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DJI Online Thema 2009/02 Kinderbetreuung zwischen Familie, Kindertagespflege und Kita: neue Zahlen und Entwicklungen

02.02.2009 - (idw) Deutsches Jugendinstitut e.V.

Bundesweit stehen der Ausbau und die Weiterentwicklung institutioneller Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern auf der politischen Agenda. Aktuelle DJI-Analysen belegen für den Zeitraum 2006 bis 2008 klar erkennbare Anstrengungen beim Ausbau der Plätze in Kindertageseinrichtungen, eine überproportional gestiegene Inanspruchnahme von Tagespflegeangeboten bei den unter Dreijährigen in Westdeutschland (um 72%), beim Kindergartenbesuch der Dreijährigen in Westdeutschland (um 7%) sowie von Kita- und Tagespflegeangeboten für Einjährige in Ostdeutschland (um 6,7%). Allerdings erfordern die im KiFöG bis 2013 festgelegten Ausbauziele noch eine erheblich höhere Entwicklungsdynamik. Das DJI Online Thema "Kinderbetreuung zwischen Familie, Kindertagespflege und Kita" belegt anhand neuer Daten aus 2008 die aktuellen Entwicklungen der Kindertagesbetreuung in Deutschland und liefert Informationen zu themenaffinen DJI-Projekten und -Publikationen.

Gemeinsam mit der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) an der Technischen Universität Dortmund - mit der das DJI seit Jahren einen Forschungsverbund unterhält - analysiert das Deutsche Jugendinstitut seit 2002 Daten zum Ausbau der Kindertagesbetreuung in Deutschland. Grundlage der aktuellen Auswertungen sind die Ende 2008 veröffentlichten Erhebungsergebnisse des Statistischen Bundesamtes zu Kindertageseinrichtungen in Deutschland.

Die DJI-Berechnungen spiegeln den Expansionskurs der Kindertageseinrichtungen: Von 2007 bis 2008 kamen bundesweit über 1.000 neue Einrichtungen hinzu, 47.500 Plätze wurden geschaffen und 15.500 zusätzliche Personen eingestellt.

Auch die Kindertagespflege verzeichnet starke Zuwächse. Hier wurden innerhalb von zwei Jahren rund 25.500 neue Kindertagespflegen gemeldet. Bei den unter Dreijährigen war in Westdeutschland ein Anstieg von 72 Prozent zu verzeichnen. Dies ist eine Entwicklung in die richtige Richtung, allerdings mit noch zu geringem Volumen. Soll das vorgegebene Ausbauziel des Kinderförderungsgesetzes erreicht werden, so müssen in den verbleibenden fünf Jahren jedes Jahr mehr als 20.000 neue Angebote, insgesamt über 100.000 Angebote geschaffen werden.

Generell muss die jährliche Ausbaudynamik bei den Kita- und Tagespflegeangeboten für unter Dreijährige mehr als verdoppelt werden, wenn der geschätzte Bedarf an Plätzen für 35% dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2013 gedeckt werden soll.

Ebenfalls großen Ausbaubedarf gibt es bei den Ganztagsangeboten für Kinder zwischen drei und sechs Jahren in den westlichen Bundesländern.

In Ostdeutschland weisen insbesondere zwei Gruppen deutliche Zuwächse auf: die Einjährigen, die einen Platz in der Kindertagespflege oder einer Kindertageseinrichtung belegen sowie die 8- bis 11-jährigen Schulkinder, die einen Hort besuchen.

Bei den Kindergartenkindern ist ein weiterer Anstieg der recht hohen Quote der Inanspruchnahme zu verzeichnen. Nur 4% der Fünfjährigen besuchten am Stichtag 15. März 2008 keine Kindertageseinrichtung. Der stärkste Anstieg ist mit fast sieben Prozentpunkten bei den Dreijährigen festzustellen. Eine kürzlich abgeschlossene DJI-Studie hat analysiert, welche Motive hinter der Entscheidung mancher Eltern stehen, ihre Kinder bis zur Einschulung ausschließlich zu Hause zu betreuen, um auf dieser Informationsbasis Betreuungsangebote zukünftig noch bedarfsgerechter gestalten zu können. Michael Walter (Forschungsverbund DJI/TU Dortmund), der an der Studie zur Kinderbetreuung in der Familie beteiligt war, schlüsselt die heterogenen Beweggründe dieser Eltern im Interview auf.

Unabhängig davon, ob die Kinder nun zu Hause von den Eltern, von Tagespflegepersonen oder pädagogischem Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen betreut werden, ist die Frage der Betreuungsqualität von zentraler Bedeutung für die Lern- und Lebenschancen der Kinder. Das Deutsche Jugendinstitut befasst sich daher seit vielen Jahren intensiv nicht nur mit der bedarfsgerechten, sondern vor allem auch der qualitätsorientierten Weiterentwicklung der Angebote. Diese darf angesichts des bis 2013 zusätzlichen Einstellungsbedarfs von mindestens 33.000 Tagespflegepersonen und 42.000 Fachkräften in den Kindertagesstätten nicht aus dem Blick geraten.

Eine große Herausforderung für die Kindertagesstätten und die dort arbeitenden Fachkräfte sieht die Ökonomin und Soziologie-Professorin Uta Meier-Gräwe im tief greifenden Strukturwandel von Familie und Kindheit. In ihrem "Blick von außen" plädiert sie für eine sozialräumlich orientierte Kooperation zwischen sozialpädagogischen, sozialpsychologischen, aber auch familienbezogenen gesundheitlichen und hauswirtschaftlichen Diensten, um Kinder und ihre Eltern so früh wie möglich zu erreichen und beim Aufwachsen zu begleiten. Es gehe um eine verstärkte passgenaue Ausrichtung an den veränderten Lebens- und Problemlagen von Kindern und ihrem häuslichen Umfeld sowie um eine strukturell und qualitativ bessere Vernetzung und Abstimmung der bestehenden Infrastrukturen vor Ort.

Weitere Informationen: http://www.dji.de/thema/0902
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