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Die Ernährung der Weltbevölkerung bleibt auch für die Forschung eine permanente Aufgabe

09.01.2009 - (idw) Senat der Bundesforschungsinstitute im Geschäftsbereich des BMELV

Neuer ForschungsReport mit Schwerpunkt "Globale Ernährungssicherung" erschienen Die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten hat der Hoffnung, das Hungerproblem in der Welt in absehbarer Zeit zu entschärfen, einen deutlichen Dämpfer verpasst. Waren die Teilnehmer des Welternährungsgipfels 1996 noch optimistisch, die Zahl der Hungernden innerhalb von zwanzig Jahren halbieren zu können, ist von dieser Hoffnung heute wenig geblieben. Der ForschungsReport, das Wissenschaftsmagazin des Senats der Bundesforschungsinstitute, beleuchtet in seiner aktuellen Ausgabe das komplexe Thema "Globale Ernährungssicherung" aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die Agrarökonomen Martina Brockmeier und Rainer Klepper vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Braunschweig beschreiben den Anstieg der Nahrungsmittelpreise der letzten Jahre als ein Konglomerat aus steigender Nachfrage, stagnierendem Angebot und finanz- und handelspolitischen Einflüssen, überlagert von unvorhersehbaren Witterungsereignissen wie der Dürre in Australien, einem wichtigen Getreideexportland. Zwar stellten hohe Agrarpreise prinzipiell einen Anreiz für die Ausdehnung der Produktion dar, doch müsse gerade in den Entwicklungsländern die Finanzsituation der Erzeuger, etwa durch kostengünstige Kredite, verbessert werden. Außerdem dürften die Anreize nicht durch dauerhafte Lebensmittellieferungen aus den Industrieländern unterlaufen werden.

Getreide, der Grundstoff für das "tägliche Brot", wird in den letzten Jahren auch als Energielieferant genutzt. Geht der Welt durch diese zusätzliche Nachfrage das Getreide aus? Meinolf Lindhauer vom Detmolder Max Rubner-Institut (MRI) analysiert die deutschland- und weltweiten Produktions- und Verbrauchszahlen. In Deutschland sind im Wirtschaftsjahr 2006/07 (neuere Daten sind noch nicht verfügbar) rund 43 Millionen Tonnen Getreide verbraucht worden. Davon flossen lediglich 1,5 Millionen Tonnen in den Energiesektor, weniger als zum Beispiel für die Bierherstellung benötigt wird. Mehr als die Hälfe des Getreides, 26 Millionen Tonnen, dienten als Tierfutter. Auch weltweit wird der größte Teil des Getreides als Futtermittel verwendet. Es ist also vor allem die steigende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln, die - neben dem Bevölkerungswachstum und witterungsbedingten Missernten - die Getreidepreise wesentlich beeinflussen wird.

Die Nachfrage nach Lebensmitteln tierischer Herkunft wird sich nach Prognosen der FAO noch deutlich dynamischer entwickeln als die Zunahme der Weltbevölkerung. Wichtige Ursachen dafür sind die erhöhten Einkommen in den Schwellen- und Entwicklungsländern und der hohe Genusswert von Fleisch, Milch und Eiern. Der Frage, ob und mit welchen Umweltauswirkungen eine entsprechende Produktionserhöhung zu schaffen ist, gehen Gerhard Flachowsky und seine Mitarbeiter vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Braunschweig nach.

Stetig mehr nachgefragt wird auch das Lebensmittel Fisch. Da sich die Anlandungen aus dem Meer aufgrund der begrenzten Ressourcen kaum noch steigern lassen, gewinnt die Aquakultur zunehmend an Bedeutung. Die Fischereiforscher Volker Hilge und Reinhold Hanel vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Hamburg geben einen Überblick über die massiven Zuwachsraten in diesem Segment: Wurden 1975 noch 5 Millionen Tonnen Fische, Krebse und andere Meerestiere in Aquakultur erzeugt, sind es mittlerweile zehnmal so viel. Rund die Hälfte des weltweiten Angebots an Konsumfisch stammt heute aus der Aquakultur. Vorreiter sind hier vor allem asiatische Länder.

Einen konkreten Baustein zur langfristigen Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung vor Ort beschreibt ein Artikel aus dem Quedlinburger Julius Kühn-Institut (JKI). In Äthiopien wird der Weizen, neben der Hirseart Teff die wichtigste Kulturpflanze, zunehmend von einem aggressiven Schwarzrostpilz (Rasse Ug99) befallen, der die Weizenproduktion in den wärmeren Gebieten weltweit gefährdet. Die Züchtungsforscher Belayneh Yimer und Frank Ordon schildern, wie sie durch die Erfassung des in Äthiopien auftretenden Rassenspektrums des Schwarzrostpilzes und die Suche nach Resistenzgenen in äthiopischen Weizensorten dazu beitragen können, unempfindliche Pflanzen zu entwickeln, die sich gegen den Schadpilz durchsetzen können.


Der 48-seitige ForschungsReport 2/2008 mit dem Schwerpunktthema "Globale Ernährungssicherung" kann kostenlos bezogen werden über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsinstitute, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig. Tel.: 0531 / 596-1016, E-mail: michael.welling@vti.bund.de.

Um Belegexemplar wird gebeten
Weitere Informationen: http://www.forschungsreport.de - Der ForschungsReport im Internet
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