von HIV, auch mit deutlicher deutscher Beteiligung. Die Lebenserwartung eines Neuinfizierten ist auf ca. 30 Jahre gestiegen, was guten, auch neuen Medikamenten und ständig verbesserten Behandlungsplänen zu verdanken ist. Die Erfolge dürfen aber nicht über die Probleme hinwegtäuschen: Da etwa ein Drittel der Neuinfektionen häufig verspätet diagnostiziert wird, setzt auch die Therapie entsprechend spät ein. So können die Betroffenen nicht von den Vorteilen eines frühen Therapiebeginns profitieren, zum Beispiel von einem milderen Krankheitsverlauf. Außerdem reduziert ein früher Therapiebeginn das Ansteckungsrisiko. "Die Verminderung der Zahl von Neuinfektion bleibt unser großes Ziel, denn nach wie vor sind weder ein Impfschutz vor noch eine Heilung von einer HIV-Infektion möglich", unterstreicht Prof. Brockmeyer.

Neue Studien sind notwendig

"Der Erfolg durch die Knochenmarktransplantation bei einem HIV-infizierten Leukämie-Patienten in Berlin hat gezeigt, dass wir eine Studie zur HIV-Therapie benötigen, in der die Behandlung direkt nach Infektion begonnen wird", so Brockmeyer. Die frühzeitige Behandlung mit CCR5 Hemmer und Integrase-Hemmer, die Eindringen des HI-Virus in die Zelle bzw. den Zellkern behindern, könnte Wege zur Heilung von Infizierten aufzeigen. Für solche Studien bietet das Kompetenznetz HIV/Aids die optimale Infrastruktur. Vor sechs Jahren ins Leben gerufen und finanziert vom Bundeswissenschaftsministerium verfügt es inzwischen über die Daten von 8.300 Patienten. Neue Themen können schnell bundesweit umgesetzt werden. Therapienebenwirkungen werden schneller erkannt und gemeinschaftlich neue Lösungen gefunden. Aktuelle Fragen sind etwa: Welche Auswirkung hat die HIV-Therapie auf Kinder? Wie können wichtige Impfungen, z.B. gegen die durch HPV-Viren ausgelösten Tumore Penis- und Analkarzinom auch HIV-Infizierten zugänglich gemacht werden? Wie addieren sich alters- und HIV-bedingte Organveränderungen? Ein Viertel der im Kompetenznetz betreuten Patienten sind älter, so dass sich auch diese Frage beantworten lässt. "Die Herausforderung HIV/Aids bleibt bestehen", stellt Brockmeyer fest. "Das Kompetenznetz steht dafür, Lösungen zu erarbeiten, zu beschreiben, umzusetzen und als Beitrag Deutschlands sichtbar zu machen."


Weitere Informationen

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Sprecher KompNet HIV/AIDS, Direktor Forschung und Lehre, Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234-509 3471, 74, Fax: 0234-509 3472, 75, E-Mail: n.brockmeyer@derma.de

Redaktion: Meike Drießen

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