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DJI Online Thema 2008/12: Gut integriert? Fakten und Emotionen

01.12.2008 - (idw) Deutsches Jugendinstitut e.V.

Als Voraussetzung für ein friedliches und produktives interethnisches Zusammenleben in Deutschland ist die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine zentrale Herausforderung für die formalen und non-formalen Bildungsorte. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter 25 Jahren liegt bei rund 27 Prozent; bei den Kindern unter sechs Jahren hat bereits ein Drittel einen Migrationshintergrund. Das DJI liefert wertvolle Forschungsergebnisse zur Integration in Krippe, Kindertageseinrichtungen, Schule, Ausbildung und Alltag. Die Themenfelder Migration und Integration sind als Querschnittsthemen in den Forschungsprojekten des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) seit Langem verankert. Grundsätzlich wird Integration dabei nicht als einseitiger Anpassungsprozess an die Mehrheitsgesellschaft verstanden, sondern vielmehr als eine kulturelle und soziale Annäherung zwischen Einheimischen und MigrantInnen - mit dem Ziel, allen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Arbeit zu eröffnen. Begrifflich spiegelt sich ein solch grundlegendes Verständnis darin, dass in vielen Forschungskontexten am DJI eher von gelebter Interkulturalität gesprochen wird als von Integration. Dabei werden Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Entwicklungsverläufe gelingender interethischer Beziehungen unter Zugewanderten und Einheimischen untersucht, ohne jedoch Brüche oder Konflikte aus dem Blick zu verlieren.

Aufgefächert entlang der Bildungsorte (Krippe, Kindertageseinrichtung, Schule, Ausbildung und Alltag) stellt "Auf einen Blick" Kernergebnisse entsprechender DJI Publikationen und zahlreicher DJI Projekte zum Thema vor.
Zur inhaltlichen Vertiefung und ergänzend zu den Studien, die in den Abteilungen "Kinder und Kinderbetreuung", "Jugend und Jugendhilfe", "Familie und Familienpolitik" sowie dem "Forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit" durchgeführt werden, hat das DJI 2006 die Forschungsgruppe "Migration, Integration und interethnisches Zusammenleben" etabliert. Hier sind auch die sogenannten XENOS-Projekte angesiedelt, deren Ziel es ist, Barrieren sowie Handlungsspielräume in der interkulturellen Zusammenarbeit in Unternehmen zu analysieren, um betriebliche Maßnahmen zur nachhaltigen Förderung interethnischer Beziehungen zu entwickeln. 2008 hat die Forschungsgruppe eine Online-Befragung von 2.100 Auszubildenden zum Thema Interkulturalität abgeschlossen und ausgewertet. Die Leiterin der Forschungsgruppe PD Dr. Iris Bednarz-Braun gibt im "Interview" detailliert über diese Studie Auskunft.

Die Altersgruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund steht auch im Mittelpunkt des "Blicks von außen", den Barbara Graf vom Internationalen Bund verfasst hat. Sie schildert, wie die Jugendmigrationsdienste seit 2005 systematisch und kontinuierlich konkrete Hilfestellung leisten, indem sozialpädagogische Fachkräfte mit Hilfe eines individuellen Integrationsförderplans gemeinsam mit den Jugendlichen Pläne für ihre Entwicklung ausarbeiten und sie darin auch begleiten. Die Gratwanderung für die Jugendmigrationsdienste bestehe, so Graf, darin, einerseits eine kurz- und mittelfristige individuelle Planung zu erstellen und detaillierte Handlungsschritte verbindlich zu vereinbaren - andererseits dem Jugendlichen so attraktive Angebote zu unterbreiten, dass er die Einrichtung gern besucht und die Beratung freiwillig in Anspruch nimmt.

Ingrid Raddatz, die lange Jahre als Hauptschullehrerin tätig war, betont in ihrem "Blick von außen" die Bedeutung einer möglichst frühen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Der Transfer der dafür grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse gelinge heute weitaus häufiger als noch vor wenigen Jahren. Als Koordinatorin des Bundesprojekts "FörMig" (Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund) in Rheinland-Pfalz beobachtet und begleitet sie die Professionalisierung im Umgang mit sprachlicher Heterogenität. Hierzu gehören auch die bessere Verzahnung und der pädagogische Austausch zwischen ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen. Außerdem plädiert sie mit Blick auf die finanziellen Ressourcen dafür, das Bildungssystem vom Kopf auf die Füße zu stellen. Denn was in der frühen Förderung in Kindertagesstätte und Grundschule versäumt werde, lasse sich später nur mit erheblichen Mitteln ausbügeln.


Ausführliche Link- und Literaturlisten runden das Thema ab. Das DJI Online Gespräch mit Dr. Barbara Thiessen (DJI) setzt ergänzend einen Akzent auf die Zusammenhänge zwischen illegaler Migration von Frauen und deren Beschäftigung in Privathaushalten.
Weitere Informationen: http://www.dji.de/thema/0812
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