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Universität Hohenheim baut Qualitätsmanagement aus: "Wir sind nicht in allen Bereichen so gut, wie wir sein wollen&

22.01.2009 - (idw) Universität Hohenheim

Sich auf vergangenen Erfolgen auszuruhen wäre fahrlässig, meint der Rektor der Universität Hohenheim - und verordnet seiner Hochschule eine aktuelle Qualitäts-Inventur, die noch über das hinausgeht wozu sie gesetzlich verpflichtet ist. Details zum weiteren Vorgehen präsentierte die Evaluations-Agentur Baden-Württemberg (evalag GmbH) in einer öffentlichen Senatssitzung am gestrigen Mittwoch. Demnach sollen externe Gutachter die Universität bis Mitte des Jahres im Rahmen eines Audits durchleuchten, um noch in diesem Jahr einen Maßnahmenplan zu entwickeln. Für das gesamte Projekt, ein kontinuierliches Qualitäts-Sicherungs-System aufzubauen, rechnet Rektor Prof. Dr. Hans-Peter Liebig mit zwei bis drei Jahren.

Die Gretchen-Frage stellte die Geschäftsführerin der evalag GmbH, Dr. Anke Rigbers, zu Beginn ihrer Ausführungen: Ob es an Universitäten bislang keine Qualität gegeben habe? Um sich die Frage dann gleich selbst zu beantworten: "Qualität gab es schon vor dem Qualitätsmanagement. Mit Sicherheit: Ja!"

Gleichzeitig befänden sich die Hochschulen derzeit in einem neuen Umfeld: Neue Aufgaben und eine stärkere Autonomie verlange eine neue Organisationsentwicklung. Im internationalen Wettbewerb hätten deutsche Hochschulen hier Nachholbedarf. Gleichzeitig verpflichte der Solidarpakt II in Baden-Württemberg, wie auch die aktuelle Fassung des Landeshochschulgesetzes, die Hochschulen Qualitätssicherungssysteme aufzubauen.

Mehr, als gesetzlich gefordert

Über die gesetzlichen Vorgaben will die Universität Hohenheim jedoch hinausgehen. "Laut Solidarpakt sind wir zum Qualitätsmanagement in Forschung und Lehre, in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, im Technologietransfer und in der Gleichstellung verpflichtet. Wir haben diese Agenda um die wissenschafts-unterstützenden Prozesse erweitert, um ein schlüssiges Gesamtsystem für die Universität anzustreben", kommentiert Rektor Prof. Dr. Liebig.

Ein Grund sei, dass "wir nicht in allen Bereichen so gut sind, wie wir sein wollen. Gleichzeitig schlafen auch unsere Wettbewerber nicht", meint Prof. Dr. Liebig. "Statt sich auf erfreulichen Erfolgen auszuruhen, müssen wir lernen, dass Qualität ein permanenter Prozess ist, bei dem man nie an dem Punkt ankommt, an dem man sagen kann: Jetzt ist es optimal."

Vorarbeiten erlauben Projektplan bis Ende des Jahres

Dabei starte die Universität Hohenheim jedoch nicht bei Null, wie auch evalag-Geschäftsführerin Dr. Rigbers aus der Audit-Vorbereitung schloss: In der Lehre seien alle internationalen Studiengänge bereits akkreditiert, außerdem würden flächendeckend Lehrevaluationen von Studierenden durchgeführt. Die Agrarwissenschaften samt Ernährungswissenschaft und Lebensmitteltechnologie habe der Wissenschaftsrat 2006 mit sehr guten Ergebnissen evaluiert. Bei Drittmittelprojekten seien Abschluss-Evaluationen Standard. Weite Teile der Administration habe das Vorgänger-Rektorat in dem Projekt "Einrichtungen auf dem Prüfstand" begutachet.

"Neu ist, dass wir mit dem Audit vorhandene Informationen zusammentragen, die Systeme verzahnen und sie ergänzen", erklärt Dr. Rigbers. Gestützt auf Fragebögen und Gutachterbegehungen will die evalag vor dem Herbst einen Auditbericht und noch in diesem Jahr einen Projektplan mit weiteren Maßnahmen erstellen. Nach einer Umsetzungsphase 2010 sollen die Umsetzungsfortschritte erneut begutachtet und evaluiert werden.

Lenkungsgruppe auf Leitungsebene

Für die interne Organisation hat die Universität Hohenheim eine Lenkungsgruppe gebildet. Dazu gehören neben den Rektoratsmitgliedern noch die Gleichstellungsbeauftragte und die Leiterin des Rektoramtes.

Ergänzt wird die Lenkungsgruppe durch drei Arbeitsgruppen, die die Fragebögen der evalag bearbeiten. Zur Arbeitsgruppe Forschung gehören neben dem Prorektor für Forschung die Abteilung Forschungsförderung und die Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Zentren. Im Bereich Lehre schloss sich der Prorektor für Lehre mit den Koordinatoren der Hohenheimer Studiengänge zusammen. Die Arbeitsgruppe für die unterstützenden Bereiche wird sich voraussichtlich aus Vertretern der Fakultäten, dem Controlling und den Abteilungen Personal sowie Wirtschaft und Finanzen zusammensetzen.

Großen Wert legt der Rektor jedoch darauf, dass die Beurteilung von externen Profis durchgeführt wird: "Wir lassen uns von außen beraten und von außen beurteilen. Die evalag hat hier besondere Erfahrung und davon wollen wir profitieren. Denn es kann nicht sein, dass wir nur eine Nabelschau betreiben, um uns die Qualität anschließend selbst zu bescheinigen."

Hintergrund evalag GmbH

Die evalag (Evaluationsagentur Baden-Württemberg) wurde im Jahr 2000 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet. Mit den durchgeführten Verfahren hat sich evalag mittlerweile als Kompetenzzentrum für Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung profiliert. Neben ausgewiesener Expertise auf den Gebieten der fachbezogenen hochschulübergreifenden Evaluation, der institutionellen Evaluation, der Strukturevaluation sowie der anlassbezogenen Evaluationen liegt der Fokus der Agentur seit 2007 insbesondere im Bereich der institutionellen Qualitätssicherung. Hier unterstützt evalag Hochschulen und andere wissenschaftliche Einrichtungen bei der Einführung und Weiterentwicklung ihres Qualitätsmanagements. evalag ist vor allem in Baden-Württemberg, aber auch in anderen Bundesländern tätig. Seit 2007 koordiniert evalag auch Begutachtungsverfahren im Rahmen der Wissenschaftsförderung. Insgesamt unterstützt die evalag GmbH derzeit sieben Universitäten, zwei Hochschulen und alle sechs Pädagogischen Hochschulen Baden-Württembergs im Bereich Qualitätssicherung und - entwicklung.


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