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Technik aus der Natur - neues Bionikzentrum an der Universität Münster

20.01.2009 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

"Bionik begeistert", davon ist Prof. Dr. Bernd Hill überzeugt. Der Technik-Didaktiker leitet das an der Universität Münster neu gegründete "Bionikzentrum". Er vermittelt Studierenden, Lehrern und Schülern, dass die Natur für technische Probleme oft die beste Lösung hat - viele Erfindungen wie der Klettverschluss oder der Lotus-Effekt, der auf dem Prinzip der Selbstreinigung beruht, gehen auf ein lebendes Vorbild zurück. Das Bionikzentrum hat neben Universität und Schule auch die Industrie im Blick und leistet Unternehmen Hilfestellung bei der Entwicklung neuer technischer Lösungen. Das Bionikzentrum am Institut für Technik und ihre Didaktik der WWU lädt Schüler von der Grundschule bis zur Oberstufe in die "Forscher- und Erfinderwerkstatt Bionik" ein. Die Schüler ergründen dort spannende Phänomene der Natur und erfahren, welche Bedeutung sie für technische Lösungen haben. Ein Beispiel ist die Haifischhaut: Ihre spezielle Struktur sorgt für einen möglichst geringen Strömungswiderstand. Nachgebildete Haihaut auf Flugzeugoberflächen sorgt daher dafür, dass Flüge ökonomischer werden, und "Haifisch-Schwimmanzüge" erleichtern Profischwimmern das Fortkommen im Wasser.

Das Bionikzentrum hat auch die Lehrer im Blick. Neben Kursen für Studierende - in erster Linie angehende Lehrer der Primarstufe und der Sekundarstufe I - bietet es im "Bioniklabor zur Aus- und Fortbildung" Kurse zur Weiterbildung für Techniklehrer sowie für Lehrer der Biologie und Physik an. Das Kursangebot richtet sich nach den Bedürfnissen und Wünschen der Lehrer. In einer Dauerausstellung zum Thema "Lernen von der Natur" können interessierte Schüler, Lehrer und Studierende unter anderem anschaulich erfahren, wieso Eisbären nicht frieren oder wie der Lotus-Effekt funktioniert.

Die dritte Säule ist die Forschungsstelle für Angewandte Bionik. Sie bietet Unternehmen Möglichkeiten, ihr Produktsortiment weiterzuentwickeln. "Wir machen hier angewandte Bionik und wollen nicht im Elfenbeinturm forschen", so Prof. Hill. Daher geben die Bioniker Unternehmen "Starthilfe" und zeigen Lösungsmöglichkeiten aus der Natur auf. Prof. Hill sagt: "Aus der Industrie kommen öfters Anfragen. Ein Beispiel: Ein Unternehmen wollte eine Technik entwickeln, durch die sich Gasleitungen im Falle eines Lecks selbst abdichten. Wir haben den Ingenieuren gezeigt, was für Mechanismen der Selbstheilung es in der Natur gibt."

Unter dem Titel "Naturorientierte Innovationsstrategie Heureka" stellt das Bionikzentrum ein Katalogsystem mit über 1.000 Lösungsmustern der biologischen Evolution bereit. Dadurch besteht für Unternehmen die Möglichkeit, den "Innovationspool Natur" gezielt zu nutzen. "Den Entwicklungsteams stehen so neuartige 'Konstruktionswerkzeuge' als Hilfen bei der Produktentwicklung zur Seite", so Prof. Hill.
Weitere Informationen: http://www.uni-muenster.de/Physik.TD/ WWU/Technik und ihre Didaktik
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