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Kommunikationswissenschaftler untersuchen in DFG-Projekt die rechtsextreme Symbolik der NPD in der Fernsehberichterstatt

29.01.2009 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Derbe Springerstiefel, kahlrasierte Schädel und Bomberjacke: Wenn das Fernsehen über Rechtsextremismus berichtet, werden häufig die immer selben Stereotype verwendet. Im Projekt "Die rechtsextreme Symbolik der NPD in der politischen Fernsehberichterstattung" untersuchen Kommunikationswissenschaftler der WWU Münster, wie die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF über die NPD berichten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Forschungsvorhaben von Prof. Dr. Matthias Kohring und Prof. Dr. Frank Marcinkowski bis 2011 mit 130.000 Euro. Rechtsextremisten transportieren ihre Botschaften über eine Vielzahl verschiedener Symbole, die sich nicht auf Springerstiefel und kahle Schädel beschränken lassen: "Musik, Kleidung, Zahlencodes, Grußformeln, Runen, Fahnen, Begriffe und Abkürzungen setzt die NPD geschickt für ihre Selbstdarstellung ein", sagt Prof. Kohring. Die Szene sei ein Chamäleon, erklärt Doktorandin Lisa Terfrüchte, die für das Projekt verantwortliche wissenschaftliche Mitarbeiterin. Denn Rechtsextremisten übernehmen häufig Symbole anderer politischer Strömungen. Als Beispiel nennt Terfrüchte etwa das Palästinensertuch. Früher galt es als Zeichen linken politischen Denkens. Heute ist es auch ein Accessoire der rechten Szene, die es als Symbol für Antisemitismus nutzt. Auch die schwarze Fahne, ursprünglich ein Erkennungszeichen der "Antifaschistischen Aktion", hätte die Rechte inzwischen für sich umgedeutet.

Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Projekts herauszufinden, wie der Journalismus mit der rechtsextremen Symbolik umgeht. Dafür wollen die Wissenschaftler alle Beiträge in den Sendungen "Tagesschau", "Tagesthemen", "heute" und "heute journal" untersuchen, die zwischen August 2004 bis Juli 2008 liefen und die die NPD thematisieren. Sie analysieren die Beiträge nach formalen Kriterien und daraufhin, welche visuellen, akustischen, gestischen und sprachlichen Symbole verwendet werden und wie das Thema sprachlich, gestalterisch und akustisch umgesetzt ist. Auf Grundlage der Ergebnisse führen die Forscher anschließend Leitfadeninterviews mit Journalisten.

"Es besteht die Möglichkeit, dass Journalisten die symbolische Selbstdarstellung der NPD übernehmen, obwohl sie das gar nicht wollen", weist Prof. Marcinkowski auf ein Problem in der Berichterstattung über Rechtsextremismus hin. Im Fall einer stereotypen Darstellung könnte das differenzierte Bild des Rechtsextremismus, das Politikwissenschaftler und Verfassungsschützer zeichnen, für den Zuschauer stark verkürzt erscheinen. Anders ausgedrückt: Wer nur nach Bomberjacken und Springerstiefeln Ausschau hält, wird einen Großteil des gesellschaftlichen Phänomens Rechtsextremismus schlicht übersehen.

Die Kommunikationswissenschaftler wollen ihre Ergebnisse aus der Programmanalyse mit den Autoren ausgewählter Beiträge diskutieren und gemeinsam mit ihnen Handlungsorientierungen entwickeln. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll dann ein Weiterbildungsseminar für Journalisten konzipiert werden. Wichtig ist den drei Wissenschaftlern dabei, den Journalisten auf gleicher Augenhöhe zu begegnen: "Wir sehen unseren Beitrag darin", betont Prof. Kohring, "die Reflexion über diese Problematik anzuregen und wissenschaftliche Informationen für diese Diskussion zur Verfügung zu stellen."
Weitere Informationen: http://egora.uni-muenster.de/ifk/ Institut für Kommunikationswissenschaft
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