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Wie heute mit den MfS-Akten umgehen?

02.02.2009 - (idw) Universität Erfurt

Marianne Birthler zur Gastvorlesung in der Katholisch-Theologischen Fakultät Mit dem Ringen um politische Veränderungen im Herbst 1989 war das Bemühen verbunden, die Akten des Staatssicherheitsdienstes vor der Vernichtung zu retten. 20 Jahre später sorgen diese Unterlagen weiterhin für gesellschaftlichen Zündstoff: Wie liest man sie richtig? Wie geht man in der Gesellschaft mit den sehr unterschiedlichen Interpretationen um? Wer hat die "Deutungshoheit"? Zu diesen Fragen wird Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, in einer Gastvorlesung in Erfurt Stellung nehmen. "20 Jahre und kein Ende. Zur Aktualität der MfS-Akten" lautet das Thema des Vortrags, zu dem Prof. Dr. Josef Pilvousek, Leiter der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, und Hubertus Staudacher, Katholisches Forum im Land Thüringen, einladen. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 4. Februar 2009, um 19.30 Uhr, im Hörsaal Coelicum, Katholisch-Theologische Fakultät, Erfurt, Domstr. 10, statt. Zu dieser öffentlichen Vorlesung laden die Veranstalter alle Interessenten herzlich ein.

Die Stasi-Akten, so die Veranstalter, seien "eine Herausforderung für unsere Gesellschaft". Ein Ende der Diskussionen sei nicht absehbar. Auf der einen Seite erhöht sich immer noch die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht. Auf der anderen Seite wird aber auch aus verschiedenen Kreisen ein Ende des Sonderstatus der Stasi-Akten gefordert. Letztlich gehe es, so Pilvousek und Staudacher, "um die Frage der Wirkmächtigkeit von Akten in der Gegenwart, wenn zeitliche Hintergründe und Umstände nicht mehr in ihrer belastenden, aber auch entlastenden Funktion verstanden und gewürdigt werden können." 20 Jahre nach der "Wende" wird die grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Stasi-Akten erneut zum Thema.

Marianne Birthler, geb. 1948, war nach dem Abitur sechs Jahre im Außenhandel tätig. Von 1967 bis 1972 absolvierte sie ein Fernstudium der Außenhandelswirtschaft. Danach wurde sie fünf Jahre lang zur Katechetin und Gemeindehelferin der evangelischen Kirche ausgebildet. Seit 1982 war sie in der Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Kirche in Berlin tätig. Seit 1986 engagierte sie sich in verschiedenen Oppositionsgruppen der DDR. 1989 arbeitete sie am Runden Tisch (Thema Bildung-Erziehung-Jugend) mit, ab März 1989 war sie Mitglied der Volkskammer sowie Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Vom Oktober bis zum Dezember1990 saß sie als Abgeordnete im Deutschen Bundestag und war Sprecherin der Fraktion Die Grünen/Bündnis 90. Vom November 1990 bis Oktober 1992 arbeitete sie als Ministerin für Bildung, Jugend und Sport im Land Brandenburg (Rücktritt vom Ministeramt als Reaktion auf die Stasi-Kontakte des damaligen Ministerpräsidenten). Vom Mai 1993 bis Dezember 1994 war sie Bundesvorstandssprecherin der Partei Bündnis 90/Die Grünen. 1993 wurde sie zum Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages gewählt. Am 11. Oktober 2000 wurde sie in das Amt der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staats-sicherheitsdienstes der ehemaligen DDR eingeführt.

Weitere Informationen:
Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt, Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte Erfurt (FKZE), 0361/6029241

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